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Perleberg Neue Ausstellung im Alten Fernmeldeamt
Lokales Prignitz Perleberg Neue Ausstellung im Alten Fernmeldeamt
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00:25 05.11.2018
Bis ins kleinste Detail haben Hans-Peter und Gisela Freimark die umfangreiche Ausstellung im Alten Fernmeldeamt durchdacht, geplant und fertiggestellt. Quelle: Marcus J. Pfeiffer
Perleberg

„Wir sind keine Historiker oder Museumsgestalter“, sagt Gisela Freimark. Trotzdem haben sie und ihr Mann Hans-Peter etwas Großes geschaffen. Sie errichteten vor zwölf Jahren das DDR-Geschichtsmuseum in der Feldstraße in Perleberg. Nun haben sie eine zweite Ausstellung im Alten Fernmeldeamt in der Karl-Marx-Straße initiiert. Diesmal geben sie Einblicke in die Zeit vor der DDR.

Geschichte soll erlebbar werden

Am Donnerstag konnten sie in Anwesenheit von Ministerpräsident Dietmar Woidke und Bürgermeisterin Annett Jura einen ersten Teil der schau eröffnen. Auf einer ganzen Etage dreht sich alles um die Zeit von 1933 bis 1945. „Wir wollen die Geschichte erlebbar machen mit dem, was uns in die Hände fiel oder wir erstanden haben“, sagt Hans-Peter Freimark. Dabei setze er aber ganz gewiss keinen wissenschaftlich historischen Anspruch.

Ministerpräsident Dietmar Woidke war über das große Engagement sichtlich erstaunt. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Ihm und seiner Frau ist es wichtig zurückzublicken, um zu lernen und so die Gegenwart und Zukunft richtig gestalten zu können. Das Hauptthema der neuen Ausstellung ist die nationalsozialistische Zeit mit Unterdrückung, Ausgrenzungen, Verfolgung, Hass und Mord. Dabei werde aber nicht nur auf Adolf Hitler eingegangen, sondern auf die ganze Gesellschaft, wie sie lebte, fühlte und gehorchte.

Im Frühjahr soll alles fertig sein

Darüber wollen die Freimarks nun aufklären, um solche Umstände nie mehr entstehen zu lassen. Vor allem die Jugend soll sich dabei angesprochen fühlen. Ganze Schulklassen können zu Besuch kommen. „Ich hatte mal einen Zehntklässler hier, der mich nach einem Vortrag fragte, was ich denn mit KZ meine. Er hatte davon nie gehört“, erzählt Peter Freimark. Darüber war er völlig erstaunt. Es war für ihn ein Ansporn mehr, die Ausstellung zu schaffen.

Hans-Peter Freimark zeigt, was damals in Perleberg geschah. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Aktuell geht er davon aus, dass im kommenden Frühjahr alles fertig sein wird und auch die Bürger und Gäste der Stadt in den Genuss kommen können, die Ausstellung im Alten Fernmeldeamt zu besuchen. Das DDR-Geschichtsmuseum in der Feldstraße bleibe dabei natürlich weiterhin bestehen. Es gibt sogar weitere Pläne für die gewaltigen Räumlichkeiten des alten Gebäudes in der Karl-Marx-Straße.

Ausstellung vom Boden bis zur Decke

„Wir wollen eine Ausstellung von 1870 bis 1945 schaffen“, so der Initiator. Ein großer Teil mit vielen geschichtsträchtigen Jahren befinden sich aktuell noch in der Planung. Auch die Weimarer Republik und die Kaiserzeit sollen schon bald in einer Ausstellung zu sehen sein. Doch schon jetzt ist es ein gigantisches Projekt von großer Bedeutung. Staunende Gesichter zeigten sich bei der ersten Führung von Hans-Peter Freimark und seiner Frau am Donnerstag.

Seit der Wende stand das in den 1920er-Jahren erbaute Gebäude in der Karl-Marx-Straße leer, bis 2010 die Freimarks das Alte Fernmeldeamt kauften. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Zu sehen sind zahlreiche Bücher, alte Zeitungen, Siegel, Fotos und vieles mehr. Sogar die original Trauerschleifen vom Grab Hindenburgs sind ausgestellt, genauso wie ein eingerichtetes Wohnzimmer damaliger Zeit und ein alter Klassenraum. Vom Boden bis an die Decken gibt es Info-Material, auch in englischer Sprache. „Stunden und Tage kann man dort versinken. Es ist bewundernswert, was was hier geschaffen wurde“, lobt Dietmar Woidke.

„Wir haben uns ergänzt und stark gemacht“

Die Ausstellung mache ganz klar deutlich, wohin Spannung und Hass in der Gesellschaft führt. Es werde immer schwieriger, noch Zeitzeugen zu finden. „Die Geschichte darf aber auf jeden Fall nie vergessen werden. Meine Aufgabe wird es sein, die Sammlung zu bewahren“, so der Ministerpräsident. Denn Hans-Peter und Gisela Freimark hoffen sehr, ihr Schaffen in treue Hände abgeben zu können.

Eine kleine Delegation konnte am Donnerstag erstmals die Räumlichkeiten besichtigen. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Beide sind hier geboren, treten immer im Doppelpack auf. „So haben wir uns ergänzt und stark gemacht“, findet Gisela Freimark persönliche Worte. Das habe der Stasi aber nicht gefallen, wie sie später in ihren Akten lesen konnten. „Wir waren schwer einzuschätzen.“ Nach vielen Berufsjahren beschreiten die beiden nun ihren zweiten ehrenamtlichen Weg und das mit viel Engagement, das auch schon mit Dankbarkeit geehrt wurde. Vor zwei Jahren erhielten sie den Verdienstorden des Landes Brandenburg durch den Ministerpräsidenten überreicht.

Das Grauen kam im Inneren

Für beide ein Beweis und Antrieb dafür, weiterzumachen. Vor acht Jahren kauften sie das Gebäude des Alten Fernmeldeamtes von Europas größtem Telekommunikationsunternehmen. Von außen war es damals schon zu bewundern. Das Grauen kam im Inneren. Es war stark heruntergekommen, mehr als gedacht. Es begannen harte und arbeitsreiche Jahre für die Freimarks, das Gebäude aus den 1920er Jahren wieder herzurichten.

Ministerpräsident Dietmar Woidke sprach sein Lob aus. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Sie tauschten und erneuerten über 130 Fenster, verlegten den in Teer getränkten Boden neu und nahmen die Außenfassade in Angriff, um nur einige Beispiele zu nennen. Mit nur wenigen, aber laut Freimark sehr arbeitstüchtigen Helfern gelang es, das Gebäude Mitte 2016 zu eröffnen. Seitdem finden dort bereits in regelmäßigen Abständen die traditionellen politischen Themenabende statt. Nun werden diese demnächst von einer gewaltigen Ausstellung ergänzt.

Von Marcus J. Pfeiffer

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