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Prignitz Perleberg: So lernen alte Menschen die digitale Welt kennen
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Perleberg: So lernen alte Menschen die digitale Welt kennen

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12:30 01.12.2020
Gisela Schiwon hat ihr Notebook mitgebracht - und damit viele Fragen an Andreas Meissner. Quelle: Bernd Atzenroth
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Perleberg

Der Andrang ist groß: 15 ältere Menschen wollen sich seit Anfang Oktober bei der Volkssolidarität in Perleberg in die Geheimnisse der digitalen Welt und den Gebrauch des Smartphones einweihen lassen. Dafür haben sich zwei Fachkundige gefunden, die selbst nicht mehr ganz jung sind, aber voll in der Materie stecken.

Wie man den älteren Menschen die Digital-Skepsis nimmt

Andreas Meissner etwa. 73 Jahre alt ist er, und damit genauso alt wie die erste Dame, die er an diesem Tag berät. Denn im Moment sind Kurse in Gruppen ausgesetzt, wegen Corona gibt es Einzelberatung.

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„Wenn man länger draufdrückt, dann können Sie mit Siri sprechen und was fragen?“ sagt Meissner. „Aber wer kriegt denn das?“ kommt als Gegenfrage. „Das landet alles in der großen Cloud bei Apple.“

Andreas Meissner beantwortet geduldig und kenntnisreich die Fragen dieser Dame zum Smartphone. Quelle: Bernd Atzenroth

Dann geht es darum, wie man die Ortungsdienste aktiviert – und ob man das überhaupt will. Die Frau ist skeptisch. Meissner: „Entweder Sie haben dann den vollen Komfort, dann müssen Sie sich aber auch im Klaren darüber sein, dass die ganzen Infos irgendwo landen.“ Die Aussicht, so mit zielgerichteter Werbung konfrontiert zu werden, gefällt der Frau nicht so richtig. Aber Meissner findet auch: „Man kann Sachen machen, die vernünftig sind.“ Etwa den Navigator der Deutschen Bahn zu installieren.

„65- bis 80-Jährige sind mit dieser Gerätetechnik nicht groß geworden“

„Wir haben festgestellt, dass es gerade im Alter große Probleme gibt, mit den Geräten umzugehen“, weiß Meissner, „die 65- bis 80-Jährigen sind mit dieser Gerätetechnik nicht groß geworden.“ Von der Beschäftigung damit werde man aber nicht dümmer, meint eine Teilnehmerin, um gleich auf ein anderes Problem auf dem Lande hinzuweisen: „Wir haben bei uns kein Netz.“

Manfred Neumann kann als gelernter Nachrichtentechniker genau erklären, wie man mit dem Smartphone richtug umgeht. Quelle: Bernd Atzenroth

Am anderen Tisch sitzt Manfred Neumann und erklärt ebenfalls ganz genau, was man mit so einem Smartphone alles anstellen kann. Der 62-Jährige ist wie Andreas Meissner ehrenamtlicher Netzwerklotse. Als gelernter Nachrichtentechniker ist er schon in seinem Beruf bei Post und Telekom in die Thematik hineingewachsen. Jetzt im Vorruhestand gibt er sein Wissen nun an die ältere Generation weiter.

Das passt zum Projekt „Clever Altern“

Kaum haben sie mit ihren Gesprächspartnerinnen die ersten Probleme erörtert, da ist auch schon wieder „Schichtwechsel“ – die nächsten Lernwilligen sind nun an der Reihe. Gisela Schiwon hat ihr Laptop mitgebracht und dazu eine ganze Menge an Fragen an Andreas Meissner. Manfred Neumann erklärt der nächsten Teilnehmerin den Umgang mit ihrem Smartphone.

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„Die sind wirklich gut, die Jungs“, sagt Christian Pistol über die beiden Netzwerklotsen. Er und Erika Jesse beaufsichtigen das Angebot, das seit Anfang Oktober läuft. Die beiden arbeiten in Wittstock im breiter angelegten Projekt „Clever Altern“ das die Volkssolidarität Prignitz-Ruppin gemeinsam mit dem Verein EstaRuppin ins Leben gerufen hat. Nun schauen sie sich an, wie alles in Perleberg läuft.

Logo Sterntaler 1sp Quelle: Maz

Wittstock ist seit September Digital-Standort – dort haben alte Menschen die gleichen Probleme wie in Perleberg. Das Kursangebot in der Rolandstadt könnte also Blaupause für Wittstock werden.

Mit Videotelefonie gegen die Vereinsamung

Es passt perfekt zu dem was in Wittstock passiert. Man wolle auf ganz unterschiedliche Weise alte Menschen „vom Sofa locken“, sagt Pistol. Und „Clever altern“ soll den Seniorinnen und Senioren auch Wege gegen die Vereinsamung aufzeigen. Ganz wichtig dafür ist zum Beispiel Videotelefonie. „So kann die Oma einfach mal den Enkel sehen“, sagt Erika Jeske – gerade in Corona-Zeiten ist das wichtig.

Erika Jesse und Christian Pistol vom Wittstocker Projekt "Clever Altern" unterstützen den Kurs in Perleberg. Quelle: Bernd Atzenroth

Partner von „Clever Altern“ sind auch die Stadt Wittstock und die Gemeinde Heiligengrabe. Angedacht ist, das Vorhaben in Richtung Prignitz auszudehnen.

MAZ-Sterntaler für das Kursangebot

Für den Kurs in Perleberg werden weitere Netzwerklotsen gesucht. Um das Angebot verstetigen zu können, möchte die MAZ es nun auch mit Sterntalern unterstützen. Die Volkssolidarität Prignitz-Ruppin ist Partner der Prignitzer MAZ-Sterntaler-Aktion. Wer spenden will, tue dies in einem der blauen MAZ-Sammelschweine oder auf unser Sterntaler-Spendenkonto bei der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin:Sterntaler Prignitz IBAN: DE69 1605 0202 1001 0106 94; Verwendungszweck: Sterntaler Prignitz 2020

Spendenbescheinigungen stellt bei Bedarf die Volkssolidarität in der Wittstocker Poststraße aus.

Unterstützt werden vier Zwecke, auf die das Spendengeld gleichermaßen verteilt wird. Wir stellen die Projekte nacheinander vor.

Von Bernd Atzenroth