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Prignitz Neu eingebaute Kirchenorgel mit Konzert eingeweiht
Lokales Prignitz Neu eingebaute Kirchenorgel mit Konzert eingeweiht
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13:13 29.09.2019
Statt eines Gottesdienstes gab es ein einstündiges Konzert zu Ehren der neuen Orgel: Helmut Hauskeller (Panflöte) und Johannes Wauer am neu eingebauten Instrument. Quelle: Kerstin Beck
Mödlich

Alle Kerzen auf dem Altar brannten, aber eine Predigt gab es nicht, als am späten Samstagnachmittag die Mödlicher Kirche mit Gästen aus Lenzen und der Lenzer Wische zu einem besonderen Anlass gut gefüllt war: Die neue Orgel wurde endlich eingeweiht.

„Die Mödlicher wollten eine funktionierende Orgel haben, und so ist eben dieses Instrument von Bad Wilsnack hierhergekommen“, erzählte Pfarrer Nier eingangs. Das war es aber schon, und dazu gab es dann ein einstündiges Konzert mit Melodien aus Zeiten, die die 1486 errichtete Kirche bereits erlebt hatte. Gekommen waren dazu der bekannte Panflötist Helmut Hauskeller aus Berlin und der verdiente langjährige Kreiskantor Johannes Wauer aus Wittenberge, der gefühlvoll an der „Neuen“ brillierte.

Musikalisch eine Brücke zur Neuzeit geschlagen

Zu Gehör gebracht wurden eindrucksvolle renaissancezeitliche Weisen wie das „Ave Maria“ von Giulio Caccini, „Suite Terpsichore“ von Michael Praetorius und alte polnische Tabulatursätze von Jan de Lublin. Die Brücke zur musikalischen Neuzeit wurde durch Werke von Johann Gottfried Walther, Georg Friedrich Kaufmann, Johann Sebastian Bach sowie Wolfgang Amadeus Mozart gezogen.

Dazu gab es „Am Abend“ – ein von Vera Stanislaw eigens für Helmut Hauskeller komponiertes Musikstück – sowie zum Abschluss ein Medley mit Volksweisen aus Cuba, Irland und Rumänien und ganz zuletzt eine jiddische Weise namens „Oj, oj, oj“ – und danach nur noch rauschenden Beifall für die beiden Musiker.

Die Orgel stand bisher in einer Ecke der Kapelle

Für Helmut Hauskeller war die neue Orgel eher eine alte Bekannte. „Die stand in der Wunderblutkirche in einer Ecke der Blutkapelle, und wenn ich dort spielte, musizierte auch jemand daran. Dazu wurde die Tür zum Kirchenschiff aufgemacht, so dass man das Orgelspiel gut hören konnte.“

Nun aber besitzt besagte Kirche auf der Empore eine gleichermaßen prachtvolle wie funktionstüchtige Orgel, so dass dieses Instrument eher unbenutzt im kleinen Raum stand.

Mödlicher Orgel seit Jahrzehnten verstummt

Etwas anders waren dagegen die Gegebenheiten in Mödlich: Auch hier gibt es eine sehenswerte Orgel, doch sie ist seit Kriegsende verstummt. Das letzte Mal erklang das Gerät vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. 1945 wurde die Kirche dann von russischen Soldaten besetzt, die pietätlos hier ihre Pferde einstellten – und die Orgelpfeifen als „Spielzeug“ benutzten.

Damit wollten sich die Mödlicher, die ihre zu DDR-Zeiten dem Untergang geweihte Kirche inzwischen zu einem sehenswerten Gotteshaus umgewandelt haben, nun nicht mehr abfinden.

„Aber um unsere Orgel restaurieren zu lassen – das würde uns sehr teuer kommen“ erzählt der Kirchenälteste sowie der Vorsitzende des Mödlicher Gemeindekirchenrates, Klaus-Dieter Pawels. „Also haben wir immer überlegt, was wir da machen können“.

Orgelbaumeister aus Friesack reparierte das Instrument

Und da gab es glücklicherweise einen heißen Tipp von Andreas Dräger, der für die baulichen Belange des Kirchenkreises Prignitz zuständig ist: „Da steht doch in Bad Wilsnack in der Wunderblut-Kapelle die kleine Orgel, die nicht benutzt wird, die könnte doch gut hierher passen!“

So wurden Orgel und der potenzielle Platz erst einmal ausgemessen. Das Ergebnis: Alles passt!“

Das 1979 vom Potsdamer Alexander Schuke aus Kiefernholz und mit fünf rein mechanisch zu betätigenden Registern versehene Instrument wurde daraufhin preiswert der Bad Wilsnacker Gemeinde abgekauft und dann erst einmal in die Orgelbau-Werkstatt nach Friesack geschafft. Dort reinigte und reparierte Orgelbaumeister und Restaurator Matthias Beckmann das gute Stück, und zeitgleich fertigte der Seetzer Tischlermeister Hans-Georg Wulff eine Treppe und ein Podest für den neuen Standort an.

Neues Vorhaben: die Restaurierung der alten Orgel

Und nun? „Jetzt haben wir wieder etwas geschafft!“ freute sich Klaus-Dieter Pawels. Und der nächste Gottesdienst am 6. Oktober wird sicherlich mit Orgelmusik gekrönt werden. Aber dabei bleibt es nicht, denn die Mödlicher sind da eigen. „Jetzt wollen wir Spenden sammeln, um die 80.000 Euro zusammenzubekommen, die uns die Restaurierung unserer eigenen Orgel vermutlich kosten wird. Das wird unser nächstes Vorhaben sein!“

Und danach wird die Ersatz-Orgel ihre Reise in die nächste Kirche, in der sie dringend gebraucht wird, antreten können. „Denn da gibt es viele Kirchen, die gar keine Orgel haben“, weiß Pawels.

Von Kerstin Beck

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