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Prignitz Seelsorger gehen bis an ihre Grenzen
Lokales Prignitz Seelsorger gehen bis an ihre Grenzen
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17:09 17.12.2013
Einer der schwersten Einsätze 2013 war für die Notfallseelsorger der tödliche Badeunfall am Neuen Hennings Hof in Perleberg. Quelle: Michael Beeskow
Pritzwalk

Mit den Zahlen für das Jahr 2013 kann der Leiter des Notfallseelsorgeteams Prignitz, Ulrich Preuß, in vielerlei Hinsicht zufrieden sein: Mit zehn Mitgliedern ist die Zahl der Notfallseelsorger so hoch wie nie seit der Gründung des Teams. "Und wir erwarten für März 2014 einen weiteren Neuzugang", sagt der Pfarrer im Ruhestand.

Das ist für die Notfallseelsorger selbst nicht immer einfach, weiß Ulrich Preuß. Seelsorger nehmen viel auf. "Keiner fragt, wie es uns nach solchen Einsätzen geht, auch wir müssen das verarbeiten." Wer seine Erlebnisse nicht entsprechend aufarbeitet, der könne im schlimmsten Fall eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln. "Wichtig sind die Gespräche in der Gruppe." Dabei zeige sich, dass jedes Teammitglied seine eigene Strategie habe, mit den Geschehnissen umzugehen. "Ich selbst zum Beispiel arbeite zum Ausgleich in anderen Gruppen mit Menschen zusammen, in denen man aufgemuntert wird, zum Beispiel in der Bläsergruppe oder in der Theatergruppe", erzählt Ulrich Preuß. Als Seelsorger müsse man auch für sich selbst sorgen, "sonst kann man nicht mehr helfen". Beim Einsatz am Perleberger Badesee sei der Pritzwalker an seine Grenzen gestoßen.

Notfallseelsorger müssen auch Zurückweisung ertragen können

  • Die Zahl der Mitglieder im Notfallseelsorgeteam lag 2011 bei sieben, 2012 bei acht und liegt jetzt bei zehn. Vier Frauen und sechs Männer, Jahrgänge 1945 bis 1978, sind gemäß Dienstplan im Einsatz. Es sind drei aktive Pfarrer, ein Krankenhauspfarrer, ein Pfarrer im Ruhestand, ein Polizeibeamter, eine Physiotherapeutin, eine CJD-Mitarbeiterin, ein Rettungsassistent, eine Kindergärtnerin.
  • Einsätze verzeichnete der Prignitzer Teamleiter Ulrich Preuß von 2006 bis 2010 zusammen 100, 2011 waren es 14, 2012 wurden die Ehrenamtler 18-mal alarmiert und 2013 bis zum Stichtag gestern 21-mal.
  • Neben der seelsorgerischen Unterstützung bei Einsätzen gab es weitere Aktivitäten: So waren Teammitglieder zweimal mit der Polizei auf Streife unterwegs, gaben Vorträge bei den Männern der Freiwilligen Feuerwehren und beim CJD, außerdem bei der Bundeswehr in Havelberg (zum Thema Kriegstrauma). Die Feuerwehr in Preddöhl (Amt Meyenburg) übergab dem Team eine Spende.
  • Es gibt drei Phasen psychosozialer Notfallversorgung: die Akutphase bis zu zwei Wochen nach dem Erlebnis, die Übergangsphase bis etwa sechs Wochen danach und die Langzeitphase, die bis zu zwei Jahre dauern kann.
  • Notfallseelsorger dürfen selbst in keiner Lebenskrise stecken. Sie müssen als Voraussetzung für die Arbeit verschiedene Kriterien erfüllen können: Schweigen, Zeit haben, die Trauer ernst nehmen, Verstehen, Mitleiden, Zurückweisung ertragen, an die Hand nehmen, jemanden gehen lassen, sich als seelischen „Mülleimer“ benutzen lassen und vieles mehr.
  • Peter Sachse, der Begründer der Notfallseelsorgeteams, bekam dieses Jahr das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Im Moment hat das Notfallseelsorgeteam keinen geeigneten Psychologen, der die Teammitglieder mit Sicht von außen begleitet. Manchmal wird in den Teamsitzungen wenig erzählt, manchmal sind es drei, vier Einsätze. "Da bleibt nicht immer genug Zeit für die Aufarbeitung", bedauert Ulrich Preuß.

Immerhin sei die Akzeptanz der Notfallseelsorger gestiegen, sagt der Teamleiter, obwohl es immer noch Fälle gibt, bei denen das diensthabende Teammitglied nicht alarmiert wird: "In der Regel funktioniert das aber sehr gut." Zuletzt habe es einen Einsatz in Telschow gegeben, da sei die Polizei sehr vorbildlich vorgegangen.

Insgesamt sind im Land Brandenburg die Notfallseelsorger recht gut aufgestellt, informiert Preuß. 184 arbeiten aktuell in 17 Landkreis-Teams mit. Allerdings könne die Koordination zwischen den verschiedenen Einsatzkräften besser sein. Dazu soll auf Landesebene eine Arbeitsgemeinschaft PSNV (Psychosoziale Notfallversorgung) etabliert werden. Sie könnte die Vernetzung der verschiedenen Notfallseelsorge-Systeme im Land Brandenburg realisieren und besser abstimmen. Ihre Mitglieder sollen aus verschiedenen Bereichen kommen: aus Ministerien, Landkreisen, der Polizei, vom Landesfeuerwehrverband, der Kirche und anderen Gremien. In der Arbeitsgruppe könnten die verschiedenen Konzepte verglichen und ein gemeinsames Konzept abgestimmt werden. Die Brandenburger Teams könnten sich mit den Arbeitsgruppen in anderen Bundesländern austauschen und sogar mit Notfallseelsorge-Systemen im benachbarten Ausland zusammenarbeiten. Die Leitung über die Arbeitsgruppe hätte das Innenministerium des Landes Brandenburg.

Von Beate Vogel

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