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Perleberg Frische Farbe für ein altes Schmuckstück
Lokales Prignitz Perleberg Frische Farbe für ein altes Schmuckstück
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01:17 19.05.2019
357 Jahre alt und in einem guten Zustand: Das Patronatsgestühl in der Kehrberger Kirche. Quelle: Stephanie Fedders
Kehrberg

Das kleine Kehrberg und die großen Wunder – es gilt nicht nur an den berühmten Knaben Johann Ludwig Hohenstein zu denken, wenn man das Dorf besucht. Und es gibt auch einen guten Grund, sich nicht allzu lange über die Absage des Theaterstückes über den Wunderknaben zu grämen – die Kirche: von außen strahlend schön mit einem neuen Dach versehen; von innen aufgeräumt und von allen Gerüsten befreit. Jetzt ist der Blick auf die Details wieder möglich, die so viele Geschichten erzählen können.

Karfreitag war der große Tag, an dem erstmals wieder ein besonderes Stück zu bewundern war: Das Patronatsgestühl der Familie von Winterfeld. Angefertigt 1662 für Detlof Burchard und seine Frau Elisabeth Sabine von Hacke. Beide verewigt mit ihren Familienwappen an der Vorderfront. Demnächst in guten Händen bei Corinna Streitz.

Restauratorin Corinna Streitz zeigt Gordon Thalmann die freigelegten Flächen am Bankaufsatz. Quelle: Stephanie Fedders

Die Wittenbergerin ist Restauratorin mit dem Fachgebiet Farbe und hat im Auftrag der Familie von Winterfeld eine Befunddokumentation angefertigt. Jeden Zentimeter innen und außen hat die Expertin untersucht und den Zustand erfasst

In Abstimmung mit Gordon Thalmann von der unteren Denkmalbehörde des Landkreises gab es jetzt einen Vor-Ort-Termin, um festzulegen, in welchem Umfang restauratorische Arbeiten stattfinden sollen.

Überrascht sind alle von dem außerordentlich guten Zustand, in dem sich das Gestühl 357 Jahre nach der Anfertigung befindet – abgesehen davon, dass es ein Glücksfall ist, das Inventar nach so einer langen Zeit noch an seinem Bestimmungsort anzutreffen. Corinna Streitz: „Es gibt keine großen Schäden, keine Holzwürmer, und das Holz gammelt auch nicht.“

So fallen in den nächsten Wochen lediglich konservatorische und pflegende Maßnahmen an, um zum Beispiel den Grauschleier auf den Malereien zu entfernen. Der ist für Laien auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Dafür sticht die unterschiedliche Malerei auf den geschnitzten Aufsätzen hervor.

Nur die Fenster fehlen noch, dann ist die Kirche in Kehrberg komplett saniert. Quelle: Stephanie Fedders

Während die Original-Ranken mit filigranem Pinselstrich ausgeführt wurden, ist die Übermalung deutlich grober ausgefallen. Dort wird Corinna Streitz die ursprüngliche Version wieder freilegen.

Auch im Inneren sind farbliche Korrekturen vorgesehen. Derzeit sind Wände und die Sitzbank grau gestrichen – analog zum Kircheninventar und vermutlich Ergebnis einer Renovierung in den 1960er Jahren.

Corinna Streitz hat festgestellt, dass das Holz „zuvor schon mindestens zweimal übergestrichen wurde“. Und jetzt kommt sogar Schicht Nummer vier dazu. Das ist weniger aufwendig, als alle Schichten zu entfernen. Schwarz, ocker und grünbraun sollen das historisch verbürgte Farbspektrum bilden.

Wenn Corinna Streitz an die Arbeit geht, „ist jedes Objekt einmalig“. So war sie beispielsweise auch in die Sanierung der Persiuskirche in Brügge involviert und hat dort die Malereien analysiert. Trotz aller Erfahrung bleibt immer die Chance auf eine Überraschung, wenn sie die Vergangenheit ganz genau unter die Lupe nimmt.

Gut möglich also, dass auch das Patronatsgestühl noch eine andere, eine unbekannte Seite zeigt. Spuren der Vorgänger in Form von Fingerabdrücken oder Pinselhaaren in der Kirche von Kehrberg. Corinna Streitz würde es nicht wundern.

Von Stephanie Fedders

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