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Meyenburg Bio-Gemüse auch im Winter frisch vom Feld
Lokales Prignitz Meyenburg Bio-Gemüse auch im Winter frisch vom Feld
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11:24 05.01.2020
Till Mieke ist nicht nur wie hier in der wärmeren Jahreszeit aktiv. Er kümmert sich auch im Winter im Freien um sein Bio-Gemüse. Quelle: Cornelia Felsch
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Rohlsdorf

Kurz vor dem Jahreswechsel geht Bio-Landwirt Till Mieke noch einmal auf sein Feld, um die Begleitvegetation in seinen Gemüsebeeten zu beseitigen. Der Betreiber der Rohlsdorfer Landscheune in der Prignitz ist Gemüsebauer aus Leidenschaft und liefert seinen Kunden auch im Winter frisches Gemüse.

„Der Winter ist für den Gartenbau eine schöne Jahreszeit“, sagt er. „Alles wächst langsamer und es geht entspannter auf dem Hof zu. So braucht man auch nur einmal im Monat die Beikräuter zu entfernen.“ Das Wort Unkraut vermeidet der Pflanzenfreund.

Petersilie gibt es das ganze Jahr über

Minifenchel, Rote Bete, Kohlrabi, Asia-Salate, Postelein und Navet Rübchen – eine alte Kulturpflanze, die in der französischen Küche als eine besondere Delikatesse gilt – gedeihen unter den Vliesabdeckungen. Sie sind für Berliner und Hamburger Gastronomen bestimmt.

Rosenkohl und Poree bleiben ebenfalls auf den Beeten. Auch Petersilie gibt es das ganze Jahr über in seinem Garten. Und so wie der Bauer im Winter nicht ruht, wissen auch die Hühner, was sie zu tun haben. Sie legen selbst im Winter ihre Eier, allerdings nicht so reichlich. Die geringere Legeleistung machen sie durch extra große Eier wett. Als Futter dient frisches Grün und Bio-Gemüse zweiter Wahl.

Hühner leben auf dem Hof

„Unsere Hühner bekommen wir von einer Bio-Geflügelfarm“, sagt Till Mieke. „Sie haben schon die erste Mauser hinter sich, wenn sie auf unseren Hof kommen. Hier verleben sie dann ihr Jung-Rentnerdasein.“ Am Vormittag legen sie ihre Eier und am Nachmittag werden sie gefüttert. So sind sie immer beschäftigt. Wenn es dann gegen 17 Uhr dunkel ist, sind sie alle wieder im Stall.

Die Bio-Eier seiner glücklichen Hühner, sowie die grünen, vitaminreichen Delikatessen, verkauft Till Mieke an Restaurants und in einer Berliner Markthalle im Stadtteil Kreuzberg. Auch die Neuruppiner konnten sich an seinem Wochenmarkt-Stand auf dem Schulplatz seit 2018 mit frischen Bio-Produkten versorgen. Sein Abo-Kisten-Angebot wurde gut angenommen. Für einen günstigen Einheitspreis konnten sich die Kunden ihre Kiste selbst befüllen. Doch damit ist nun erst einmal Schluss.

Einen Gemüsestand der Rohlsdorfer Landscheune auf dem Neuruppiner Wochenmarkt wird es vorläufig nicht mehr geben. Quelle: Cornelia Felsch

„Damit sich das ganze rechnet muss man schon 100 Abo-Kunden zusammen bekommen“, sagt der Landwirt. In Neuruppin hatten wir zwanzig, in der Westprignitz zehn Kunden.“ Till Mieke schwärmt vom Wochenmarkt und von den Neuruppinern, die ihm die Treue gehalten haben. Doch die Zahlen sprechen für sich.

Die Anbaufläche verringert

„Nach eingehenden Überlegungen haben wir uns entschlossen, die Anbaufläche zu verringern und vorwiegend Gastronomen zu beliefern. Auch den Online-Shop wollen wir neu gestalten“, sagt der Bio-Gärtner, der den Marktverkauf doch gern irgendwann weiterführen möchte, denn seine Kunden sind ihm ans Herz gewachsen.

In den letzten Jahren hat Till Mieke viele Erfahrungen gesammelt und festgestellt, dass es nicht ganz einfach ist, nachhaltige, regionale Ernährungsstrategien zu entwickeln. „Es ist ein steiniger Weg“, sagt er und berichtet von Berliner Erfahrungen.

Dort wollten die Betreiber einer Markthalle in Kreuzberg einen Discounter durch einen Drogeriemarkt ersetzen. Doch viele Anwohner protestierten gegen dieses Vorhaben, da sie sich die Angebote der Markthalle nicht leisten könnten und darauf angewiesen seien, Lebensmittel bei dem Discounter zu kaufen. Mit ihrem Protest waren sie erfolgreich, vorerst bleibt der Discounter in der Halle.

Zusammenrücken von Produzenten und Verbrauchern

Proteste gab es im vergangenen Jahr reichlich – Bauern, Natur- und Klimaschützer gingen auf die Straße. Doch alle sind sich einig, dass viele Veränderungen nicht von heute auf morgen realisiert werden können und auch eine Ernährungswende – so dringend notwendig sie ist – braucht Zeit und muss sozial gestaltet werden. Das hat auch Till Mieke auf dem Neuruppiner Wochenmarkt erfahren.

Er wünscht sich für die Zukunft eine nachhaltigere Nutzung landwirtschaftlicher Flächen und ein engeres Zusammenrücken von Produzenten und Verbrauchern. Köche, die sich auf den Weg zu regionalen Landwirten machen, um dort das frische Gemüse für ihre Speisen auszuwählen, so wie das Noma – ein Restaurant in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen – sind für ihn positive Beispiele.

Schüler besuchen den Bauernhof

Vor sechs Jahren ist Till Mieke mit seiner Frau in die Prignitz gezogen. Sie übernahmen in Rohlsdorf das Kindercamp der Hoffbauer-Stiftung. Viele Schülergruppen erlebten dort in den letzten Jahren den Tagesablauf auf einem Bauernhof. Auch viele Hochzeitspaare erlebten auf dem Hof ihren großen Tag. Hochzeit auf dem Bauernhof ist wieder in Mode gekommen. Zu einer echten Leidenschaft des Hausherrn hat sich allerdings der biologische und nachhaltige Anbau von Gemüse entwickelt. Doch wer davon leben will, muss es auch verkaufen.

Gesunde Lebensmittel aus der Region sind gefragt, vor allem in Berlin. Auch in Mensen und Kantinen sollen sie nach den Vorstellungen des Senats Einzug halten. Doch gerade bei der Bio-Produktion von Obst und Gemüse gibt es im Brandenburger Land noch viele weiße Flecken und das trifft auch auf Verarbeitungsbetriebe zu.

Von Cornelia Felsch

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