Seddiner Ei: Familie Primann hält die Hühner im Mobil
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Seddiner Ei: Familie Primann hält die Hühner im Mobil

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11:25 20.11.2021
Familiensache: Jennifer, Hannes, Helene und Knut Primann bieten Hühnern ein artgerechtes Zuhause in Seddin.
Familiensache: Jennifer, Hannes, Helene und Knut Primann bieten Hühnern ein artgerechtes Zuhause in Seddin. Quelle: Foto: privat
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Seddin

Das Auto muss draußen bleiben. Bis unter die Decke stapeln sich die braunen Pappen in der Garage, wo sonst der Pkw parkt. Noch original-verpackt und auf Vorrat gekauft. „Solange es noch welche gibt“, sagt Knut Primann mit einem leicht verzweifelten Lächeln im Gesicht. Die steigenden Preise für Kartonagen machen auch vor Hühnerhaltern nicht halt.

Das Seddiner Ei: Ein regionales Produkt aus der Prignitz

Das Seddiner Ei ist binnen kurzer Zeit zu einem Markenzeichen geworden. Und mit ihm die Art der Hühnerhaltung, für die Primann zum Vorreiter in der Prignitz geworden ist. Das Federvieh hat hier das große Los gezogen und wohnt seit Sommer 2020 in einem ehemaligen Lkw-Aufleger, der zur Premium-Unterkunft umgebaut wurde.

Unterkunft mit Auslauf: das Hühnermobil auf der Wiese zwischen Seddin und Wolfshagen. Quelle: Stephanie Fedders

Genauer gesagt sind es mittlerweile zwei Hühnermobile, die auf der Fläche am Ortsausgang von Seddin in Richtung Wolfshagen stehen. Knut Primann hat vor einem Jahr expandiert, um der Nachfrage nach weißen, braunen und grünen Eiern aus dem Groß Pankower Ortsteil gerecht zu werden.

Nun steht also neben Mobil „Hannes“ noch das Mobil „Helene“, beide benannt nach Primanns Kindern. Bis nach Nordfriesland an die schleswig-holsteinische Westküste ist Knut Primann gefahren, um den Aufleger abzuholen und dann die Einrichtung selbst einzubauen. Sitzstangen, Nester, die Luke für den Auslauf und natürlich die so wichtige Astro-Uhr, die je nach Sonnenauf- und -untergang die Auslaufzeiten festlegt.

Familie Primann hat für das Seddiner Ei jetzt zwei Hühnermobile

Nachdem am Anfang noch alle Tiere unter einem Dach gewohnt haben, gehen sie mittlerweile getrennte Wege. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nicht jede Rasse mit der anderen gleich gut kann. Jetzt leben die Grünleger und die Marane zusammen, weil „die sich gut vertragen“, hat Primann festgestellt. Und die Haushühner aus der Familie Lohmann braun bleiben besser unter sich.

Insgesamt sind es jetzt 900 Zweibeiner, die die Produktion am Laufen halten. „Damit haben wir die Größe erreicht, die wir haben wollten“, erzählt Knut Primann, der sich auf seine ganze Familie verlassen kann, wenn es etwas zu tun gibt.

Und das ist regelmäßig der Fall, denn jeden Nachmittag müssen die Eier eingesammelt und verpackt werden. Alles in Handarbeit in der EU-zertifizierten Packstelle auf dem eigenen Grundstück in Seddin. Bis in den späten Abend hinein werden die kleinen Körbchen und die Zehner-Kartons mit dem markanten grünen Aufkleber und dem roten Schriftzug „Seddiner Ei“ gefüllt. Dabei packen alle mit an, Knut Primanns Vater, Ehefrau Jennifer und die beiden Kinder.

900 Hühner produzieren die Eier aus Seddin

Montags, mittwochs und freitags erfolgt die Auslieferung. Dann geht es nach Bad Wilsnack in die Bio-Fleischerei von Christoph Sonnenberg, der in Grube artgerecht Schweine züchtet, zum Edeka-Markt von Jens Bockelmann in Wittenberge oder zu den Gastgebern in der Prignitz, die den Urlaubern regionale Produkte anbieten.

Im Hagebaumarkt in Perleberg steht die Regio-Box mit Produkten aus Seddin. Quelle: Stephanie Fedders

Ziemlich neu ist das Angebot im Hagebaumarkt in Perleberg. Hier steht im Eingangsbereich ein Automat, bestückt nicht nur mit den Eiern, sondern auch mit Gulasch oder Hühnerfrikassee und dem selbst gemachten Eierlikör aus Seddin.

Seit einiger Zeit fällt auch der kleine Unterstand am Bahnhof von Groß Pankow auf. Was sehr erfolgreich seit einigen Jahren direkt in der Dorfmitte von Seddin funktioniert, möchte Knut Primann auch an der viel befahrenen Bundesstraße 189 als Service anbieten: Selbstbedienung rund um die Uhr mit einer so genannten Kasse des Vertrauens.

Das Seddiner Ei steht auch in Hotels in der Prignitz auf der Speisenkarte

Eier gegen Geld – was so selbstverständlich klingt, ruft leider auch die Zeitgenossen auf den Plan, die das Vertrauen missbrauchen. Vor allem an den Wochenenden musste Knut Primann schon mehrfach die böse Erfahrung machen, dass sich Langfinger mit einem Vorrat an Eiern eindecken und dafür nicht bezahlen. „Dann wird alles leergeräumt, ein Trauerspiel ist das“, ärgert sich Knut Primann.

Umso schöner sind dafür die Erlebnisse, die ihn die Kunden bescheren, die es zu schätzen wissen, wie die Hühner auf der Wiese zwischen Seddin und Wolfshagen leben. Umgeben von genügend Grün und frei in ihrer Entscheidung, ob sie sich nun drinnen im Mobil oder draußen aufhalten. Und wenn dann noch die Rückmeldung aus den Prignitzer Hotels kommt, dass den Gästen die Eier gekocht oder gebraten sehr gut geschmeckt haben, dann wissen Knut Primann und seine Familie, dass sie alles richtig machen.

Und dafür kann das Auto auch mal eine Weile draußen bleiben.

Von Stephanie Fedders

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