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Prignitz Spannende Entdeckung am Seddiner Königsgrab
Lokales Prignitz Spannende Entdeckung am Seddiner Königsgrab
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00:20 06.10.2018
Grabungsleiter Immo Heske erklärt die Funde, Gordon Thalmann vom Landkreis Prignitz ( l.) und der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Jörg Hildebrandt hören interessiert zu. Quelle: Stephanie Fedders
Seddin

Verglühte Steine und eine Scherbe mit Muster – was für den Laien unscheinbar wirkt, lässt das Herz der Archäologen schneller schlagen. Die Funde sind bei den aktuellen Grabungen in Sichtweite des Königsgrabes von Seddin ans Tageslicht gekommen und liefern den Experten neue, wichtige Erkenntnisse.

Diese Funde sind für Laien unscheinbar, lassen aber das Herz von Archäologen höher schlagen. Spuren einer fast 3000 Jahre zurückliegenden Siedlung kamen nun als Tageslicht.

Das Wetter kennt kein Erbarmen mit den Altertumsforschern. Regen und kalter Wind machen die Arbeit auf dem Acker in der Gemeinde Groß Pankow nicht angenehmer. Ausgrabungsleiter Immo Heske und sieben Studenten der Georg-August-Universität Göttingen sind dennoch in ihrem Element.

Drei Wochen Grabung an einem „herausragenden Ort“

Drei Wochen Lehrgrabung bedeutet praktische Erfahrung „an einem herausragenden Ort“, sagt Heske. 1,5 Hektar zwischen den Grabhügeln im Wickbold’schen Wäldchen und dem Königsgrab wurden zunächst geomagnetisch untersucht. Auf den beiden jetzt freigelegten Flächen von jeweils zehn mal zehn Metern wurden so genannte Störungen festgestellt, die den Ausschlag gaben, hier zu graben.

Knapp 30 Zentimeter unter der Oberfläche kamen jede Menge Steine zum Vorschein, die verglüht sind und in den Händen von Immo Heske ganz leicht zerbröseln. „Sie wurden erhitzt, um sie dann zum Garen von Fleisch zu nutzen oder Metall zu schmelzen“, erklärt Heske.

Reste eines Handwerkerviertels

Letzteres ist für ihn naheliegender. Der Archäologe geht davon aus, Reste eines Handwerkerviertels der jungbronzezeitlichen Siedlung freigelegt zu haben – das ist die Erkenntnis der aktuellen Grabung. Verfärbungen im Sand deuten zudem auf ehemalige Holzpfosten, vielleicht ein Hinweis auf Hütten?

Im Bauwagen, dem temporären Unterschlupf des Grabungsteams, liegen in einer Kiste zahlreiche Scherben, die erkennen lassen, dass sie einst als Ganzes zu Töpfen oder Krügen geformt waren.

Eine Scherbe ragt heraus: Sie ist verziert mit eingeschnittenen Vertiefungen, so genannten Kanneluren. Das kleine Stück ist für Immo Heske besonders wertvoll, sind diese Verzierungen doch typisch für das 9. Jahrhundert vor Christus. „Damit haben wir eine Bestätigung für die Datierung des Königsgrabes“, freut er sich.

Nun übernimmt der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger

Am Freitag sind die drei Wochen schon wieder vorbei, für das Team geht es zurück nach Göttingen. Jörg Hildebrandt, ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger des Landkreises Prignitz, der bereits zahlreiche Grabhügel in der näheren Umgebung entdeckt hat, übernimmt dann wieder und hat ein waches Auge auf die Fläche. Er gibt Bescheid, wenn er etwas Auffälliges entdeckt.

Dass unter der Erde noch weitere interessante Funde schlummern, da sind sich die Experten sicher. Nur allzu gerne würden sie das 20 Hektar große Areal komplett untersuchen, doch im Rahmen der Projektarbeit, die finanziell und zeitlich eng gefasst ist, „können wir nur einen begrenzten Teil aufarbeiten“, erklärt Gebietsreferent Jens May vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, auf dessen Initiative die aktuelle Untersuchung stattgefunden hat.

12 500 Euro steuerte das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur aus dem Topf der Denkmalhilfe bei.

König Hinz ist noch nicht eindeutig zugeordnet

Die Einstufung des Geländes als Grabungsschutzgebiet stellt sicher, dass sich auch kommende Generationen von Archäologen auf die Spuren von „König Hinz“ machen können. Noch steht nämlich nicht fest, ob der Herrscher unweit der Stepenitz auch gewohnt hat.

Zu den vielen verglühten Steinen und der verzierten Scherbe kommt noch eine weitere interessante Erkenntnis: Prignitzer Kühe haben nur wenig Verständnis für Ausgrabungen auf ihrem Acker.

Das Vieh zeigte sich sogar recht angriffslustig und musste letztendlich mit Flatterband auf Abstand gehalten werden. Die Rache folgte prompt: Ein Höhenpunkt, für die Vermessung des Geländes angelegt, wurde von den Paarhufern dem Erdboden gleichgemacht. Im Gegensatz zum Grabungsteam können sie es kaum erwarten, dass die Buddelei ein Ende hat.

Von Stephanie Fedders

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