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Perleberg Warum Therapeuten jetzt aufs Fahrrad steigen
Lokales Prignitz Perleberg Warum Therapeuten jetzt aufs Fahrrad steigen
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00:24 07.06.2019
Anni Paap (l.) und Rieke Guhl nehmen an der Sternfahrt von "Therapeuten am Limit" teil. Während für Anni die Fahrt in Perleberg endete, stieg Rieke hier auf das Rad in Richtung Friesack. Quelle: Bernd Atzenroth
Perleberg

Eigentlich hat sie selbst viel Werbung für diesen Tag gemacht: Doch nun fährt Rieke Guhl allein von Perleberg aus weiter gen Friesack auf ihrer „Tour de Spahn 2019“. Dahinter verbirgt sich eine Sternfahrt von verschiedenen Orten aus von Mitstreitern der Aktion „Therapeuten am Limit“, die am vergangenen Mittwoch begonnen hat und am kommenden Donnerstag in Berlin vor dem Bundesgesundheitsministerium enden soll.

Die gebürtige Perlebergerin Rieke Guhl ist 26 Jahre alt und seit fünf Jahren Ergotherapeutin in Hamburg. Unter den Teilnehmern befinden sich nicht nur Therapeutinnen und Therapeuten aller Art, sondern auch Schüler in Ausbildung zu einem solchen Beruf.

„Enorme Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit“

Warum gerade die Auszubildenden diesmal dabei sind, hat einen guten Grund: Noch immer gibt es keine bundeseinheitliche Lösung in der Frage des Schulgeldes für die Ausbildung. „Einige wenige Schüler bekommen eine Ausbildungsvergütung, während am anderen Ende Schüler monatlich mehrere hundert Euro monatlich bezahlen müssen“, erklärt Rieke Guhl.

Das stelle eine enorme Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit dar. „Dieser Umstand führt zu massiver Verunsicherung und wird den jetzt schon spürbaren Fachkräftemangel verschärfen, statt entgegenzuwirken.“

Die Ausbildungsinhalte sind demzufolge zudem noch immer auf einem Stand, der nicht als aktuell gilt.

Altersarmut, fehlende Anerkennung, geringes Gehalt

Die von Heiko Schneider initiierte Aktion „Therapeuten am Limit“ sorgte schon im vergangenen Jahr für Aufsehen, und Rieke Guhl trug sie auch damals schon in ihre Heimatstadt. Und obwohl der Protest der Heilmittelerbringer (Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Podologie, Diätassistenten, Masseure) noch 2018 in ein Gesetz mündete, das die Probleme der Therapeuten lösen helfen soll, sind auch sie wieder mit dabei.

Begründung: Zwar seien die im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vereinbarten bundeseinheitlichen Preise ein erster Schritt, um die geringe Vergütung durch die Krankenkassen bundesweit anzugleichen. Sie führten aber noch nicht dazu, dass Therapeuten nicht in die Altersarmut abgleiten. Zudem verlassen Therapeuten frühzeitig den Beruf „auf Grund fehlender Anerkennung und einem Gehalt, von dem die Kolleginnen und Kollegen kaum leben können“.

„Die Patienten müssen ja versorgt werden.“

Eine Erklärung für die Abwesenheit der anderen an diesem Tag in Perleberg hat Rieke Guhl aber auch: „Ich mache das in meinem Urlaub.“ Wer keinen Urlaub hat, der hat auf der Arbeit genug zu tun: „Die Patienten müssen ja versorgt werden.“ Insofern ist dies auch ein Kommentar zur Situation, gegen die sich der Protest wendet.

Immerhin eine andere Radlerin ist da: Anni Paap war am Vortag aus Schwerin in die Rolandstadt gekommen. In der mecklenburgischen Landeshauptstadt hatte es immerhin eine Kundgebung vor dem Schweriner Schloss mit 150 Teilnehmern geben. 50 Schüler fuhren dann bis Ludwigslust mit, Anni Paap dann weiter bis Perleberg.

Alle zusammen auf den letzten 30 Kilometern

Auf die 64 Kilometer bis Friesack macht sich Rieke Guhl nun aber alleine. Dort immerhin wartet ein weiterer Mitstreiter, mit dem sie dann gen Potsdam weiterradeln will.

Anderswo ist die Beteiligung an der Aktion größer: „Einer ist in Frankfurt am Main losgefahren. Und der ist mit 27 Schülern die ganze Tour gefahren.“

Die letzten 30 Kilometer von Potsdam aus bis zum Bundesministerium für Gesundheit in Berlin wollen die Teilnehmer der Tour dann zusammen radeln, und vor dem Ministerium werden am Donnerstag weitere Unterstützer für eine Abschlusskundgebung warten.

Von Bernd Atzenroth

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