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Meyenburg Futtermittelwerk wird zehn Jahre alt
Lokales Prignitz Meyenburg Futtermittelwerk wird zehn Jahre alt
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00:33 28.05.2018
Der Firmensitz Rapshagen von For Farmers lässt kaum vermuten, dass 2017 mehr als 130 000 Tonnen Ware vom Hof gingen.
Der Firmensitz Rapshagen von For Farmers lässt kaum vermuten, dass 2017 mehr als 130 000 Tonnen Ware vom Hof gingen. Quelle: Beate Vogel
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Rapshagen

Von außen sehen die silbern glänzenden Stahlsilos fast steril aus. Die großen Laster davor wirken ein bisschen verloren. Doch auf dem Gelände des Futtermittelherstellers For Farmers in Rapshagen (Amt Meyenburg) ist permanent Bewegung: Rohstoffe werden gebracht, fertiges Geflügelfutter ausgeliefert. Am gestrigen Donnerstag feierte die Firma mit ihren Kunden das zehnjährige Bestehen am Standort im Gewerbegebiet Falkenhagen.

For Farmers will noch in diesem Jahr damit beginnen, die Anlagen auszubauen, kündigte Geschäftsführer Gijsbert van Winkoop in seiner Festrede an: Zwei neue Mühlen sollen installiert werden, eine davon vom Hersteller Bühler, die die Kapazität des Werkes erheblich verbessern soll.

Bis 2019 sollen die jetzt knapp 30 Arbeitsplätze aufgestockt sein, bis 2020 will For Farmers die Verladung an den gestiegenen Bedarf angepasst haben. „Wir sind seit 2017 dabei, neue Leute einzustellen. Aber sie müssen auch geschult werden“, sagt van Winkoop.

Produktion steigt stetig

Vor zehn Jahren begründete For Farmers den Betrieb im Gerdshagener Ortsteil Rapshagen. Seitdem hat sich das Futtermittelwerk ständig weiterentwickelt, heißt es in einer Pressemitteilung. Seitdem ging die Produktion stetig nach oben.

So verließen 2015 95 000 Tonnen Ware das Werk, 2017 waren es schon 130 000 Tonnen. Für 2019 – nach den Erweiterungen – strebt van Winkoop 230 000 Tonnen an.

Die Belegschaft produziert Futtermittel für Legehennen oder Broiler und Puten. Gemahlen und gemischt wird in Rapshagen nach ausgetüftelten Mischanweisungen auf der Grundlage von Naturprodukten, wie Weizen, Soja und Mais. Hinzu kommen Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung, wie Rapskuchen oder Sonnenblumenschrot.

Die Polen essen mehr Geflügel

Der Geflügelmarkt boomt – ob nun Eier oder Fleisch produziert werden. „Das ist ein Wachstumsmarkt, die Nachfrage ist enorm gestiegen“, so Geschäftsführer van Winkoop.

Seit 40 Jahren ist For Farmers in Deutschland aktiv. Die Muttergesellschaft hat ihren Sitz in Holland. Laut Geschäftsführer van Winkoop verteilen sich die Kunden über ganz Ostdeutschland: „Von der Ostsee bis zum Erzgebirge“, sagt er.

Gijsbert van Winkoop ist Geschäftsführer beim Futtermittelhersteller For Farmers. Quelle: Beate Vogel

Der Futtermittelhersteller For Farmers hat Standorte in Großbritannien, natürlich den Niederlanden und neuerdings auch in Polen. „Der Schweinefleischkonsum in Polen geht zurück, der von Geflügel steigt“, weiß van Winkoop. Neun Werke gibt es in Deutschland, etwa in Hamburg, Vechta oder Rees. In Brandenburg hat das Unternehmen vier Standorte – neben dem in der Prignitz zwei in Potsdam-Mittelmark und einen im Süden des Landes.

Dem Geschäftsführer ist es wichtig, dass der Betrieb vor Ort vernetzt ist. Es gibt in der Region nicht nur etliche Geflügelbetriebe – ob für Mast oder Eier – sondern auch viele Landwirte, die die Grundstoffe zuliefern. „Die Leute wollen ja immer mehr Regionalität“, so Geschäftsführer van Winkoop.

Dass sich den letzten Jahren mehrere große niederländische Investoren Geflügelställe in der Prignitz oder in Ostprignitz-Ruppin gebaut haben, habe nichts mit dem Unternehmen zu tun, sagt er.

Futtermittel seit mehr als 100 Jahren

Mit einem Absatz von jährlich 9,6 Millionen Tonnen Tierfutter ist For Farmers Marktführer in Europa. For Farmers hat Produktionsstätten in den Niederlanden sowie in Belgien, Deutschland und im Vereinigten Königreich. Im Jahr 2017 hatte For Farmers 2325 Mitarbeiter. Der Umsatz lag bei rund 2,2 Milliarden Euro.

Hergestellt werden Tierfutterprodukte für Rinder, Schweine und Geflügel nach speziellen Rezepturen. Es gibt auch Lösungen für biologisch produzierende Betriebe.

Gegründet wurde das Unternehmen 1896 als Genossenschaft. 2006 wurde die Bela Mühle GmbH aus Vechta-Langförden übernommen und im Jahr 2009 zu For Farmers Bela umbenannt. 2016 ging das Unternehmen an die Börse.

Zu Gast bei der Festveranstaltung war Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft. Er nahm kein Blatt vor den Mund, was die Situation der Tierhalter im Allgemeinen und der Geflügelwirtschaft im Besonderen angeht. „Geflügelwirtschaft ist weltweit ein Wachstumsmarkt“, erläuterte er. So betrage das Wachstum in Asien 40 Prozent. Das Futter spiele dabei eine enorm wichtige Rolle.

Die Rezepturen sind auf bestmögliche Ergebnisse abgestimmt. „Wir haben höchste Anforderungen, so darf es zwischen den Chargen keine Schwankungen geben“, sagte Ripke. Die Tiere reagieren auf jede Veränderung in der Futterzusammensetzung: „Sie sind sehr empfindlich.“

Kritik am Projekt Tierwohl

Die Tierwirte kämpfen laut Ripke in Berlin gerade die geplante Gesetzgebung zum Tierwohl mit der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) aus. „Das staatliche Tierwohllabel soll nur die Mast betreffen, nicht die Eier“, sagte der Verbandspräsident.

Er kritisierte, dass die deutschen Landwirte auf den Zusatzkosten für das Tierwohllabel sitzen bleiben. „In Polen haben sie uns in der Geflügelproduktion mit zwei Millionen Tonnen im Jahr überrundet.“ Da sind die Kosten niedrig und es gibt kein Tierwohl, gibt Ripke zu bedenken.

Viele der Geschäftsleute waren bereits bei der Eröffnung des Betriebes vor zehn Jahren in Rapshagen zu Gast. Im Sommer soll es für die Belegschaft und ihre Partner noch einmal einen Tag der offenen Tür geben, kündigte Geschäftsführer van Winkoop an.

Von Beate Vogel

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