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Perleberg Prignitzer Grüne finden historische Relikte beim Müllsammeln
Lokales Prignitz Perleberg Prignitzer Grüne finden historische Relikte beim Müllsammeln
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00:24 03.06.2019
Stefan Kunzemann, Helmut Adamaschek und Wolfgang Herms (v.l.) Quelle: Kerstin Beck
Perleberg

Manchmal nimmt man sich etwas vor, und dann kommt es nachher ganz anders, als man es sich vorgenommen hat. So passiert am Ostermontag.

„An diesem Tag – schließlich gilt dieser als „Earth day“ und „Tag der Artenvielfalt“ – wollten wir als Bündnis 90/Grünen-Kreisverband Prignitz auch einmal zeigen, dass wir uns wirklich für den Erhalt der Umwelt engagieren“, erzählte Architekt und Grünen-Mitglied Stefan Kunzemann vor wenigen Tagen.

Erster Antrieb war das Umweltbewusstsein

„Wir wollten am Perleberger Stadtrand in der Nähe der „Neuen Mühle“ an einem Graben nahe der Stepenitz Müll sammeln und damit etwas für eine saubere Umgebung tun.“

Makaber: Links neben einem großen urnenartigen Gefäß ist ein kleiner Sarg abgebildet. Quelle: Kerstin Beck

Auch die Stadt habe geholfen und einen Container gestellt. Doch was als politische Aktion startete, wurde eine ganz andere. „Wir holten Zeugen der Perleberger Alltagskultur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert aus dem Graben“, so Kunzemann.

Der Spaß nahm zu mit jedem spannenden Fund

Damit hatte natürlich niemand gerechnet. Statt Steine und Bauschutt aller Art brachten die Aufräumwilligen ganze Flaschen, Scherben aus Glas und Porzellan, ein merkwürdiges Metallobjekt, ein noch merkwürdigeres aus Porzellan sowie flache, glasierte Gegenstände ans Tageslicht. „Da fing es dann an, richtig Spaß zu machen“, berichtete Kunzemann weiter.

Dieser biedermeierzeitliche Truhenbeschlag zeigt ein eingepunztes Sonnenrad. Quelle: Kerstin Beck

Inzwischen wurden die Gegenstände sorgfältig gereinigt und einer genauen Inspektion unterzogen. Dabei stellte sich heraus, dass die Männer einen Querschnitt durch die einstige Perleberger Lebenswelt gefunden hatten: eine Apotheker- und eine Parfümflasche, eine „Bouteille“ aus der guten alten Zeit, in der es noch kein Pressglas gab, Reste von Schnapsgläsern, wozu auch das Unterteil eines gläsernen „Schuhes“ gehörte - der einst „auf ex“ ausgetrunken werden musste, um als „ganzer Kerl“ zu gelten.

Beschlag aus der Biedermeierzeit

Die flachen glasierten Gegenstände erwiesen sich als neogotische Ofenreste, das „merkwürdige Porzellanteil“ als alte Sicherung, die es verdient hat, einen musealen Platz einzunehmen, und das metallene Objekt wurde von den beiden Betrachtern, Helmut Adamaschek und Wolfgang Herms, schon einmal richtig als „Beschlag“ identifiziert.

Wer aus dieser Schale aß, mußte einfach Glück haben - das Dekor besteht aus vierblättrigen Kleeblättern. Quelle: Kerstin Beck

Stefan Kunzemann wusste es jedoch noch besser: „Das ist ein Beschlag von einer Truhe, und er stammt aus der Biedermeierzeit. Typisch dafür ist die Form des kupfernen Beschlages, und dazu gehörten noch ein Kastenschloss und ein großer Schlüssel.“ Diese waren natürlich nicht mit dabei.

Makabres Design

Ein gelbes Glasstück wurde als Art-déco-Aschenbecher erkannt und ein farbloses als Rest einer „Glücks-Glasschale“ - sie zeigt ein Dekor aus vierblättrigen Kleeblättern. Und ein viereckiger Stein, den jeder andere weggeworfen hätte, wurde vom Kunstgeschichtler exakt eingestuft: „Das ist Bernburger Kalkstein, der war um 1900 für Pflasterungen sehr beliebt.“

Für die einen nur Scherben - aber für die anderen, die darin "lesen" können, sind es wertvolle kulturhistorische Relikte. Quelle: Kerstin Beck

Und dann gab es noch eine blaue Keramikscherbe, die aber kein Zwiebelmuster zeigt, sondern eher etwas Makabres: Neben einem urnenartigen Gefäß ist ein Sarg abgebildet. Das gab natürlich Anlass zu Spekulationen, die damit endeten: „Nach einer Beerdigung hat man doch sicherlich nicht die Trauerfeier mit solchem Geschirr ausgerichtet – daraus hätte doch niemand gegessen!“

Klar ist aber eines: Der Architekt will die Funde zukünftig, „wenn das Haus fertig ist“ in der Perleberger Wollweberstraße 8 präsentieren. „Ich würde mich freuen, wenn ich Schülern das hier zeigen und nahebringen könnte – und auch, dass wir Verantwortung für unsere Umwelt haben. Schließlich kann man daran erkennen, wie weit der Mensch damit gekommen ist, seine Umwelt mit Müll zu durchsetzen“. Aber schon jetzt sind die Funde zu besichtigen: im dortigen Tagungsraum des „Bündnis 90/Die Grünen“-Kreisverbandes.

Von Kerstin Beck

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