Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Prignitz Massive Probleme auf regionaler Zugstrecke
Lokales Prignitz Massive Probleme auf regionaler Zugstrecke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:15 16.01.2017
Der Zug fuhr am Montag um 7.10 Uhr aus Blumenthal und erreichte erstmals wieder pünktlich Pritzwalk. Das Bahnunternehmen scheint das Problem der eingefrorenen Weichen in Griff zu bekommen. Quelle: Christamaria Ruch
Anzeige
Blumenthal

Das Ganze klingt nach einem schlechten Scherz. Wer sich derzeit als Reisender für eine Zugfahrt auf der Strecke zwischen Neustadt / Dosse und Pritzwalk (RB 73) entscheidet, weiß nicht, ob und wann der Zug fährt. Bereits im November vergangenen Jahres setzten diese Probleme ein. Im Dezember folgten weitere Zugverspätungen und Ausfälle. Seit Anfang Januar fällt der Zug wiederholt und ohne Ansage an den Haltepunkten aus.

Selbst der Schienenersatzverkehr verdient nicht diesen Namen. Ein Kleinbus mit neun Plätzen sammelt die Fahrgäste auf der Strecke zwischen Neustadt und Pritzwalk ein. Ist der Bus an irgendeiner Station bereits voll, fährt er die weiteren Haltepunkte nicht mehr an. Auch darüber erhalten die Reisenden keine oder unzureichende Informationen. Das alles schildert eine Frau aus Blumenthal, die täglich 7.10 Uhr zur Arbeit nach Pritzwalk fährt. Sie möchte namentlich nicht genannt werden. „Reisende werden vom Bahnhofspersonal einfach stehen gelassen; dazu kommt die Unfreundlichkeit einzelner Mitarbeiter“, sagt sie. Doch erst diese umfangreiche Bürgerbeschwerde machte das Problem öffentlich - die Frau wandte sich vergangene Woche an Holger Kippenhahn. Der Bürgermeister der Gemeinde Heiligengrabe vertritt eine der Anrainerkommunen, die seit 2015 den Bahnverkehr auf dieser Strecke jährlich mit je 5000 Euro mitfinanzieren.

Anzeige
Spärliche Informationen auf der elektronischen Anzeigetafel am Haltepunkt Blumenthal. Quelle: Christamaria Ruch

„Ich halte es für untragbar, dass einerseits diese Ausfälle in dieser Häufigkeit überhaupt zu konstatieren sind“, schrieb Kippenhahn an Ralf Böhme, vertretungsberechtigter Geschäftsführer der Hanseatischen Eisenbahn GmbH (Hans).

Die Frau aus Blumenthal kommt wegen der Zugprobleme verspätet zur Arbeit. Gehäuft steht der Zug bis zu 20 Minuten auf der Strecke, bevor er Einfahrt in den Pritzwalker Bahnhof erhält. „Das muss ich alles nacharbeiten“, sagt sie.

Hinzu kommen finanzielle Einbußen. Obwohl sie eine Monatsfahrkarte der Bahn nutzt, muss sie bei Zugausfall auf eine Autofahrt ausweichen. „Man lässt sich schon eine ganze Menge bei diesem ausgedünnten Zugverkehr gefallen“, sagt sie.

„Als Verantwortungsträger und Zuschussgeber für diese Bahnstrecke muss man sich in der Konsequenz nicht wundern, wenn dieses überaus ausgedünnte Angebot bald gar nicht mehr genutzt wird“, findet Holger Kippenhahn drastische Worte. Bereits jetzt geben die Anrainerkommunen Zusagen über die zukünftige Mitfinanzierung der Strecke. Nur dann kann der Bahnverkehr bis 2028/2029 am Leben gehalten werden.

Regiobahn-Chef Böhme: „Angespannte Situation“

„Wir sind uns der angespannten Situation bewusst. Im Namen des Unternehmens bitte ich, diese ganzen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“, bemühte sich Ralf Böhme um Schadensbegrenzung. Und: „Die grundsätzliche Ursache liegt derzeit darin, dass zwei Weichen auf dem Pritzwalker Bahnhof eingefroren sind.“ Somit ist die Strecke RB 74 von Meyenburg bis Pritzwalk ähnlich betroffen wie die RB 73. Der Pritzwalker Bahnhof wird von der Deutschen Bahn Netz AG betrieben, während die Strecken der RB 73 und 74 außerhalb von Pritzwalk von der Regioinfra Gruppe unterhalten werden. Dazu gehört auch die Hanseatische Eisenbahn. „Die Deutsche Bahn hat es nicht geschafft, dass der Notfallplan greift und somit das Problem der eingefrorenen Weichen beseitigt wird“, so Böhme. Daher müssten jetzt regelmäßig Züge aus beiden Richtungen vor Pritzwalk „bis zu 30 Minuten warten.“

Fahrzeugstörungen an alter Technik

Die Ausfälle und Verspätungen im November bis Dezember resultieren laut Böhme aus „Fahrzeugstörungen wegen alter Technik.“ Darüber hinaus räumt er ein: „Es gibt Probleme in der internen Kommunikation, daran arbeiten wir.“ Nun sollen umgehend die Kapazitäten beim Schienenersatzverkehr erhöht werden und auch Mitarbeiter besser Auskunft erteilen. Ralf Böhme steht in engem Austausch mit der Deutschen Bahn, um das Problem auf dem Pritzwalker Bahnhof „kurzfristig in Griff zu bekommen.“ In der Tat: Am Montag fuhr der Zug um 7.10 Uhr aus Blumenthal und kam erstmals wieder pünktlich in Pritzwalk an.

Von Christamaria Ruch