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Prignitz Ein Beispiel gelebter Versöhnung
Lokales Prignitz Ein Beispiel gelebter Versöhnung
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15:19 24.06.2014
Die deutsch-französische Schülergruppe vor dem Eingangsportal der Gedenkstätte bei Verdun. Quelle: Privat
Perleberg

"Wir haben uns richtig gut verstanden", schwärmt Eva Schmarzinski von den Tagen in Frankreich. Und auch Lea Jungsthöfel bekommt leuchtende Augen, wenn sie von den langen Abenden erzählt, an denen sie mit den Franzosen zusammengesessen haben. "Sie sind sehr sportinteressiert. Die Jungen spielen Rugby und meine Freundin tanzt Hip-Hop."

Vier besondere Tage erlebten 14 Neuntklässler des Perleberger Gottfried-Arnold-Gymnasiums mit 13 Zehntklässlern ihrer französischen Partnerschule, dem Lycée Antoine Bourdelle. Der Anlass der Begegnung war ein nachdenklicher: Vor einem Jahrhundert begann der Erste Weltkrieg. Für die Schüler aus Perleberg und dem südfranzösischen Montauban sollte dieser wahnsinnige Krieg mehr als bloßer Unterrichtsstoff sein. Das Geschehen vor 100Jahren, das die ganze Welt erschütterte und veränderte, gab Anstoß zu einem breit angelegten Projekt mit dem krönenden Abschluss eines Treffens auf den Schlachtfeldern bei Verdun.

"Das muss man gesehen haben", sagt Lea Jungsthöfel. "Man kann sich das gar nicht vorstellen, wie das im Krieg ist." Im Beinhaus sahen die deutschen und französischen Schüler durch kleine Fenster auf die Gebeine der Gefallenen. "Das ist schlimm, wie viele Menschen im Krieg gestorben sind", sagt Lea. Im Beinhaus sahen die Schüler auch einen Film mit Szenen über das furchtbare Kampfgeschehen. Doch der Film zeigt auch, dass das die Vergangenheit ist. Der versöhnende Händedruck des französischen Präsidenten Francois Mitterrand mit Bundeskanzler Helmut Kohl 1984 über den Gräbern ist dafür ein Symbol.

Wer war schuld an diesem grauenhaften Krieg? Doch diese Frage schnitten die Schüler nicht an. "Ich glaube, die Deutschen und Franzosen hatten kaum Kontakt. So konnten sie denken, die anderen sind total schlimme Menschen, die ganz anders sind als sie selbst", sagt Lea. In einen Berg bei Verdun gruben Deutsche und Franzosen lauter Tunnel, um sich gegenseitig in die Luft zu sprengen, berichtet Eva. In den Tunneln sind die Soldaten jedoch gelegentlich aufeinandergetroffen. Franzosen bekamen zum ersten Mal einen Deutschen zu Gesicht und Deutsche zum ersten Mal einen Franzosen. "Sie haben gesehen, dass die Feinde ganz normale Menschen sind." Wichtig war es den beiden Lehrern Christian Waldmann und Genevieve Bardou, den Initiatoren des ungewöhnlichen Projektes, dass sich die Schüler intensiv auf die Begegnung vorbereiten. Deutsche wie französische Schüler gestalteten Ausstellungen und Vorträge. Waren damals eigentlich alle kriegsversessen? Gab es niemanden, der das Schreckliche kommen sah? Sie fanden heraus, es gab diese Mahner auf beiden Seiten: Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Kurt Tucholsky in Deutschland, in Frankreich war es vor allem Jean Jaurés, der für eine Verständigung mit Deutschland eintrat und deshalb 1914 ermordet wurde. Ebenso wie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zog er den Hass der Nationalisten auf sich, erfuhren die Schüler aus den Vorträgen.

Einen Tag lang heftete sich ein japanisches Fernsehteam an die Fersen der deutsch-französischen Schülergruppe, folgte ihr zu den Gedenkstätten auf den Schlachtfeldern. Die Filmleute sahen hier ein Beispiel für Versöhnung, aus dem auch Japaner und Koreaner lernen können. Das französische Erziehungsministerium verlieh der Schülerbegegnung ein "Gütezeichen" und zeichnete das Projekt als besonders förderwürdig aus. Eine solche Unterstützung hätten sich die Schüler des Gottfried-Arnold-Gymnasiums auch von offizieller Seite in Deutschland gewünscht. Nur durch eine Förderung aus der Region (Sparkasse, Volksbank, Stadt Perleberg, Glatfelter Falkenhagen, Lutz Lange, Volksbund Deutsche Kriegsgräber Brandenburg) ist der Austausch möglich geworden.

Auch ein Tag in Paris gehörte dazu. "Das war nicht die übliche Stadtbesichtigung", erzählen die Schülerinnen. Vor der Kathedrale von Notre Dame verließen sie den Bus, um sich später am Place de la Concorde wieder einzufinden. Eva und Lisa sei es gelungen, richtig viel zu sehen - natürlich auch den Eiffelturm und den Triumphbogen. Die Berichte der Frankreichfahrer müssen etwas Ansteckendes haben. Schon jetzt haben sich viele Schüler für die nächste Frankreich-Fahrt im November angemeldet. Gemeinsame Erlebnisse sind wohl die beste Antwort auf einen wahnsinnigen Krieg.

Von Michael Beeskow

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