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Meyenburg Wasserspiegel im Brunnen auf Kräuterhof ist auf Rekordtief
Lokales Prignitz Meyenburg Wasserspiegel im Brunnen auf Kräuterhof ist auf Rekordtief
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12:13 12.06.2019
Cordula Schoenegge zeigt mit der Acker-Witwenblume einen Gewinner bei Trockenheit und Hitze. Die Pflanze ist auch bei Insekten sehr beliebt. Quelle: Christamaria Ruch
Buddenhagen

Giersch gehört zu den Wildkräutern schlechthin. Hat er einmal den Garten erobert, sorgt sein weit verzweigtes Wurzelsystem für bleibende Erlebnisse. Doch nun gerät der Giersch ins Straucheln.

Cordula Schoenegge vom Prignitzer Kräuterhof in Buddenhagen (Amt Meyenburg) legt die Stirn in Falten und wird nachdenklich. „Giersch verträgt keine Trockenheit“, sagt sie. So wie viele andere Pflanzen auch. Auf 5500 Quadratmeter Gartenfläche entwickelt sich der Garten seit zwölf Jahren in eine blühende Oase aus Stauden, Nutzpflanzen, Teichen und Blumenwiesen. Die Kräuterfrau hat eine Vorliebe für Wildrosen und historische Rosen: 160 Rosensorten gedeihen auf dem Grundstück.

Die Eselsdistel kommt ebenfalls mit der aktuellen Wetterlage zurecht und wächst üppig. Quelle: Christamaria Ruch

Das Problem: „Unser Brunnen ist seit August vergangenen Jahres zeitweise leer, der Wasserspiegel hat sich seitdem nicht mehr erholt“, sagt Cordula Schoenegge.

Der Brunnen ist acht Meter tief und das Wasser stand zum Jahresanfang immer fast bis an die Oberkante. „Wir kannten das bisher nicht anders.“ In diesem Frühjahr beginnt der Wasserspiegel erst in sechs Meter Tiefe. Hitze, Sonne und Trockenheit lassen ihr keine Wahl.

Gießen mit Leitungswasser statt aus Brunnen

„Wir gießen schon seit langem mit Leitungswasser, um den Pflanzen überhaupt eine Chance zu geben.“ Beim Gang durch den Garten sagt sie: „Gut zwei Drittel unserer Pflanzen haben jetzt Probleme. Es fällt auf, dass sich seit dem vergangenen Trockenjahr die nicht heimischen Pflanzen stärker entwickeln, sie kommen mit diesen Bedingungen besser zurecht.“

Schleichender Prozess

Diese Veränderung ist ein schleichender Prozess. Letzten Endes werden sich nur die Pflanzen durchsetzen, die sich an diese Extrembedingungen anpassen können.

Bei Trockenheit geht die Kartoffelrose in die Knie. Die Blätter werden von innen heraus gelb. Quelle: Christamaria Ruch

„In der Kombination von Lehmboden und Trockenheit sind beispielsweise an der Kartoffelrose Trockenschäden zu sehen“, sagt Schoenegge.

Trockenschäden an der Kartoffelrose

Die Folge sind kleinere Blüten und gelbe Blätter, die sich im Inneren des Strauches bilden und dann ausbreiten. Cordula Schoenegge weiß, welchen Pflanzen bei wenig Niederschlag der Schuh drückt. Hortensien brauchen viel Wasser. Sie leiden unter der Hitze genauso wie etwa Farne und gehen ohne Wasser ein. Nadelbäume wie Fichten mit ihrem flachen Wurzelsystem haben ebenfalls keine Chance und sind bei Trockenstress anfällig für Schädlinge.

Selbst typische Wildkräuter wie Brennnessel oder Löwenzahn gehen in die Knie, wenn das Wasser fehlt. „Die wachsen nur noch bedingt“, sagt sie. Der Echte Alant als Heil- und Gewürzpflanze leidet sehr stark bei Trockenheit.

Topinambur nur halb so groß

Die Nutzpflanze Topinambur mit essbaren Wurzelknollen ist weit von der Idealfigur entfernt. „Normalerweise müssten die Pflanzen jetzt schon ein Meter hoch sein, aber sie sind nur halb so groß wie sonst“, sagt Schoenegge. Pionierpflanzen wie Haselnuss, die als anspruchslose Pflanzen als erste einen Standort erobern, verkümmern bei Trockenheit.

Zum dritten Mal in zwei Jahren fressen Raupen die Berberitze kahl. Quelle: Christamaria Ruch

Nimmt die Hitze zu, verlassen auch Schädlinge ihr Nischendasein. Cordula Schoenegge zeigt einen Berberitzenstrauch. Raupen machen sich dort breit und fressen die Blätter ab. „Das ist jetzt im zweiten Jahr das dritte Mal, dass der Strauch kahl gefressen wird“, sagt sie.

Zum dritten Mal keine Teekräuter

Als Cordula Schoenegge 2012 in die berufliche Selbstständigkeit ging, gehörte der Anbau von Teekräutern zu ihren Standbeinen. „Jetzt habe ich das dritte Jahr in Folge keine Teekräuter mehr“, sagt sie.

Erst kam 2017 die Nässe und jetzt durchkreuzt die Trockenheit das zweite Jahr in Folge diese Pläne. Zitronenmelisse bevorzugt feuchte und warme Standorte, bei Trockenheit sorgt Pilzbefall für braungelbe Blätter. Die Minze ist nun ein Paradies für Blattläuse. Damit sind die Teekräuter auf dem Rückmarsch in Buddenhagen.

Die 49-Jährige muss sich den Gegebenheiten anpassen. Extremwetterlagen mit Phasen von Starkregen auf der einen und Dürren auf der anderen Seite gehören mittlerweile zu den Anzeichen für die klimatischen Veränderungen.

Als Kräuterfrau zählt sie die Pflanzen auf, die auch bei Hitze und Trockenheit gedeihen. „Das sind alles mediterrane Pflanzen wie Thymian, Salbei, Rosmarin, Zitronenverbene, Basilikum, Majoran oder chinesischer Steppenbeifuß“, sagt sie. Vor dem Hintergrund der veränderten Wetterlagen bietet sie in diesem Jahr erstmals auch ein Seminar über Sonnenheilpflanzen an. Dabei stellt sie die mediterranen Pflanzen vor.

Die Esskastanie kompensierte Frostschäden im Mai und treibt nun weiter aus. Quelle: Christamaria Ruch

Kastanieneiche und Esskastanie vertragen Hitze und gedeihen in Buddenhagen. Selbst Frostschäden im Mai hat die Esskastanie weggesteckt und neue Triebe gebildet. Die Acker-Witwenblume legt sich bei Hitze ins Zeug und punktet mit üppigem Wachstum.

Diese ausdauernde und krautige Pflanze ist bei Insekten sehr beliebt. Eiskraut gehört zu den Dickblattgewächsen, ist essbar, reich an Vitaminen und Mineralien und „entwickelt sich sehr gut“, sagt sie. Auf der Wildblumenwiese setzt sich Rainfarn gut in Szene, Königskerze und Eselsdisteln wachsen üppig.

Hecken mit Holunder, Felsenbirne oder Sanddorn schirmen das Grundstück vor noch mehr Windschäden ab. Bei der Auswahl der Stauden und Gehölze hat Cordula Schoenegge von Beginn an Wert auf robuste Pflanzen mit geringen Pflegeansprüchen gelegt. Dennoch trennt sich nun bei diesen Wettereinflüssen die Spreu vom Weizen.

Von Christamaria Ruch

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