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Perleberg Seltener Käsespeicher in Hoppenrade gerettet
Lokales Prignitz Perleberg Seltener Käsespeicher in Hoppenrade gerettet
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00:23 23.05.2019
Alt und in Brandenburg sehr selten: Der Hoppenrader Käsespeicher. Quelle: Landkreis Prignitz/Gordon Thalmann
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Hoppenrade

Es ist ein besonderes Projekt für ein besonderes Objekt: In Hoppenrade wird ein ehemaliger Käsespeicher vor dem Verfall gerettet und an einem anderen Ort wieder aufgebaut. Beides hat in Brandenburg Seltenheitswert.

Fachleute dachten zuerst an einen Taubenturm

Dem großen Interesse der Projektpartner ist es zu verdanken, dass der Turm erhalten bleibt und überhaupt als solcher wahrgenommen wird. Im Sommer 2017 rückte das Gebäude, das am Rande der großen Gutsanlage liegt, in den Fokus der Fachleute. Dass der zweigeschossige, turmartige Bau in einem bedenklichen Zustand war, blieb unzweifelhaft. Nur seine Nutzung gab zunächst Rätsel auf.

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Heike Zellmer, Gordon Thalmann und Bernd Henning (von links) suchen einen neuen Standort für den Hoppenrader Käseturm. Quelle: Stephanie Fedders

„Wir waren der Meinung, dass es sich um einen Taubenturm handelt“, erinnert sich Gordon Thalmann vom Sachbereich Denkmalschutz beim Landkreis. Gemeinsam mit Bernd Henning, dem Leiter der Jugendbauhütte Brandenburg/Berlin, traute Thalmann der ersten Einschätzung nicht wirklich und recherchierte in einschlägigen Publikationen.

Schnell wurde den beiden klar, dass entscheidende Merkmale für einen Taubenturm fehlten und die Öffnungen zwischen den vertikal eingebauten Hölzern im oberen Bereich keine Einflugschneisen sein konnten. Bernd Henning machte dann einen Käseturm in Neuholland (Oberhavel) ausfindig, der baulich große Ähnlichkeit aufwies.

Das Rätsel war gelöst. Auch der Standort sprach für die Nutzung als Trockenturm, lag doch früher gleich um die Ecke die Schäferei des Gutes, wo der Käse wahrscheinlich produziert wurde.

Käsespeicher soll am Eingang zum Gut einen neuen Platz bekommen

Mit der Bestimmung war klar, dass es sich bei dem Bau aus den Anfangsjahren des Gutes um etwas Besonderes handelt. Der Turm habe Seltenheitswert, unterstreicht Gordon Thalmann.

So etwas sei in Brandenburg heute kaum noch erhalten. Einziger Nachteil. Der Fleck, auf dem er 1831 errichtet wurde. „Hier nimmt ihn niemand mehr wahr“, sagt Thalmann und nahm Gespräche auf, um den Turm aus seinem Schattendasein zu befreien.

Am Eingang zur Gutsanlage an der Hoppenrader Kastanienallee soll der Käseturm neu aufgebaut werden. Quelle: Stephanie Fedders

Die Idee, den Speicher umzusetzen und vor der Einfahrt zur Gutsanlage neu aufzubauen, musste Thalmann mit dem Landesdenkmalamt abstimmen. „Normalerweise sind Denkmale standortgebunden“, erläutert Thalmann. Es komme nicht oft, vor, dass sie umgesetzt – der Fachbegriff heißt transloziert – werden. Hier gab es aber grünes Licht, da der Turm auf dem Gelände bleibt und zudem detailgetreu wieder aufgebaut werden soll.

Das wird Aufgabe der Jugendbauhütte sein. Gordon Thalmann und Bernd Henning trafen sich diese Tage mit Heike Zellmer aus der Verwaltung in Hoppenrade und loteten den neuen Standort aus. Neben der Zufahrt zum Gutshof soll er auf einem Fundament aus Feldsteinen neu errichtet werden.

Unmittelbar an der Kastanienallee bekommt der Turm dann die Aufmerksamkeit, die er verdient und könne eine neue Nutzung als Infopunkt für Urlauber erhalten. „Die Christophorus-Schule hat zudem angeboten, eine Patenschaft für den Turm und das Umfeld zu übernehmen“, freut sich Zellmer.

Restaurierung in der Jugendbauhütte in reiner Handarbeit

Vor einem Jahr wurde der Turm abgebaut, das Dach aus Biberschwänzen und die Ziegel eingelagert, die Hölzer in die Werkstatt der Jugendbauhütte nach Heiligengrabe gebracht.

Unter der Prämisse, so viel wie möglich vom originalen Eichenholz zu erhalten, machten sich die Nachwuchs-Handwerker ans Werk. Mit Werkzeugen wie Stechbeitel, Klöpfel und Fuchsschwanz, die auch schon 1832 zum Einsatz kamen, wurde das Material bearbeitet – „alles in Handarbeit“, wie Bernd Henning betont.

Drei Jahrgänge waren mit dem Käsespeicher beschäftigt. Alles junge Leute im Alter von 16 bis 26 Jahren, die in der Jugendbauhütte ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren.

Zum 675. Geburtstag Hoppenrades, der am 10. August gefeiert werden soll, wird das fast sechs Meter hohe Gebäude noch nicht stehen. Bernd Henning plant den Wiederaufbau im Herbst, Oktober sei realistisch. Bis dahin sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Und Hoppenrade ist um eine Attraktion reicher.

Von Stephanie Fedders