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Meyenburg Religionen im Dialog – was sie eint und was sie trennt
Lokales Prignitz Meyenburg Religionen im Dialog – was sie eint und was sie trennt
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12:00 02.11.2019
Diskutierten in Brügge über die Zukunft der Religionen (v.l.n.r.): Historiker Karsten Krampitz, Imam Said Arif Ahmed, als Moderator der Pfarrer Rudi-Karl Pahnke, die Buddhistin Kusalladhamma Anagarika und der Rabbiner Walter Rothschild. Quelle: Bernd Atzenroth
Brügge

„Wir müssen reden“, findet der Meyenburger Pfarrer Johannes Kölbel. Als Gastgeber begrüßte er die Gäste beim interreligiösen Dialog am Reformationstag im Kommunalen Bürgerhaus Alte Schule in Brügge. Thema der Runde: „Die Zukunft der Religionen - Was trennt uns? Was führt zum Frieden, zur Gerechtigkeit und zur Bewahrung der Schöpfung?“ Kölbel sieht das Gespräch als aktuell dringend notwendig an, insbesondere vor dem Hintergrund des jüngsten antisemitischen Anschlags in Halle.

Der Meyenburger Pfarrer Johannes Kölbel Quelle: Bernd Atzenroth

Doch darum wird es an diesem Abend nicht gehen. Vertreter vier großen Weltreligionen sitzen auf dem Podium: Der Rabbiner Walter Rothschild von der jüdischen Gemeinde, gleichzeitig Direktor des Instituts für jüdische Besserwissenschaft in Berlin, der Imam Said Arif Ahmed von der Berliner Muslim-Gemeinde in Pankow-Niederschönhausen, Kusaladamma Anagarika, eine buddhistische Nonne und Lehrerin, und als Moderator und Organisator Pfarrer Rudi Karl Pahnke, Leiter des Institutes Neue Impulse in Berlin. Das Institut organisiert im Auftrag des Landes die Reihe der interreligiösen Gespräche.

Pahnke: „Wir sind hier die Vertreter von tausenden Jahren Religion“

„Wir sind hier die Vertreter von tausenden Jahren Religion“, sagt Rudi Karl Pahnke. Den Reformationstag sieht er als gute Gelegenheit an, über die Zukunftschancen von Religionen zu reden. Pahnke findet, dass sie manchmal sehr widersprüchlich seien und kritisch befragt werden müssten. Er spannt dabei den Bogen vom Umgang der Katholiken mit den Valdensern und Kartharern über den 30-jährigen Krieg, den innerislamischen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten bis hin zu Konflikten in der Jetztzeit mit Bischöfen, die rechtes Gedankengut verbreiten.

Rothschild: „Gesunde Religionen haben Zweifel“

„Gesunde Religionen haben Zweifel“, sagt auch Walter Rothschild. Es gebe zwei Probleme mit Religion – erst mit Gott, dann mit Menschen, merkt er ironisch an.

Erstaunen wird zum Schluss die Einigkeit der Religionsvertreter in einem wesentlichen Punkt: Dass Glaube und Beten für Menschen einen positiven Nutzen haben. Denn unversehens dreht sich die Diskussion nur noch genau darum.

Krampitz: „Um glauben zu können, muss ich meinen Verstand ausschalten.“

Das liegt am fünften Vertreter auf dem Podium. Denn der promovierte Historiker Karsten Krampitz legt ein vehementes Bekenntnis zum Atheismus ab. „Leben ohne Gott ist ganz einfach“, sagt er. „Wird mein Leben wirklich besser, wenn ich bete?“ fragt er rhetorisch, um für sich selbst die Antwort zu geben: „Um glauben zu können, muss ich meinen Verstand ausschalten.“

Damit steht er für den weiteren Verlauf in Konfrontation zu den vier anderen und zum größten Teil des Publikums. Das besteht im Wesentlichen aus überzeugten evangelischen Christen. Einige von ihnen bekennen sich im Laufe des Abends deutlich zum Glauben. Eine Frau legt Krampitz nahe, einmal das Gebet zu versuchen. „Wenn ich bete, dann gibt mir das Kraft“, sagt auch Ines Franke, „diese Kraft hilft mir Dinge zu verändern.“ Ein andere Frau unterscheidet zwischen ihrem persönlichen Glauben und der Kirche.

Imam: „Für mich sind religiöse Gebote ein Mittel zur Freiheit“

„Für mich sind religiöse Gebote ein Mittel zur Freiheit“, sagt dann Imam Said Arif Ahmed. Die Grenzen der Freiheit sieht er darin, „wo die Freiheit der anderen beginnt“.

Wie stets bei solchen Anlässen, setzt sich gerade dieser Imam kritisch mit dem Bild, das seine Religionsrichtung derzeit abgibt, auseinander. Der Missstände in der islamischen Welt finde er aber in seiner eigenen Gemeinde nicht wieder.

Buddhistin: „Wir wollen alle dasselbe, und dann ist es egal, welcher Name draufsteht.“

Kusaladamma Anagarika sagt darauf etwas ganz Ähnliches: „Wir erkennen heute gar nicht mehr, was Religion uns für eine Freiheit geben kann.“ Und sie bringt auf den Punkt, warum die religiös Gesinnten aller Richtungen an diesem Abend so einig scheinen: „Wir wollen alle dasselbe, und dann ist es egal, welcher Name draufsteht.“

Eine Frau nimmt Krampitz seinen Auftritt nicht ab und sieht ihn als Schauspieler. Der wehrt sich erneut vehement, lässt durchblicken, dass er sich von den Vertretern der Religionen nicht wirklich ernst genommen fühlt. „Ich habe nicht den Eindruck, dass das wirklich ein Gespräch ist“, sagt er.

Pahnke weist das weit von sich und betont mehrfach, wie wichtig es ihm gerade ist, dass die Argumente von Krampitz gehört und diskutiert werden.

Vor vier Jahren wurde in Pritzwalk diskutiert

Es ist eine Runde, die aufeinander eingespielt ist. Die Vertreter der Religionen saßen schon einmal in gleicher Konstellation in Pritzwalk auf dem Podium, lediglich mit einem anderen religionskritischen Menschen an ihrer Seite. Viele der Aussagen von damals und heute ähneln sich. Trotzdem sind es zwei grundverschiedene Runden: Damals, Anfang November 2015, war die Winterkirche in Pritzwalk voll, nicht nur mit Gläubigen, sondern auch mit besorgten Bürgern, die sich angesichts der vielen Flüchtlinge in jenem Jahr ein Bild insbesondere vom Islam machen wollten. Überproportional viele Fragen musste dabei der Imam beantworten, einige gab es noch an den Rabbiner. Kein Wunder: Auch thematisch beschäftigte sich die Runde mit der Angst vor Religionen.

„Religionen werden auch künftig eine Rolle spielen“

Ziemlich genau vier Jahre später kommen die damaligen Themen nicht mehr wirklich vor. Einzig die Kopftuch-Debatte wird wieder einmal geführt, angestoßen im übrigen von Krampitz. Ansonsten herrscht in dieser Konstellation weitgehende Einigkeit: „Religionen werden auch künftig eine Rolle spielen“, ist sich zum Beispiel der Imam sicher. Das sieht das diesmal kleinere und homogene Publikum genauso.

Der Abend endet tatsächlich mit einem dreiminütigen Gebet, in dieses sind alle gleichermaßen versunken. Krampitz bleibt hier stiller, unbeteiligter Beobachter.

Von Bernd Atzenroth

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