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Meyenburg Entkräfteter Seeadler wieder aufgepäppelt
Lokales Prignitz Meyenburg Entkräfteter Seeadler wieder aufgepäppelt
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00:46 26.04.2018
Beeindruckende Klauen: Das Seeadlerweibchen hat sich erholt. Quelle: Privat
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Struck

Gut drei Wochen durfte sich das Seeadlerweibchen bei Angie und Uwe Löblich in Struck bei Gerdshagen (Amt Meyenburg) durchfuttern. Dann haben es die beiden Tierfreunde wieder in die Freiheit entlassen – da, wo es gefunden wurde.

„Der Seeadler wurde uns am 23. März gemeldet“, erinnert sich Angie Löblich, die gemeinsam mit ihrem Mann Uwe 2011 den Verein Wildtierhilfe Prignitz gegründet hat. Das Paar kümmert sich rund um die Uhr um verletzte oder entkräftete Tiere, die sonst niemand aufnehmen würde. Mitunter bekommen die beiden mitten in der Nacht einen Anruf, weil ein angefahrenes Wildtier gefunden wurde.

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Das Weibchen hatte keine Kraft mehr

Im Falle des Seeadlers habe der Grundstückseigentümer das Tier auf seinem Acker bei Beveringen (Stadt Pritzwalk) eine Weile beobachtet: „Der Vogel konnte kaum fliegen, kam nicht hoch und saß ewig an einer Stelle“, berichtet Angie Löblich. Als die Löblichs sich näherten, sei das Tier kurz aufgeflogen, aber nach 50 Metern wieder gelandet. Nach einer Weile haben sie ihn eingefangen. „Wir stellten fest, dass das Weibchen völlig kraftlos und abgemagert war.“

Zunächst ging es für den Vogel in die Tierklinik, wo er eine Dosis wichtiger Nährstoffe bekam. Das Tier sei etwa drei, vier Jahre alt gewesen. Nach Angie Löblichs Einschätzung hat die Vogeldame noch keinen eigenen Horst. Auf dem Grundstück der Löblichs in Struck wurde der Seeadler dann mit Kraftfutter verwöhnt, bis er sich erholt hatte.

Erstmal ein Bad in der Freiheit

Jetzt entließen ihn die Tierfreunde in die Freiheit. Zuvor hatte Ornithologe Jürgen Kaatz den Seeadler mit einem gelben und einem Farbring beringt. Dann ließ Uwe Löblich ihn frei. Lederhandschuhe tragen die Löblichs übrigens nicht, wenn sie die Tiere anfassen, sagt Angie Löblich, auch wenn sie so beeindruckende Klauen haben wie der Seeadler: „Dann hat man kein Gefühl mehr in den Händen und merkt kaum, ob der Griff richtig sitzt.“

„Zuerst mal hat der Vogel in einer Pfütze ein langes Bad genommen, wobei er von einem Rotmilanpärchen und von einer Krähe belästigt wurde“, erzählt Angie Löblich. Vielleicht haben sie ihr Revier in Gefahr gesehen. Die großen Seeadler kommen häufig in der Region vor, weiß die Vereinsgründerin. „Die genauen Standorte sind nicht bekannt.“

Eichhörnchenjunges ist der kleinste Bewohner

In der Wildtierauffangstation in Struck – der einzigen weit und breit, in der Wildtiere aufgenommen werden, leben alle möglichen Arten: Waschbären, Eulen, Turmfalken, Bussarde, Fledermäuse, Igel, Gänse und andere mehr sind vertreten. Manche sind Dauergäste, weil sie mit ihren Verletzungen nicht mehr ausgewildert werden können.

Das kleinste Tier ist ein Eichhörnchenjunges. Das Fellbündel wog gerade mal 65 Gramm und passte in eine Hand, als es zu den Löblichs kam. „Es ist wohl aus dem Kobel gefallen.“ Jetzt bringt es 90 Gramm auf die Waage. Zu den großen Tieren zählen Seeadler oder Rehe. „Für unsere Rehe müssen wir jetzt ein neues Gehege bauen“, so Angie Löblich. Für die Greifvögel soll ebenfalls eine größere Voliere gebaut werden.

Ohne Spenden geht kaum etwas

Die Vereinsarbeit machen Angie und Uwe Löblich größtenteils allein. „Wir machen oft die Erfahrung, dass die Leute gern helfen wollen, einen dann aber auch gern belehren wollen. Dabei haben sie ihr Wissen oft gegoogelt“, sagt die Tierschützerin. Wenn größere Bauvorhaben wie neue Gehege anstehen, können die Löblichs auf Freunde zurückgreifen, die ihnen beim Bau helfen.

Nach wie vor ist der Verein Wildtierhilfe Prignitz auf Spenden angewiesen. Dabei sind laut Angie Löblich nicht nur Geld, sondern auch Futtermittel oder Baumaterial willkommen. Zum Beispiel ganz aktuelle für das Rehgehege: „Wenn wir die Rehe im neuen Gehege haben, können wir auch einen Zaun zum Nachbargrundstück aufstellen.“ Dafür ist zum Beispiel Holz nötig.

Informationen oder Kontakt erhalten Interessenten über den Verein Wildtierhilfe Prignitz zum einen über die Homepage www.wildtierauffangstation.homepage.eu. Dort findet sich neben der Telefonnummer auch die Bankverbindung, über die gespendet werden kann. Es gibt auch eine Facebookseite.

Von Beate Vogel