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Perleberg Forscher spüren Siedlung beim Königsgrab auf
Lokales Prignitz Perleberg Forscher spüren Siedlung beim Königsgrab auf
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17:51 29.08.2019
Grabungsleiter Immo Heske zeigt ein aus Scherben rekonstruiertes Vorratsgefäß aus Seddin: "Das ist typisch bronzezeitlich!" Quelle: Kerstin Beck
Perleberg

So viel wurde bereits über das „Königsgrab“ berichtet, und den vielen Gästen, die am Mittwochabend zu einem abermaligen Vortrag zum Perleberger Museum gekommen waren, sah man das ungebrochene Interesse an dem geheimnisvollen Grabhügel an.

Und selbst Bürgermeisterin Annett Jura, die die Eröffnungsrede hielt, musste zugeben: „Ich hatte heute Nachmittag bei der Bürger-Sprechstunde kaum Besucher, aber dagegen sind hier viele Gäste erschienen. Man kommt eben in der Prignitz am Königsgrab nicht vorbei.“

Eine Metropole immensen Ausmaßes?

Doch der Grabhügel hat ja längst seine Geheimnisse enthüllt, und die Frage, die inzwischen ansteht, ist eine ganz andere, wie Grabungsleiter Immo Heske in seinem Vortrag deutlich machte. Es gibt in der Nähe des Grabmales Siedlungsspuren.Dazu gehören sowohl Pfostenlöcher, die auf Häuser, Werkplätze und Wirtschaftsgebäude hindeuten, als auch Feuergruben.

Nur: Beide Siedlungsnachweise sind räumlich voneinander getrennt. Und dann gibt es noch eine Frage, deren Beantwortung auf eine Sensation hindeuten könnte: Wie groß war die Siedlung, und gab es darin vielleicht einen Fürstenhof?

Grabungsleiter Immo Heske zeigt ein aus Scherben rekonstruiertes Vorratsgefäß aus Seddin: "Das ist typisch bronzezeitlich!" Quelle: Kerstin Beck

Dazu kommt noch ein Verwirrspiel: Zu den Funden gehört auch Holzkohle, die mit der sogenannten C-14-Methode datiert werden kann. Und da war auch schon mal Holzkohlen-Reste aus dem Dreißigjährigen Krieg mit dabei - in einem Gebiet, welches heute beackert wird. Aber so etwas darf dort schon einmal vorkommen.

Eindeutig dagegen sind Scherben aus der Grabung von 2015, mit denen ein Gefäß rekonstruiert werden konnte - ein etwa 40 Zentimeter hohes Vorratsgefäß, welches eindeutig in die ausgehende Bronzezeit weist. Dazu ein Miniaturgefäß aus einer Grube, „bei dem es sich vielleicht um ein Töpfchen handelt, welches beim Bronzegießen eine Bedeutung hatte“, so der Vortragende. Doch da stehen genauere mikroskopische Untersuchungen noch an.

Der Fürst war international vernetzt

Aber das konnte der Grabungsleiter den Gästen bereits verkünden: „Auf jeden Fall war der Fürst, der hier begraben wurde, eine Person, die international vernetzt war und die unter den „oberen Hundert“, denn mehr gab es damals nicht, den einen oder anderen Angehörigen der damaligen Elite kannte.

Und die Erkenntnisse gehen noch weiter: „So ein Vorratsgefäß hält Getreide für drei bis vier Jahre frisch. Aber wenn es einmal geöffnet worden ist, muss das gesamte Getreide sofort verbraucht werden. Und das deutet daraufhin, dass es dann nicht in einem, sondern in mehreren Haushalten verteilt wurde. Und das zeigt wiederum, dass wir es nicht mit einer kleinen Siedlung zu tun haben.“

Grabungsleiter Immo Heske zeigt ein Foto der rätselhaften Feuergruben: "Das Grab zeigt in die Höhe, die Gruben dagegen in die Tiefe!" Quelle: Kerstin Beck

Inzwischen wurde das Grabungsgebiet deutlich erweitert, es umfasste in diesem Jahr eine Fläche von fünf mal 20 Metern. „Da sind die Funde, und da sind die Häuser, und für uns ist es wichtig, zu erforschen, was denn nun dort war.“ Zum geborgenen Fundgut gehören zudem eine Bronzenadel, und eine Lappenschale, deren Rand – sowie deren Wandung mit Fingerknuffen übersät ist. Letztere ist typisch für die jüngere Bronzezeit – also mit großer Wahrscheinlichkeit „hinzzeitlich“.

Und dann gibt es noch die mittels Magnetfeldprospektion aufgespürten Anomalien, die im Grabungsgebiet auf die rätselhaften Feuergruben hinweisen. „Die größte Anomalie entpuppte sich dann als Strommast, aber so etwas hat man eben auch dabei“, erläuterte der Grabungsleiter. Was besagte Gruben betrifft, ist ihre Funktion nicht geklärt. „Sie könnten auf einen kultischen Zweck hindeuten - dass das Grabmal in die Höhe zum Himmel reicht, die Feuergruben dagegen in Richtung Erde“, wagte Heske eine erste Deutung.

Und dann gibt es im Gelände einen Tümpel, der vielleicht auch einmal untersucht werden sollte. Schließlich könnte er eine Rolle als Wasserheiligtum haben, in dem Opfer versenkt worden sind, um die Götter gnädig zu stimmen.

Aber es gibt ja hoffentlich im nächsten Jahr wieder eine Grabungssaison. Und zuletzt brachte es Gordon Thalmann, derzeitiger kommissarischer Leiter der Unteren Denkmalbehörde Perleberg, auf den Punkt: „Es geht in Seddin nicht darum, irgendwelche Funde zu machen. Es geht hier darum, die Ausdehnung der Siedlung zu erfassen, und da stehen wir womöglich vor einer Metropole. Und das wäre in Europa einmalig!“

Von Kerstin Beck

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