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Prignitz Kritik am Pflegestärkungsgesetz I
Lokales Prignitz Kritik am Pflegestärkungsgesetz I
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16:22 19.01.2015
einen Angehörigen pflegt, hat alle Hände voll zu tun – und immer wieder auch mit Bürokratie zu kämpfen. Quelle: Jens Büttner
Meyenburg

 „Wir hatten schon ganz viele Anrufe von Angehörigen“, sagt Marko Fischer vom Deutschen Roten Kreuz in Meyenburg, der für die ambulante Pflege und die Angebote für Senioren und Demenzpatienten verantwortlich ist. Helfen können er und seine Kolleginnen nicht immer: „Schon in den ersten Tagen des neuen Jahres gab es Änderungen im neuen Gesetz – viele Sachen sind noch gar nicht richtig ausgereift.“

Nachdem Fischer und seine Kolleginnen sich in den vergangenen Monaten neben dem Tagesgeschäft mit dem umfangreichen Gesetz vertraut gemacht haben, stellt sich die Umsetzung nun als gar nicht so einfach dar. Das Team informierte sich bei Krankenkassen, in Gesprächen, bei Pflegedienstleistern, der Alzheimergesellschaft. „Die haben am schnellsten reagiert, oft am nächsten Tag eine Information zurückgezogen, weil es eine Änderung gab.“

Dabei gehe es um Antragsverfahren oder das Zahlungssystem, so der Bürgerhausleiter: „Patienten und Angehörige wollen nun Leistungen in Anspruch nehmen, sind aber total verunsichert. Wir müssen jetzt warten, wie das über die Kassen abgerufen wird. Die sind aber selbst verunsichert.“ Und so rechnen laut Fischer Pflegedienstleister und Krankenkassen in den kommenden Monaten mit weiteren Änderungen. „Jede Woche kommt eine neue Kleinigkeit hinzu.“

Neu ist seit dem 1. Januar, dass jeder, der eine Pflegestufe I hat, Anspruch auf ein monatliches Pflegegeld in Höhe von 104 Euro hat. Vorher gab es nichts. Neu ist laut Fischer auch, dass der Pflegesachleistungsanteil im ambulanten Bereich mit dem in der Tagespflege gleichgesetzt wird: „Die 104 Euro für zusätzliche Betreuungsleistungen können über zugelassene Pflegedienste mit hauptamtlichen oder ehrenamtlichen Mitarbeitern abgerechnet werden“, erklärt er.

„Wir handhaben das jetzt so, dass wir bei einigen Patienten langsam einsteigen, wir betreuen sie haupt- und ehrenamtlich.“ Im Bürgerhaus soll zum Beispiel eine weitere Vormittagsgruppe eröffnet werden, nur für Frauen. Für mittwochs ist ein reiner Männerstammtisch vorgesehen. „Dafür suchen wir noch Interessenten.“ Genau solche Angebote können über die 104 Euro abgesichert werden. Patienten, die ihren Satz an Pflegesachleistungen nicht ausschöpfen, können auf Antrag bei der Kasse bis zu 40 Prozent davon in Betreuungsangebote umwidmen. „Die Auszahlung der 104 Euro ist nicht möglich, das nicht verbrauchte Geld kann aber in die Folgemonate übernommen werden“, weiß Fischer.

Erheblich aufgestockt wurden die Sätze für „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“. Bis 2014 gab es für breitere Türen, begehbare Duschen oder Rollstuhlrampen 2557 Euro. Diese wurden auf bis zu 4000 Euro aufgestockt. Deutlich erhöht wurde auch der Satz für die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Der aktuelle Satz von 1612 Euro für bis zu 28 Tage kann sogar unter bestimmten Bedingungen um 50 Prozent aufgestockt werden.

Die angekündigte Entbürokratisierung können der Bürgerhausleiter und seine Kolleginnen indessen im neuen Gesetz nicht erkennen. „Davon ist bis heute nichts zu spüren – weder der Aufbau noch die Vorlagen für die einzelnen Pflegegruppen werden dünner. Alles wird einzeln abgearbeitet, Richtlinien werden immer weiter angezogen anstatt reduziert“, moniert der DRK-Fachmann. Ein Beispiel: Ein bettlägeriger Patient nutzt eine Wechseldruckmatratze. Das Sanitätshaus, das die Matratze ausgegeben hat, meldet sich beim Pflegedienst, dass die Nutzung verlängert werden muss. Dieser füllt ein Formular aus und begründet die Notwendigkeit für die Antidekubitus-Matratze, die ein Wundliegen verhindern soll. Das Formular geht an das Sanitätshaus, das es dann an die Krankenkasse weiterleitet. „So ist das mit allen Hilfsmitteln, vom Rollator bis zum Toilettenstuhl“, sagt Fischer. Bei einer Neubeantragung für eine solche Matratze könne es bis zu sechs Wochen dauern, bis die Fomalitäten erledigt sind und die Matratze da ist. „In der Zeit ist der Patient wundgelegen.“ Da liege der Fehler im System, sagt er: „Wir lassen die Patienten erst kaputtgehen und pflegen sie dann gesund.“ Die Folgekosten seien ungleich höher.

Das Gesamtpaket Pflegestärkungsgesetz findet Fischer gar nicht so verkehrt. „Aber es hapert bei der praktischen Umsetzung.“ Noch immer sei viel zu viel Ballast dabei, der die Arbeit am Patienten zu umfangreich mache.

Von Beate Vogel

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