Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Perleberg Bernd Schröder kommt gerne in die Prignitz
Lokales Prignitz Perleberg Bernd Schröder kommt gerne in die Prignitz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 27.01.2019
Bernd Schröder ist gern in der Prignitz, beim Neujahrsempfang hielt er ein Plädoyer für den leidenschaftlichen Staatsbürger. Quelle: Bernd Atzenroth
Perleberg

Es war eine ungewöhnliche Ankündigung für den Ehrengast des diesjährigen Neujahrsempfang des Prignitzer Landrats Torsten Uhe: „Er saß zwischen den größten Fußballern und Trainern wie Messi und Mourinho. Und keiner von ihnen wusste, dass er kein Geld verlangt hatte – und keiner von ihnen hätte es wohl verstanden“, sagte Moderator Christopher Nowak über Bernd Schröder. Der Vater des Erfolgs der Fußballerinnen von Turbine Potsdam kommt noch aus einer anderen Zeit, als der Mammon den Fußball und die Gesellschaft noch nicht so dominierte.

Bernd Schröder war nach Perleberg gekommen, um einen alten Weggefährten auszuzeichnen: Günter Scheminowski, der Wittenberger Trainer, der für sein Lebenswerk mit dem Prignitzer Bürgerpreis geehrt wurde, und Bernd Schröder kennen sich seit der Zeit, als Veritas Wittenberge von 1975 bis 1980 in der erste DDR-Liga spielte und beide mit ihren Mannschaften gegeneinander antraten.

Persönliche Erinnerungen an die Prignitz

Schröder ist aber ohnehin gerne im Nordwesten Brandenburgs. „Ich habe weder Mühen noch Kosten gescheut, um in die Prignitz zu kommen“, erzählt er im Vorabgespräch im Perleberger Henningshof, „ich war mit meinen Mannschaften so oft in Wittenberge, Pritzwalk, Putlitz und Perleberg, ja in Maulbeerwalde. Als ich jüngst in Heiligengrabe zu einer Lesung war, waren viele im Publikum, die sagten: In Maulbeerwalde waren wir dabei.“

Diese Erinnerungen kommen ihm nach und nach in den Sinn: „In Putlitz haben wir 1990 unser erstes Spiel nach der Wende gegen Sachsenroß Hannover ausgetragen. 2000 Leute waren dort. Ich erinnere mich noch dort an einen großen Saal mit zwei großen Öfen.“

Herzliche Umarmung auf der Bühne: Bernd Schröder (r.) gratulierte Günter Scheminowski zum Prignitzer Bürgerpreis. Quelle: Bernd Atzenroth

In Perleberg trugen seine Turbine-Fußballerinnen ein Spiel gegen Duisburg aus. Das war aber schon nach der Wende in der sogenannten Olympiarunde 1996. „Das war eine tolle Veranstaltung.“ Das Team hatte in der Nacht davor im Hotel „Deutscher Kaiser“ übernachtet. „Anschließend waren wir wohl hier“, sagte Schröder und meinte damit den Henningshof, „das sah aber noch ganz anders aus. Fritz-Otto Henning hatte uns zu einem Essen eingeladen.“ Beim Spiel selbst war das Stadion in Perleberg voll. „Damals hat noch Martina Voss mitgespielt, die heutige Bundestrainerin.“

„Auf welchem Erdteil liegt das denn?“

Eine Geschichte erzählt er besonders gern: Von der Landesregierung und der Tourismusmarketing Brandenburg bekam er 2007 einen Gutschein und konnte sich einen Urlaubsort im Land aussuchen. Als ihn später Bekannte von ihrem Urlaub in Dubai oder auf den Malediven erzählten und ihn nach seinem Urlaubsort fragten, sagte er nur: Legde. „Auf welchem Erdteil liegt das denn?“ wurde er gefragt.

An den Urlaub auf dem dortigen Reiterhof erinnert er sich gerne: „Wir haben Ausflüge zur Plattenburg und an die Elbe gemacht. Da war doch dieses Gasthaus direkt hinter dem Elbdeich“, erzählt Schröder und meint den Dörpkrog an Diek in Abbendorf, „und da stand ein Schild ’Knieperkohl’.“ Da hätten ihn Gäste aus Westdeutschland gefragt, ob man das dort essen könne – und das im Sommer. „Dabei hatten die lediglich vergessen, das Schild vom Winter abzunehmen.“

Plädoyer für den leidenschaftlichen Staatsbürger

Schröder wird beim Empfang nur einmal kurz auf das Thema Fußball zurückkommen und DFB und Fifa als „eigene Erlebniswelt“ bezeichnen. Er habe mittlerweile fünf DFB-Präsidenten erlebt: „Es ist nie besser geworden, aber man hofft ja immer“, witzelte er, „wir haben nicht immer das Gefühl, dass dort Mannschaftssport betrieben wird.“ Bernd Schröder sieht Analogien zur Politik und zur Gesellschaft an sich. „Wir hatten alle Vorbilder“, sagt er, „heute sagen 75 Prozent, sie sind ihr eigenes Vorbild.“ Er beklagt mangelnde Bildung, digitale Verblödung und den Mangel an Führungspersönlichkeiten mit Gesicht und der nötigen Ausstrahlung. „Wir brauchen mehr leidenschaftliche Staatsbürger und weniger leidenschaftlichen Konsumenten.“

Mit Prignitzern kann man etwas bewegen

Auch das ist eine Erklärung dafür, warum gerade er an diesem Tag hier ist: Hier findet er Menschen mit einer solchen Ausstrahlung. „Mit Torsten Uhe habe ich über Jahre hinweg ein sehr persönliches Verhältnis“, sagt er. Auch mit Uhes Vorgänger Hans Lange war das so: „Der war ja ein ganz anderer Typ – jetzt hat er dankenswerterweise dazu beigetragen, dass diese unsinnige Gebietsreform gestoppt wurde. In der Prignitz ist das wie in anderen ländlichen Regionen: Hier sind gestandene Leute am Werk, die über Jahre hinweg agieren.“ Das war aber auch schon früher so, wenn er in der Prignitz war: „Du hattest immer das Gefühl, hier sind Leute, mit denen du was bewegen könntest.“

Von Bernd Atzenroth

Die Lücke war wohl doch zu eng. Das hat eine ältere Dame in der Perleberger Karlstraße wohl nicht gesehen und rammte einen Rettungswagen im Einsatz. Anstatt anzuhalten, fuhr sie einfach weiter.

27.01.2019

Jedes Jahr zum Neujahrsempfang ehrt der Landkreis Prignitz besonders engagierte Personen mit dem Bürgerpreis. Immer wieder werden dabei andere Schwerpunkte gesetzt. Diesmal kamen die Preisträger aus dem Sport, mit einer Ausnahme.

26.01.2019

Mit der Christophorusschule ist Leben in das alte Gutshaus in Garz eingezogen. Neue Projektideen gibt es auch schon. Die Umsetzung hängt aber von genügend qualifiziertem Personal ab.

23.01.2019