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Perleberg Bei Stromausfall und Hochwasser: Im Ernstfall hilft „Nina“
Lokales Prignitz Perleberg Bei Stromausfall und Hochwasser: Im Ernstfall hilft „Nina“
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00:22 06.05.2019
Bälow war beim Kampf gegen das Elbe-Hochwasser 2013 einer der am schlimmsten betroffenen Orte. Quelle: Andreas König
Perleberg

Es kann ganz schnell gehen. Ohne Vorwarnung. Von einer Sekunde auf die andere tritt ein Notfall ein und die Bevölkerung wird schlagartig aus ihrer Komfortzone herausgerissen. So geschehen in Berlin-Köpenick im Februar dieses Jahres. 31 Stunden dauerte der Ausnahmezustand ohne Strom.

In der Perleberger Feldstraße befindet sich im Ernstfall die Zentrale

Wenn in der Prignitz die Lichter ausgehen, dann ist die Abteilung Brand- und Katastrophenschutz in der Kreisverwaltung in höchster Alarmbereitschaft. Am Standort in der Perleberger Feldstraße 96 laufen die Fäden zusammen. Im Ernstfall befindet sich hier die Zentrale. Von hier aus werden Feuerwehren, Rettungsdienste, Polizei mit Informationen versorgt und deren Arbeit koordiniert.

Beim Sturm Xavier hatte der Katastrophenschutz des Landkreises viele Hilfskräfte zu koordinieren. Quelle: Andreas König

In so genannten Großschadenslagen, von denen mehrere Kommunen betroffen sein können, übernimmt die übergeordnete Ebene, der Landkreis. „Dann bauen wir hier in der Feldstraße die Führungsorganisation auf“, erklärt Marcus Bethmann, Sachbereichsleiter Brand- und Katastrophenschutz.

Das Gebäude in der Feldstraße, gleich neben der Wache der Perleberger Feuerwehr gelegen, sieht von außen eher unscheinbar aus. Neben den Büros von Bethmann und seinen Kollegen befindet sich im ersten Stock der große Konferenzraum, in dem die Einsätze mit allen beteiligten Kräften besprochen und die Aufgaben verteilt werden.

Im Notfall übernimmt das Notstromaggregat

Das ist nach außen hin für alle Besucher sichtbar. Die Besonderheiten liegen aber in der technischen Ausstattung, die für eine Leitzentrale auf dieser Ebene unverzichtbar ist. „Im Falle eines Stromausfalls sind wir zum Beispiel komplett unabhängig und versorgen uns selbst“, erklärt Marcus Bethmann. Dafür steht „eine Riesenbatterie im Keller“, sagt er scherzhaft und meint damit das Notstromaggregat, das im Ernstfall übernimmt.

Warn-App „Nina“ – die Sirene in der Tasche

Die Bevölkerung kann sich auf verschiedenen Wegen informieren, um sich in Notsituationen richtig zu verhalten.

Für Handy-Besitzer gibt es als kostenlosen Service des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Warn-App „NINA“ (Notfall-Informations- und Nachrichten-App). Wie die „Sirene in der Tasche“ funktioniert und wie sie herunter geladen wird, ist auf der Internetseite www.bbk.bund.de/DE/NINA/Warn-App_NINA.html erklärt.

Das BBK gibt auch den „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ heraus, der kostenlos angefordert werden kann. Sie soll auch in allen Rathäusern ausliegen.

Eine Broschüre mit praktischen Tipps zum Thema Stromausfall gibt es auch vom Innenministerium des Landes. Sie kann auf der Internetseite www.mik.brandenburg.de heruntergeladen werden.

Der Landkreis verleiht den Infostand plus Material auch an die Städte, Ämter und Gemeinden in der Prignitz. Deren Mitarbeiter werden zuvor eingewiesen und geschult.

Auch die Kommunikation muss uneingeschränkt funktionieren. Dafür kann der Landkreis auf Digitalfunk zurückgreifen, um den Kontakt zu anderen Behörden zu halten. Sollte die Leitstelle in Potsdam für die landesweite Koordination nicht zu erreichen sein, ist so zumindest sichergestellt, dass von Perleberg aus die Partner in der Region angefunkt werden können. „Damit ist ein Stück Kompetenz erhalten geblieben“, sagt Marcus Bethmann und meint damit die strukturellen Veränderungen im Bereich Katastrophenschutz in Brandenburg, die ja zur Aufgabe der Prignitzer Leitstelle in der Feldstraße 95 geführt haben.

Die Mitarbeiter des Landkreises im Bereich Brand- und Katastrophenschutz sind auch regelmäßig in Kontakt mit Partnern und Einrichtungen, auf die es in Notfällen ankäme. Regelmäßig trifft sich beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft „Kritische Infrastruktur“, zu der Krankenhäuser, Stromversorger und Behörden gehören.

Gemeinsame Übungen mit der Bundeswehr

Die geografische Lage der Prignitz kann zudem auch die Zusammenarbeit mit den Nachbarlandkreisen erforderlich machen. Wo allerdings vier Bundesländer zusammentreffen, wie an der Elbe, gibt es auch unterschiedliche Regelungen, weiß Bethmann. „Daher ist es wichtig, den Kontakt zu halten.“

Das gilt im Übrigen auch für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, die in Havelberg mit dem Panzerpionierbatallion 803 stationiert ist und gerade bei Hochwasser eine wichtige Unterstützung leistet. „Mit den Soldaten gibt es regelmäßig gemeinsame Übungen“, sagt Marcus Bethmann.

In den vergangenen Jahren gab es einige Herausforderungen, für die die Kräfte gebündelt werden mussten und ein hohes Maß an Organisation gefordert war. Im Sommer 2013 hielt Hochwasser die Anrainer der Elbe in Atem. 2017 im Oktober war es der Sturm „Xavier“, der über die Prignitz zog. Und erst im Februar löste der Austritt von Ammoniak in einem Perleberger Schlachtbetrieb Großalarm aus.

Moderne Kommunikation statt Kirchenglocken

Alles Szenarien, vor denen schnell gewarnt werden muss. Der Landkreis greift dann auf das Modulare Warnsystem zurück, das seit 2001 bundesweit genutzt wird. Ziel ist es, einen möglichst großen Teil der Bevölkerung auf vielen, unterschiedlichen Wegen zu erreichen. Satelliten gesteuert werden die Informationen beispielsweise über Radio, Fernsehen, Internet, Handy oder digitale Anzeigentafeln verbreitet.

„Es gibt nicht mehr das eine Warnmittel“, erklärt Marcus Bethmann. Früher läuteten die Kirchenglocken oder es ertönten Sirenen. Aber wer weiß heute noch, wie eine Sirene klingt, wenn Alarm ausgelöst wird? Im 21. Jahrhundert ist modernere Kommunikation gefragt.

Was aber nicht heißt, dass der direkte Draht zur Bevölkerung gekappt ist. Im Gegenteil. Die Mitarbeiter des Katastrophenschutzes sind regelmäßig mit einem Infostand unterwegs, besuchen Veranstaltungen und haben jede Menge Tipps und Material im Gepäck.

Wasser ist im Notfall das Wichtigste

Beim Brandenburg-Tag in Wittenberge vergangenes Jahr im August war Andreas Rohloff dabei und kann im Nachhinein über jede Menge „Aha-Effekte“ berichten. Die erlebte der Sachbearbeiter für Katastrophenschutzvorsorge beim Landkreis beispielsweise, wenn er die Besucher fragte, wer denn zuhause ein batteriebetriebenes Radio hat, Taschenlampen griffbereit liegen oder Kerzen vorhanden sind. Auch ein Vorrat an Lebensmitteln kann nicht schaden. Dazu gehört eine entsprechende Menge Wasserflaschen, im Notfall „das Wichtigste, was wir brauchen“, sagt Rohloff.

In Wittenberge hat der Landkreis auch für „Nina“ geworben – eine Katastrophenschutz-App fürs Handy, die kostenfrei von der Bundesanstalt für Bevölkerungsschutz angeboten wird. Wetterlagen, Hochwassergefahren, Notfalltipps und Hinweise für das richtige Verhalten können über die App abgerufen werden, die auch ohne Netz funktioniert. „Die Gäste an unserem Stand haben sich die App gleich herunter geladen“, hat Andreas Rohloff beobachtet. So schnell kann die Öffentlichkeitsarbeit Früchte tragen.

Von Stephanie Fedders

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