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Meyenburg Berufung abgelehnt: Betreuer peitschte Jugendlichen mit Brennnesseln aus
Lokales Prignitz Meyenburg Berufung abgelehnt: Betreuer peitschte Jugendlichen mit Brennnesseln aus
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01:16 05.01.2019
Quelle: dpa
Meyenburg

Er sieht sich nach wie vor als unschuldig. Deshalb, so sagte ein 54-Jähriger vor dem Landgericht Neuruppin, habe er sich gegen das Urteil des Perleberger Amtsgerichts gewehrt. Ein Urteil, mit dem er zufrieden hätte sein können, wenn er denn der Täter gewesen wäre, sagte der Angeklagte. Neun Monate auf Bewährung wegen Misshandlung Schutzbefohlener lautete 2017 die Entscheidung des Amtsgerichts.

Berufung verworfen

Das Landgericht bestätigte nun das Urteil und verwarf die Berufung des ehemaligen Betreuers einer Jugendeinrichtung in Frehne (Prignitz) als unbegründet.

Die Richter glaubten den Zeugen, die vor Gericht von den Demütigungen und körperlichen Übergriffen des Angeklagten berichtet hatten, nachdem sie lange Zeit etwas anderes behauptet hatten.

Diesen Aussagewechsel, so die Vorsitzende Richterin, hätten alle nachvollziehbar erklärt: Sie hatten Angst. Angst, dass der Angeklagte seine Drohungen wahr macht und sie beispielsweise nach Polen schickt.

Angeklagter baute Drohkulisse auf

„Er baute eine Drohkulisse auf“, sagte der Staatsanwalt. Der Angeklagte habe ihnen vorgehalten, sie seien nichts und aus ihnen würde nichts. Die Jugendlichen seien kaum den Kinderschuhen entwachsen gewesen, als sie die „zweifelhafte Ehre“ hatten, in Frehne untergebracht worden zu sein. Was die damals betroffenen jungen Männer vor Gericht schilderten, erinnerte eher an ein Strafbataillon als an eine pädagogische Einrichtung, in der die Jugendlichen auf die Arbeitswelt vorbereitet werden sollten. Sie berichteten vor Gericht von verbalen und körperlichen Übergriffen.

Zögling mit Brennnesseln ausgepeitscht

Das gipfelte in der Tat vom 8. Juni 2013. Aus nichtigem Anlass peitschte der damalige Betreuer einen der Jungen mit Brennnesseln aus. „Das war ein Kontrollverlust, der durch nichts zu rechtfertigen ist“, so die Richterin.

Der so misshandelte Junge floh zu einer Dorfbewohnerin. „Sein Auftritt bei ihr war so authentisch und massiv, dass sie den Rettungswagen und die Polizei rief“, sagte die Richterin.

Noch an jenem Tag kam es zur Schließung der Einrichtung. Der Angeklagte hatte davon gesprochen, dass sie während einer Auseinandersetzung in die Brennnesseln gefallen seien. „Die Aussage entspricht nicht im Geringsten dem Verletzungsbild des Opfers“, sagte die Richterin.

In den Magen getreten und Nase blutig geschlagen

Dem vorangegangen waren andere Vorfälle, bei denen der Angeklagte einem Jungen in die Magengrube trat, einem anderen die Nase blutig schlug.

Das alles hatte der Angeklagte bis zuletzt bestritten. Er hatte lediglich eingeräumt, mit der erzieherischen Aufgabe überfordert gewesen zu sein. Er habe sie in zwei Jahren auf die Arbeitswelt vorbereiten sollen – Jugendliche, die sich nicht zehn Minuten auf eine Arbeit hätten konzentrieren können. Sicher sei er mal zu streng gewesen, aber nie gewalttätig geworden. Nur einmal habe er einen heftig geschüttelt, mehr nicht. Man sei bei der Arbeit mit derartigen Jugendlichen einem enormen Risiko ausgesetzt, sagte der Angeklagte.

Klima der Angst und Kontrolle

Er hätte sich anderweitig Hilfe suchen, das Jugendamt informieren müssen, dass die Situation für ihn, der weder eine pädagogische Ausbildung noch eine sonstige erzieherische Erfahrung hat, nicht mehr händelbar sei, so die Richterin. Sie warf dem Angeklagten vor, in der Einrichtung, ein Klima der Kontrolle und Macht geschaffen zu haben, durch Worte und Taten.

Kein Komplott

Weder der Staatsanwalt noch die Richter glaubten daran, dass sich die Jugendlichen gegen ihren ehemaligen Betreuer verbündet und sich zu seinem Nachteil abgesprochen hätten.

Dagegen spräche die emotionale Betroffenheit eines Jugendlichen, der erst dann aussagen konnte, als er den Angeklagten nicht mehr im Blickwinkel sehen konnte. Außerdem hätten sie gar keinen oder nur sporadisch Kontakt untereinander, so die Richterin. Und bei einer Absprache hätten sie übereinstimmend ausgesagt, so die Richterin.

Ist der Angeklagte mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, kann er dagegen mit dem Rechtsmittel der Revision vorgehen.

Von Dagmar Simons

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