Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Meyenburg Der Ziegenmelker hat seine Heimat gefunden
Lokales Prignitz Meyenburg Der Ziegenmelker hat seine Heimat gefunden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 23.06.2018
Der Ziegenmelker kann sich wunderbar tarnen. Quelle: privat
Anzeige
Marienfließ

Es gehört zu den seltenen und ganz besonderen Naturerlebnissen: Inmitten der stillen, weiträumigen Heidelandschaft ertönt in der Dämmerung ein seltsames Schnurren, ähnlich einer Nähmaschine. Kurz darauf gleitet ein etwa kuckucksgroßer Schatten durch die Luft. Seine Bewegungen wirken wie ferngesteuert, abgehackt und doch sehr kunstvoll. Es ist der Ziegenmelker, der nur jetzt im Juni zu hören und mit etwas Glück sogar zu sehen ist.

Die weiträumige Heidelandschaft zwischen Retzow und Jännersdorf war einst ein sowjetischer Truppenübungsplatz. Mehr als 40 Jahre lang wurde hier mit Panzern, Flugzeugen und Hubschraubern der Kriegsfall geübt. Nach der friedlichen Revolution 1989 zog die damalige Sowjetunion ihre in Deutschland stationierten Streitkräfte ab, so auch vom Truppenübungsplatz „Redlinskii“.

Anzeige

Geschützt und dadurch behütet

Das ehemalige militärische Sperrgebiet ist heute als bundesländer- übergreifendes Naturschutzgebiet (NSG) Marienfließ ein bedeutsamer Trockenlebensraum mit großen Heideflächen.

Hier hat sich eine sehr spezielle Tier- und Pflanzenwelt erhalten, die an nährstoffarme Standortverhältnisse angepasst ist: Unzählige Insektenarten und zahlreiche geschützte Vögel wie Wendehals, Heidelerche, Wiesenweihe, Wiedehopf und Raubwürger finden an der brandenburgisch-mecklenburgischen Grenze einen Lebensraum, der mittlerweile europäischen Schutzstatus genießt.

Nur wenige haben ihn jemals gesehen

Eine charakteristische Vogelart europäischer Heiden ist der Ziegenmelker. Nur wenige Menschen bekommen diesen ungewöhnlichen Vogel zu Gesicht, denn er lebt sehr heimlich und zeigt sich erst in der Dunkelheit.

Tagsüber ruht die gut getarnte, rindenfarbene Nachtschwalbe kaum erkennbar am Boden. Noch dazu ist die Art aufgrund ihrer engen Bindung an Heidelebensräume, die deutschlandweit zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen zählen, gefährdet.

70 Paare in der Region

Akribische Zählungen im Naturschutzgebiet Marienfließ ergaben, dass es hier noch rund 70 Paare dieser außergewöhnlichen Vogelart gibt. Das entspricht etwa einem Viertel des Gesamtbestandes der Art in Mecklenburg-Vorpommern.

Brandenburg beheimatet die meisten Ziegenmelker in ganz Deutschland und hat somit eine besondere Verantwortung für diese Art. Im Juni ist die Hauptbalzzeit des scheuen Vogels, bei der er seinen typisch schnurrenden Gesang ertönen lässt – eine sehr gute Gelegenheit, die Tiere zu belauschen und vielleicht in der Dämmerung sogar zu beobachten.

Von MAZ-online