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Perleberg Mit den Quitzows war er eng verbunden
Lokales Prignitz Perleberg Mit den Quitzows war er eng verbunden
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14:06 12.02.2019
Ist die Prignitz eine Fontanesche "Leerstelle"? Über diese Frage referierte der renommierte Germanist und Fontane-Forscher Hubertus Fischer aus Berlin. Quelle: Kerstin Beck
Perleberg

Manche Dinge brauchen einen kleinen Vorlauf. Nachdem im vergangenen Jahr der renommierte Fontaneforscher Hubertus Fischer einen Fontane-Vortrag für die Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg in Berlin gehalten hatte, wurde der Germanist von der Schriftführerin des Vereines, Ingrid Zache, gefragt, inwieweit denn der gebürtige Neuruppiner überhaupt die Prignitz behandelt hätte.

Damit war ein neues Vortragsthema geboren, welches am Montagabend im Perleberger Museum im Mittelpunkt stand, und natürlich war die Hohen Neuendorferin Ingrid Zache zur Beantwortung dieser Frage auch angereist – wie so viele andere Interessierte. Der Platz im Vortragssaal reichte kaum aus.

Fontane hat dem Land eine unverwechselbare Kontur gegeben

Der emeritierte Professor der Universität Hannover begann mit den Worten: „Die Reise ging durch die Mark – also giebt es davon nichts Interessantes zu erzählen.“ Allerdings sind das keine Fontane-Worte, sondern die des ebenfalls in der Mark geborenen deutschen Dramatikers Heinrich von Kleist, für den die Region „eine ausgebreitete Ödnis, die erst mit der Entfernung von ihr gewann“, war.

Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Vortragssaal im Perleberger Museum. Quelle: Kerstin Beck

Der 1819 geborene Neuruppiner Apothekersohn Fontane dagegen, der sich als Journalist, Theaterkritiker und ab 1849 auch als Schriftsteller einen Namen gemacht hatte, hat sich insbesondere der Geschichte seiner Heimat gewidmet. „Fontane ist das Kunststück gelungen. Ohne seine ’Wanderungen’ würde Brandenburg heute ein Schattenland im allgemeinen Bewusstsein sein. Er hat dem Land eine so unverwechselbare Kontur und ein solch spezielles Kolorit verliehen, dass es wie ein unverrückbares Panorama bis in unsere Gegenwart hineinragt“, schätzte Hubertus Fischer ein. Ob das Schattendasein ohne Fontane so dunkel sein würde, bleibt zu hinterfragen. Aber sicher ist das Land durch die literarische Verarbeitung in den Fokus von Literaturfreunden und Reiselustigen gerückt.

Sein Interesse galt den Aufständen des Adels

Aber, wie steht es nun um die Prignitz im Besonderen?

Zumindest gelten laut Fontane als „einer der interessantesten Abschnitte der märkischen Geschichte, vielleicht der interessanteste“, die Aufstände des märkischen Adels gegen Friedrich von Hohenzollern. Und da stehen in vorderster Linie die Quitzows und damit das sogenannte Quitzowtum.

„Wir finden die Anspielung im ersten Roman „Vor dem Sturm“ und im letzten „Der Stechlin“, dazwischen in „Frau Jenny Treibel“, „Cécile“, „Stine“, und „Die Poggenpuhls“. Gemeint sind mit dem Quitzowtum das Selbstgefühl und die latente Opposition des alten Land- und Landesadels gegen seinen König und Herrn – ganz nach dem Motto: „Wir waren schon vor den Hohenzollern da!“ Und dazu hat Lieselott Enders vor allem die Gans Edlen Herren zu Putlitz, die Quitzows und von Rohrs genannt“, führte Hubertus Fischer dazu an.

Mathilde von Rohr lieferte ihm Stoff zum Schreiben

Mit Gustav Gans zu Putlitz war Fontane über Jahre gut bekannt – was kein Wunder war. Der erstere war Stückeschreiber und Fontane kritisierte sie in der Berliner „Vossischen Zeitung“ mehr oder weniger bissig.

Und zudem hatte er „in Mathilde von Rohr, die ihn über Jahre mit Stoff und Material für die „Wanderungen“ versorgte, eine hilfsbereite Freundin und Briefpartnerin.“

Das Quitzowtum fand vielfaches Echo in den Romanen

Und das war es aber schon. „Wir wissen jetzt, dass er in Havelberg, Wilsnack, Quitzöbel, Rühstädt und Fretzdorf war, mancherlei Beziehungen zu Mitgliedern alter Prignitzer Geschlechter unterhielt ..., und dass Quitzowtum und Quitzowzeit ein vielfaches Echo in seinen Romanen fanden“ resümierte der Vortragende.

Nie war Fontane hier, doch der Quitzowsitz Eldenburg fand Eingang in seinen "Fünf Schlössern". Quelle: Kerstin Beck

Doch dann wurde der Fontanekenner noch konkret: „Eine Leerstelle, wie vermutet, ist die Prignitz wohl in den „Wanderungen“, aber sonst ist sie es bei Fontane nicht. Der Ort in der Prignitz, der Fontanes Fantasie erregt und seine Erzählkunst angespornt hat, war Quitzöbel; der Ort, der ihn für sich eingenommen hat, Rühstädt. Erst danach kommen Wilsnack und Havelberg.“

Land hätte sich breiter mit einem Fontane-Konzept positionieren sollen

Das aber kann der Leser in dem Fontane-Buch „Fünf Schlösser“ nachvollziehen. Und dazu hieß es: „Fontane malt in ’Quitzöwel’ das dramatische Gemälde bewegter Zeiten, das kaum einen Prignitzer Ort oder ein Prignitzer Geschlecht unerwähnt lässt. Das Ende des Kapitels bilden zwei Quitzow-Geschichten aus dem 16. Jahrhundert, die aber nicht in Quitzöbel, sondern in Rühstädt und Eldenburg spielen.“

Zum Schluss gab Hubertus Fischer noch ein persönliches kritisches Resümee: „Ich hätte mir gewünscht, dass das Land Brandenburg anlässlich des 200. Fontane-Geburtstages ein breiteres Konzept ausgearbeitet hätte – das wäre eine Chance für das gesamte Land gewesen, denn er ist ein Autor, der in ganz Europa gelesen wird!“

Und so gab es – für den ganz ohne Landesmittel durchgeführten Vortrag – einen immerhin doppelten Applaus vom Publikum.

Von Kerstin Beck

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