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Meyenburg Bildnis von Zietens restauriert
Lokales Prignitz Meyenburg Bildnis von Zietens restauriert
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14:01 25.07.2018
Bürgermeister Falko Krassowski, Gunda Oelmann und Diether Pickel, Vorsitzender des Freundeskreises Schloss Meyenburg, mit dem Porträt.
Bürgermeister Falko Krassowski, Gunda Oelmann und Diether Pickel, Vorsitzender des Freundeskreises Schloss Meyenburg, mit dem Porträt. Quelle: Beate Vogel
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Meyenburg

Nur, wenn das Licht schräg auf das Bildnis Gottfried Christian von Zieten fällt, sind die Unebenheiten noch zu sehen, die die Wirren der Zeit auf der Oberfläche hinterlassen haben: Dann zeichnen sich tiefe Krater ab. Dass man sie kaum erahnt, wenn man das Porträt von vorn betrachtet, ist der Restauratorin Gunda Oelmann zu verdanken. Am Dienstagnachmittag brachte sie das Bild zurück ins Meyenburger Schlossmuseum.

„Es ist das bisher älteste Bild und das ramponierteste, das ich für Sie gemacht habe“, sagte Gunda Oelmann beim Auspacken des Gemäldes. Der Freundeskreis Schloss Meyenburg hatte der Fachfrau bereits mehrere Porträts anvertraut.

Als Leutnant gefallen

Gottfried Christian von Zieten wurde am 2. November 1711 geboren und fiel als Leutnant beim Regiment Prinz Leopold von Sachsen-Anhalt-Dessau am 18. Mai 1742 bei Chotusitz (Czaslau). Seine Eltern waren Hans Christian auf Brunne und Anna Juliane Susanne von Medern aus Ganzer. Luise von Wahlen Jürgass war seine Schwester.

Gunda Oelmann machte es spannend – und zeigte zunächst die Rückseite der Leinwand. Unter den Schriftzügen „G. C. v. Zieten“ und „M. W. Froling“ ist die Jahreszahl 1733 zu sehen, in der das Bild entstanden ist. Es bekam einen neuen Schmuckrahmen und ist nun etwas höher. Die originale Leinwand wurde einst auf einen anderen Rahmen gespannt und dafür unten einige Zentimeter umgeschlagen. Noch immer sind die Löcher und Risse der Nägel zu erkennen. Vor allem diese musste die Restauratorin deshalb mit kleinen Vierecken aus Leinwand hinterlegen.

Voller netzförmiger Risse

Auf der Vorderseite war das Porträt mit netzförmigen Rissen und Brüchen übersät. „Ich habe mich für eine Neutralretusche entschieden“, erklärte die Restauratorin. Normalerweise würden solche Fehlstellen in der meist einen Millimeter dicken Farbschicht mit Kitt oder Wachs ausgebessert. „Das ist wie bei den Falten im Gesicht, da benutzt man Makeup, um die Unebenheiten zu glätten.“ Bei diesem Bildnis seien die Schäden so massiv gewesen, dass das viel zu aufwändig geworden wäre.

Beim Gesicht habe sich die Restauratorin aber nicht zurückhalten können: „Da habe ich doch geglättet.“ So ist der „Schmiss“, den von Zieten auf dem Bild von der Stirn bis zur linken Augenbraue aufwies, jetzt fast nicht mehr zu sehen.

Von Zieten trug einen Hut

Gunda Oelmann hat die Schmutzschicht abgenommen, die Löcher und Fehlstellen auf der Rückseite hinterlegt und mit Farbe die Schäden auf der Vorderseite repariert. Auch die Vermutung Gunda Oelmanns, dass der Porträtierte einen Hut trägt, scheint sich zu bestätigen: „Ich bin mir da zu 99 Prozent sicher“, sagt sie und zeigt die roten Stellen, die die drei Spitzen des Hutes markieren dürften.

Dass das Bildnis so ramponiert war, erklärt Gunda Oelmann damit, dass es einst eilig zerknüllt in eine Kiste gestopft wurde. „Die Leinwand wurde sogar vom Rahmen gerissen, das sieht man deutlich an den Löchern.“ Weil der Maler eine Gouache-Temperafarbe verwendet hat, sind die Schäden nicht noch größer. „Bei Ölfarbe wäre mehr abgeplatzt“, ist die Restauratorin überzeugt. Es habe ihr großen Spaß gemacht, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Geld von Verein und Stadt

Die Besucher des Meyenburger Schlossmuseums können das Gemälde nun im Bereich der Familie von Rohr bewundern. Zum Vergleich hat Gunda Oelmann den Zustand vor der Restauration fotografiert. Das kleine Bild hängt nun dabei.

Finanziert haben die 1570 Euro teure Aufarbeitung der Freundeskreis Schloss Meyenburg und die Stadt zu gleichen Teilen. Außerdem steuerten Joachim und Jürgen von Rohr sowie Hans-Joachim Berkholz etwas bei. Georg von Rohr will ebenfalls spenden.

Von Beate Vogel