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Meyenburg Alter Adel aus Meyenburg sieht aus wie neu
Lokales Prignitz Meyenburg Alter Adel aus Meyenburg sieht aus wie neu
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14:40 13.12.2019
Gunda Oelmann und Diether Pickel präsentieren die restaurierten Porträts. Quelle: Stephanie Fedders
Meyenburg

Am Ende gibt es Applaus. Spontaner Ausdruck der Begeisterung beim Anblick dreier Porträts, die frisch restauriert ins Schlossmuseum nach Meyenburg zurückgekehrt sind.

Gunda Oelmann macht die schlimmsten Schäden vergessen

Der Beifall gilt Gunda Oelmann, die ein inniges Verhältnis zu vielen Adligen aus dem Hause von Rohr und von Wahlen-Jürgaß aufgebaut hat und ihnen so nah gekommen ist, wie kein Besucher in der Ausstellung.

Bevor die Bilder aufgehängt werden, bringt Diether Pickel das Namensschild wieder an. Quelle: Stephanie Fedders

Die Diplom-Restauratorin weiß, wie man in die Jahre gekommene Porträts behandelt und die schlimmsten Schäden sowie die größten Sünden früherer Eingriffe vergessen macht. Und das auch noch sehr großzügig, aber dazu später mehr.

Wenn Gunda Oelmann ihre Arbeit beschreibt, dann mit einem Beispiel aus der Medizin. „Es ist jedes Mal anders“, sagt sie und vergleicht ihren Einsatz mit einer „OP am Herzen“. Das ihr die Bilder wirklich eine Herzensangelegenheit sind, das ist schnell zu merken.

Fontane hat Familie von Wahlen-Jürgaß verewigt

Charlotte Katharina Luise von Wahlen-Jürgaß, ihr Gatte Georg Christoph von Wahlen-Jürgaß sowie sein Vater Christian Sigismund von Wahlen-Jürgaß waren für ein paar Monate abgehängt und bezogen Quartier im Atelier von Gunda Oelmann im Boizenburger Land. Uckermark. Heimat derer von Armins.

Ordnung muss sein: Jan Waldmann hilft beim Aufhängen. Quelle: Stephanie Fedders

Zuhause war die Familie Wahlen-Jürgaß auf dem Gut in Ganzer, heute ein Ortsteil von Wusterhausen. Theodor Fontane hat sie in seinen Wanderungen durch die Mark verewigt. Beide Eheleute starben im Abstand von wenigen Monaten 1771 in Ganzer.

Mangels Quellen oder Angaben auf Porträts, Rückwänden oder Rahmen fiel eine Provenienzforschung von vorneherein aus. Aber der geübte Blick von Gunda Oelmann erfasste sofort das Problem. „Das Ehepaar ist in den 1950er Jahren bearbeitet und neu gerahmt worden“, schildert sie bei der Übergabe den aufmerksamen Zuhörern Annegret und Reinhard Hahn, Isolde und Dieter Pickel sowie Jan Waldmann.

Gemälde sind seit Anfang der 2000er Jahre im Schlossmuseum

Die Leisten seien typisch für die Zeit nach dem Krieg. „Man kann genau sehen, dass die Bilder umgerahmt wurden“, erzählt Oelmann, die gerne mehr darüber wissen wollte. Doch Annegret Hahn konnte nur berichten, dass ein Herr von Rohr – seine Familie hat einst das Schloss in Meyenburg bauen lassen – alle Gemälde nach dem Krieg 1945 ausgerahmt und ausgelagert habe.

Anfang der 2000er Jahre sind sie dann als Schenkungen nach Meyenburg zurückgekehrt. 2003 wurde die Heimatstube im Schloss eröffnet, wo sie bis heute zu sehen sind.

Aber nicht nur die Rahmenbedingungen hatten sich geändert, die Porträts wurden auch zu ihrem Nachteil auf Hartfaserplatten geklebt. „Mit dickem, fetten Leim und Schellack, fürchterlich“, klagt die Restauratorin, die jetzt zur Retterin wurde.

Der Gatte steckt fest im Leim

„Die Dame habe ich von der Platte befreit“, erklärt Oelmann, die jeden einzelnen Schritt für die Auftraggeber dokumentiert hat. „Jetzt ist es wieder ein Leinwandbild.“ Ohne die Fehlstellen am Ohr und auf dem Dekolleté, die beseitigt wurden.

Der Gatte hatte nicht so viel Glück. Schellack von vorne, Knochenleim von hinten – er steckt noch immer fest. „Das hätte ich nicht verantworten können“, sagt Oelmann. Dafür wurde er gut gereinigt, die Farben scheinen jetzt zehn Töne heller, die ins Bild ragende Scherpe war vorher gar nicht zu sehen. „Er ist kaum wiederzuerkennen“, staunt Annegret Hahn.

Auch der dritte im Bunde, Christian Sigismund, macht jetzt einen frischen Eindruck, nachdem hier ebenfalls der Knochenleim deutliche Spuren hinterlassen hatte.

Stadt und Freundeskreis teilen sich die Kosten

Die Kosten teilen sich auch bei diesem Auftrag der Freundeskreis und die Stadt Meyenburg. Dieter Pickel bedankt sich bei Gunda Oelmann für die Arbeit, die einen viel größeren Mehrwert für das Museum hat, als sich in Zahlen ausdrücken lässt.

So hat Oelmann das Bild Eugen von Rohrs als Spende restauriert. Und auch bei dem einen der neun Porträts, das bislang noch nicht behandelt wurde, bahnt sich ein Angebot an, dass die Meyenburger gar nicht ablehnen können.

Wenn Gunda Oelmann den Auftrag zur Restaurierung von Adolf Friedrich Gustav von Wahlen-Jürgaß erhält, dann will sie noch drei kleinere Porträts ebenfalls verschönern. Auf eigene Kosten.

Von Stephanie Fedders

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