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Perleberg Gedenken an die Toten in Sükow
Lokales Prignitz Perleberg Gedenken an die Toten in Sükow
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00:21 28.11.2018
Pfarrer Peter Radziwill las am Samstag in der Sükower Kirche über Kriegsopfer, das Schweigen und die Stille. Quelle: Kerstin Beck
Sükow

Auch wenn es hier und dort bereits ein bisschen nach Advent aussieht und die Weihnachtmärkte sich rüsten: Die Adventszeit ist noch nicht da.

Erst musste noch der letzte Sonntag im evangelischen Kirchenjahr begangen werden: der Ewigkeitssonntag. Dazu gab es am Samstagnachmittag eine musikalische Lesung in der Sükower Kirche. Eine Lesung mit literarischen Facetten und musikalischen Besonderheiten.

Feierlicher Vortrag zum Ewigkeitssonntag

Gekommen war dazu Pfarrer Peter Radziwill aus Perleberg, der im Pfarrsprengel Karstädt-Land pfarramtliche Aufgaben umsetzt. Zu diesen gehörte der feierliche Vortrag, den der Geistliche den Anwesenden sowohl angesichts des kirchlichen Feiertages, als auch zum Gedenken an das 100. Jubiläum des 1. Weltkrieg-Endes hielt.

„Ein Jahr ist vergangen“, heißt es darin. „Wir denken an die Menschen, die in diesem Jahr gestorben sind. Jahre sind vergangen. Wir erinnern uns an die, die vor uns gelebt haben.

100 Jahre sind vergangen. Wir denken an all die Opfer, die der Krieg, der damals zu Ende ging, gefordert hat: Die Kinder, die ihren Vater verloren haben. Die Ehefrauen, deren Mann nicht zurück kam. Die Mütter, deren Söhne ums Leben kamen. Die Männer, die getötet wurden, oder verletzt an Leib und Seele. Ein Jahr ist vergangen. Und alles ist wie immer. Menschen sterben im hohen Alter oder viel zu früh.“

Bilder von namenlosen Grabsteinen

Und über die „viel zu frühen“ wurden auch Bilder gezeigt – nein, keine grauenhaften Fotos von Umgekommenen, sondern von einem friedlich gestalteten kleinen Soldatenfriedhof mit namenlosen Grabsteinen, irgendwo in Frankreich.

Per Zufall hatte der Pfarrer den Beamer auf eine Wand gerichtet, an der seit etwa einer Woche die kürzlich restaurierte Ehrentafel der Gefallenen des 1. Weltkrieges hängt. Angesichts des Weltkriegs-Jubiläum hatte der Gemeindekirchenrat besagte Tafel, die lange Zeit in einer Ecke der Kirche ein fast vergessenes Dasein fristete, wieder zu neuen Ehren bringen lassen.

Und da passierte etwas Merkwürdiges: Beide „Bilder“ verschmolzen sichtbar zu einer Ebene - so, als ob die Grabsteine nun die Namen der Sükower, die in Wirklichkeit vielleicht irgendwo als „unbekannte Soldaten“ ruhen, bekamen.

Erschrocken über den Hass

„Das ging richtig unter die Haut“, berichtete dazu später eine Anwesende. Und von den Ortsansässigen war dazu noch zu erfahren, dass es auch noch Nachkommen von den an der Tafel angeführten Kriegsopfern gibt.

Was konnte Peter Radziwill dazu noch sagen? „Immer wieder sind wir erschrocken. Erschrocken auch über den Hass in unserer Mitte, manchmal gerade auf die, die dem Trauma des Kriegs entflohen sind. Gott, hast Du Deine Menschen vergessen? Wir kommen zu Dir mit unserer Sehnsucht nach Frieden. Gott, uns bewegt so vieles. Wir können nur noch schweigen.“

Hoffnung zum Schluss

Aber die Stille währte nur kurz, denn die Orgel schwieg nicht. Denn angereist war zur musikalischen Seite des Gedenkens die Lenzener Kirchenmusikerin Oana Maria Bran. Die Organistin spielte zu diesen besinnlichen Themen nicht etwa altbekannte Weisen, sondern intonierte in einem Orgel-Trio eigene Variationen zu den Motiven Präambulum, Gedenken und Meditation.

Zuletzt sprach der Geistliche dann von der Hoffnung.

„Hoffnung gibt es gegen alle Schrecken der Welt, denn keine Partei hat eine neue Welt im Blick, das hat nur der, der glaubt. Wir können der neuen Welt einen Weg bahnen, mit Hoffnung auf Frieden über alle Zeit hinweg.“

Und nun kann endlich eine hoffnungsvolle Adventszeit kommen.

Von Kerstin Beck

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