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Meyenburg Hähnewettkrähen: Die kleinen haben die größte Klappe
Lokales Prignitz Meyenburg Hähnewettkrähen: Die kleinen haben die größte Klappe
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00:20 07.05.2019
Alle im Blick: Heiko Sperlich hatte beim Wettkrähen einige Rufe zu notieren. Quelle: Stephanie Fedders
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Pritzwalk

Die Aufforderung, den Schnabel möglichst oft auf- und sich lautstark bemerkbar zu machen, sagte nicht jedem zu. Es hatte sich in der Hühnerszene des Kleintierzuchtvereins Pritzwalk und Umgebung wohl nicht bis zu jedem Tier herumgesprochen, dass der Ausflug auf das Gelände der Gärtnerei Lüders einen ernsten Hintergrund hatte – nämlich das insgesamt dritte Wettkrähen der Hähne.

Mancher Hahn verweigerte die Mitarbeit

Und so blieb es hinter manchen Gitterstäben mucksmäuschenstill. Irritiert blickten die Verweigerer auf die sie betrachtenden Zweibeiner, harrten eine Stunde lang der Dinge, die da kommen sollten und wussten nicht wirklich, wie ihnen geschah. Das war Pech für ihre Züchter, die sich so recht schnell von einem der vorderen Plätze verabschieden konnten.

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Ben Giese zeigte nach der Auswertung seine musikalischen Talente. Quelle: Stephanie Fedders

Wer seine Sache besser machte, der verlangte von den Zählern volle Konzentration. Eine Stunde lang wurde jeder Schrei notiert. Übrigens kein Ruf nach Futter, sondern reines Imponiergehabe, wie die Experten wissen.

Während die Hennen zuhause die Fleißarbeit übernahmen und für die Frühstückseier sorgten, stellten sich die 20 Männer diesem sportlichen Wettbewerb – auf Augenhöhe, denn die Größe der Tiere war zweitrangig. Die Brahmas überragen die Zwerghühner deutlich, kommen aber nicht annähernd an deren Top-Rufer heran.

Wettkrähen als Ausgleich für fehlende Form und Farbe

„Die Kleinen haben meistens die größte Klappe“, bestätigte der Vereinsvorsitzende Hans-Gero Sperlich den Eindruck und erklärte, warum der Verein neben den regelmäßigen Ausstellungen auf das Wettkrähen setzt. Es kann eine Chance sein für die Tiere, die von der Natur nicht so verwöhnt worden sind, sprich in den typischen Zuchtvergleichen stets den Kürzeren ziehen würden. „Nachteile in Form und Farbe können bei diesem Wettbewerb ausgeglichen werden“, erklärt Sperlich.

Diese Chance ließ sich der Hahn vom Typ Chabo, einer japanischen Zwerghuhnrasse, nicht entgehen. 183-mal krähte er und bescherte Ben Giese, dem jüngsten Züchter des Vereins, Platz eins. Es folgten die Tiere von Günter Heller (137) und Hans-Gero Sperlich (125). Bei den großen Rassen gewann René Sperlich, dessen Hahn nur 68-mal krähte.

Ein echter Siegertyp, der Chabo von Ben Giese, der 183-mal in einer Stunde krähte. Quelle: Stephanie Fedders

Außer den Züchtern, die in diesem Jahr den 105. Vereinsgeburtstag feiern, nahmen auch die Besucher des Tags der offenen Tür in der Gärtnerei Notiz von dem Schauspiel, das jedoch am späten Vormittag schon wieder beendet war.

Der Vorstand brütet aber schon über eine Idee, das nächste Wettkrähen um einen Programmpunkt zu bereichern: Eine Küken-Börse. Schließlich ist jetzt Zuchtsaison, und der Nachwuchs hat großenteils schon das Licht der Welt erblickt.

Von Stephanie Fedders