Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Perleberg Prignitz: 100 Minijobs weniger nach Corona
Lokales Prignitz Perleberg

Prignitz: 100 Minijobs weniger nach Corona

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:38 20.07.2021
In der Gebäudereinigung sind Minijobs besonders stark verbreitet – und werden für die Betroffenenhäufig zur Armutsfalle. Die IG BAU fordert, 450-Euro-Stellen sozialversicherungspflichtig zumachen.
In der Gebäudereinigung sind Minijobs besonders stark verbreitet – und werden für die Betroffenenhäufig zur Armutsfalle. Die IG BAU fordert, 450-Euro-Stellen sozialversicherungspflichtig zumachen. Quelle: Foto: Ig bau
Anzeige
Perleberg

Im Landkreis Prignitz sind im vergangenen Jahr rund 100 geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse weggefallen. Innerhalb von zwölf Monaten sank ihre Zahl um vier Prozent auf zuletzt 3300, wie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt. Die IG BAU beruft sich in diesem Zusammenhang auf neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Kritik der Gewerkschaft

„Der Rückgang zeigt, dass Minijobs alles andere als krisenfest sind. In unsicheren Zeiten kürzen Firmen zuerst bei den 450-Euro-Kräften, die allerdings weder Anspruch auf das Kurzarbeiter- noch auf das Arbeitslosengeld haben“, kritisiert Rudi Wiggert.

Hohes Risiko für Frauen

Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Mark Brandenburg fordert deshalb, Lehren aus der Pandemie zu ziehen und Betroffene besser zu schützen. Minijobs müssten demnach ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden. In der Gebäudereinigung seien prekäre Arbeitsverhältnisse besonders stark verbreitet. Insbesondere für Frauen würden sie zum Karriere-und Armutsrisiko.

Beschäftigte sollen Gewerkschaft kontaktieren

Laut Arbeitsagentur zählten die Reinigungsfirmen im Kreis Prignitz Ende vergangenen Jahres rund 80 Beschäftigte, die einen Minijob als alleiniges Einkommen haben. Das sind 14 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Branche. Die IG BAU rät Beschäftigten dazu, die während der Pandemie ihren Minijob verloren haben oder um dessen Verlust fürchten, Hilfe bei der Gewerkschaft zu suchen.

„Seit Jahren falsche Anreize“

„Die Politik setzt mit den abgabenfreien Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize. Die Corona-Krise hat klargemacht, dass diese Stellen eine arbeitsmarktpolitische Sackgasse sind. Es ist höchste Zeit, die Sozialversicherungsfreiheit für 450-Euro-Jobs abzuschaffen“, sagt Rudi Wiggert. Nur wenn für die Beschäftigten künftig Beiträge zur Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege-und Rentenversicherung gezahlt würden, könnten sie wirksam geschützt werden. Es sei zu begrüßen, dass sich auch SPD, Grüne und Linke für eine grundlegende Reform der Minijobs einsetzten.

Bundesweit 870 000 Stellen weniger

Die nächste Bundesregierung müsse das Thema dringend anpacken. Die von der Union geforderte Anhebung der Verdienstgrenze auf 550 Euro sei hingegen der falsche Weg und würde die prekäre Beschäftigung ausbauen, statt sie einzudämmen, warnt die IG BAU.Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung sind im Zuge der Corona-Pandemie bundesweit 870 000 Minijobs verloren gegangen.

Studie bietet Lösungen an

Die Autoren der Studie plädieren dafür, solche Stellen in die Sozialversicherungspflicht einzubeziehen und gleichzeitig niedrige Einkommen deutlich geringer zu besteuern. Damit könnten bis zum Jahr 2030 knapp 170 000 zusätzliche Teilzeit-Jobs entstehen.

Lesen Sie auch:

Lockdown: Prignitzer Gaststätten-Mitarbeiter in Not

Von MAZonline