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Perleberg Museumsvolontär wird die Prignitz erforschen
Lokales Prignitz Perleberg Museumsvolontär wird die Prignitz erforschen
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00:24 24.05.2019
Mit Zuwendungsbescheid: die Bürgermeister Oliver Hermann (l.) und Annett Jura sowie Perlebergs Museumsleiter Frank Riedel. Quelle: Nicole Drescher
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Perleberg/Wittenberge

In der Prignitz trafen zum Ende des Zweiten Weltkrieges die Amerikaner und Russen aufeinander. Mit dieser Zeit wird sich ab August ein Volontär in den Museen in Perleberg und Wittenberge beschäftigen. „Seine Aufgabe wird es sein, Quellen zu finden, zu systematisieren und aufzuarbeiten“, erzählt Frank Riedel, Museumsleiter in Perleberg.

Es ist eine von nur zwei Stellen in ganz Brandenburg, die vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Potsdam gefördert wird – eine in Perleberg und Wittenberge sowie eine in Eisenhüttenstadt und Beeskow. Mit deren Hilfe des Landes kann die Hälfte der Kosten, rund 30.000 Euro, getragen werden. Den Rest teilen sich beide Städte als Mittelzentrum.

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Vom Studium in die Praxis

Auf zwei Jahre ist das Volontariat begrenzt. Das erste Jahr wird der neue Mitarbeiter in Perleberg, im Anschluss in Wittenberge tätig sein. „Ein Museum allein, wäre für solch ein Projekt zu klein und zu schwach“, sagt Oliver Herrmann, Bürgermeister in Wittenberge. Beide Städte wollen gemeinsam kooperieren und die Wissenschaft vorantreiben.

Der Volontär kommt frisch vom Studium und steigt sofort in die wissenschaftliche Praxis zum Thema „Kriegsende 1945 im Frontgrenzgebiet ElbeWittenberge/Perleberg“ ein. Vieles davon ist in der Prignitz noch völlig unerforscht. „Über mögliche Siegesfeiern in Wittenberge ist nahezu noch nichts bekannt“, betont Frank Riedel.

Wissen der Zeitzeugen sichern

In Perleberg entstand 1935 auf dem ehemaligen Gelände des Gutes Tonkital einer von 65 Fliegerhorsten im Dritten Reich – Flugzeugführerschule, großen Hallen und Kasernenbauten. Ein großer Teil des Geländes liegt heute brach. Damit wird sich der Volontär tiefgründig beschäftigen. Begleitet wird das Projekt von einem renommierten Professor aus Potsdam.

Der Volontär soll auch das Wissen von Zeitzeugen sichern. Die Menschen aus der Zeit sind heute teils weit über 90 Jahre alt. Tagebücher und Bildbände wären ein wahrer Schatz für die Museen und könnten in neue Ausstellungen einfließen. Erste Ergebnisse werden kommendes Jahr passend zum Kulturlandthema „Kultur und Frieden“ erwartet.

Forschung bleibt oft auf der Strecke

„Die Bürger sehen oft nur die Ausstellungen. Die Forschung dahinter bleibt häufig auf der Strecke“, so Frank Riedel. Das soll sich mit dem Museumsvolontär nun zumindest zeitweise ändern. Ein positiver Nebeneffekt sei dabei zugleich junge Leute in die Region zu holen, die die regionale Geschichte über die Kreisgrenzen hinaustragen.

Von Marcus J. Pfeiffer