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Prignitz Nebelin hat vergessen für Lärmschutz zu kämpfen
Lokales Prignitz Nebelin hat vergessen für Lärmschutz zu kämpfen
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16:32 28.08.2019
Hinten: Maika Schäffer, Tim Oppermann, Matthias Behrendt, Roland Quiatkowski, Ute Reeh und Petra Unterberg (v.l.) setzen sich für eine Schallschutzwand aus Lehm ein. Vorn Aydin Sander und Emma Lauterbach, Achtklässler der Montessori-Schule Wittenberge. Quelle: Jens Wegner
Nebelin

„Wir kriegen ein Problem, wenn die A14 kommt. Wir haben 1,2 Kilometer Schallschutz zugesprochen bekommen. Das reicht nicht. Unserer Ansicht nach ist das eine Fehlplanung”, sagte Nebelins Ortsvorsteher Matthias Behrendt am Dienstag bei einem Pressetermin im „Zentrum für Peripherie“ im Karstädter Ortsteil Nebelin.

1,2 Kilometer Schutzwand sind zu wenig

Die geplante, 1,2 Kilometer lange Schallschutzwand endet vor der Raststätte, die in Höhe Nebelins entstehen soll. Rund 800 Meter sind es von dort bis zum Dorf. Die Siedlung an der Bahn liegt direkt neben der Autobahn.

„Erst Ute Reeh machte uns darauf aufmerksam, dass wir vergessen haben zu kämpfen. Vier Kilometer Schallschutz wollen wir haben. Das ist unser Ziel. Und Ute hat eine ganz besondere Idee dafür”, sagte er.

Die Künstlerin Ute Reeh führte Schallmessungen beim Vorbeifahren des ICE durch, der in ähnlicher Entfernung wie die geplante Autobahn das Dorf passiert. „Dies ist nur ein sogenanntes Einzelschallereignis. Die Fahrzeuge auf der Autobahn bilden ein Dauerschallereignis”, sagte sie.

Das Dorf liegt tiefer als die Autobahn

Das Dorf liege tiefer als die Autobahn, was den Effekt noch verstärkt. Als zweite Forderung nannte Matthias Behrend den Bau einer Behelfsbrücke. „Die Überfahrt nach Dergenthin soll für zwei Jahre geschlossen werden. Wir müssten über Karstädt nach Perleberg fahren. Allein der Weg für den Rettungsdienst aus Perleberg ist zu lang”, sagte er.

Es solle nun eine Bürgerinitiative gegründet werden, bei der Tim Oppermann der führende Kopf werde. „Wir haben Gäste, die bei uns das erste Mal ohne Ohrenstöpsel schlafen. Der Lärm der Autobahn würde uns das kaputt machen”, sagte das Ortsbeiratsmitglied Maika Schäffer. Sie vermietet eine Ferienwohnung in Nebelin.

Die ganze Gegend werde unattraktiver für die Urlauber, die die Ruhe und die Natur in der Prignitz genießen wollen. Für die Gestaltung der Lärmschutzwand hatte Ute Reeh eine besondere Idee. „Mit dem Zentrum für Peripherie haben wir einen Vorschlag für ein europäisches Vorzeigeprojekt entwickelt, das zugleich für Lärmschutz im Bereich Nebelin und dem Brandenburger Reststück der A14 sorgen könnte.

Das könnte ein Leuchturmprojekt werden

Das könnte ein Leuchturmprojekt werden, dass weit ins Land und über die Grenzen hinaus strahlen könnte. Ich habe mit Vertretern der Parteien CDU, SPD, Linke und Grüne gesprochen. In Berlin habe ich auch Gespräche mit den Büros der Grünen-Spitze geführt. Überall stieß ich aus positive Resonanz”, sagte sie.

Die Grundidee sei, dass man Material nutze, das vor Ort vorhanden ist. „Wir wollen eine Schallschutzmauer aus Lehm bauen”, sagte sie. Gleichzeitig diene die Lehmmauer als ökologische Ausgleichsmaßnahme, da sie Lebensraum für Vögel und Insekten biete.

„Nach der Kostenschätzung von Experten benötigen wir zwischen 150 000 und 200 000 Euro zur Finanzierung der Machbarkeitsstudie mit einem Forschungsprojekt. Diese hat auch einen Kostenvergleich zwischen herkömmlichem Lärmschutz aus Beton und Aluminium zum Inhalt, der sonst nötigen Ausgleichsmaßnahmen inklusive den Kosten für den Erwerb der dazu nötigen Flächen”, so Ute Reeh.

Prototypen für eine Lehmwand

In einem Schulprojekt beschäftigten sich Kinder der Montessori-Schule Wittenberge mit dem Thema, schon bevor es Forderungen nach einer längeren Lärmschutzwand in Nebelin gab und bauten an einem Prototypen der Lehmwand in Nebelin mit.

„Wir arbeiten projektbezogen an dem was die Kinder wollen. Es ist ein rundes Projekt von der Planung bis zur Durchführung. Es passt gut in die Fächer LER und Politische Bildung”, sagte Roland Quiatkowski, Lehrer an der Schule.

Welche Aussichten auf Erfolg die Idee der Nebeliner bei den Autobahnplanern hat, das wurde bei dem Pressetermin nicht klar. Laut dem Autobahnbetreiber Deges haben die Nebeliner noch bis zum Sommer 2020 Zeit, ihre Forderungen einzureichen.

Von Jens Wegner

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