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Prignitz Plötzlich Amtsdirektor
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14:55 14.06.2014
Torsten Jacob. Quelle: Michael Beeskow
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Lenzen

Wie damals vor 18 Jahren, als er in Lenzen die gerade geschaffene Stelle des Werkleiters unter der damaligen Bürgermeisterin Dagmar Ziegler antrat. An der TU Dresden hatte er Forstwirtschaft studiert und nach Referendariat und dem großen Staatsexamen die Befähigung, in die höhere Beamtenlaufbahn einzusteigen. „Ich wollte nicht in den Landesdienst, ich wollte in der Prignitz bleiben.“ Torsten Jacob, der 1966 in einem kleinen Ort bei Weimar geboren wurde, schlug seit 1984 Wurzeln in der Prignitz – nachdem er seine Lysann, seine heutige Ehefrau, hier kennengelernt hatte.

Doch nicht nur Persönliches gab den Ausschlag, sich gegen die Beamtenlaufbahn und für Lenzen zu entscheiden. Denn die neue Aufgabe als Leiter des Stadtbetriebs hatte es in sich. Es ging bei Weitem nicht nur um Winterdienst und Pflege des städtischen Grüns. Es ging um die Privatisierung der städtischen Wohnungswirtschaft, des Campingplatzes am Rudower See. Er war für die Badeanstalt zuständig ebenso wie für das Museum und die Bibliothek. „Was kann sich die Stadt noch leisten?“ Und auch auf die Frage, welche Leistungen noch vorzuhalten sind, wenn der Bedarf nicht mehr da ist, hatte er Antworten zu finden. Die Bibliothek betreibt heute ein Verein im Ortsteil Eldenburg erfolgreich als Tauschbbibliothek weiter, das Museum wird mit Unterstützung der Stadt vom Trägerverbund der Burg Lenzen fortgeführt. Die Vielfalt seiner Aufgaben und die damit verbundenen Erfahrungen haben den Bad Wilsnack/Weisener Amtsaussschuss derart überzeugt, dass er Torsten Jacob mit überwältigender Mehrheit in der vorigen Woche zum Amtsdirektor wählte – mit acht von zehn Stimmen.

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In all die ehrlichen Glückwünsche der Lenzener zu seiner Wahl mischt sich ein Bedauern, dass sie Torsten Jacob nun verlieren. Getreu seinem Motto „Hauptsache, man macht mit und bringt sich ein“ ist der Thüringer schon lange tief verwurzelt in der Region, auch aufgrund seiner Vielseitigkeit. Bei den Löcknitztaler Musikanten mischt er seit 20 Jahren mit, er gehört zum kleinen, aber feinen Ensemble der Parforcehornbläser Elbetal-Lenzen. Eine künstlerische Ader beweist er überdies, wenn er mit der Motorsäge Holzplastiken gestaltet. Der Lenzener Karnevalsclub konnte ebenso wie der Laaslicher – Torsten Jacob wohnt im benachbarten Lenzersilge – stets mit seiner Unterstützung rechnen, die Kirchengemeinde nicht minder.

„Ich hätte mich nicht überall beworben“, sagt Torsten Jacob. Dazu ist der Vater zweier erwachsener Kinder der Elbtalaue zu sehr verbunden: Die Ämter Lenzen und Bad Wilsnack/Weisen sind sich ähnlich. Es geht um die Entwicklung des Tourismus, die Unterhaltung des Elbradwegs, um den Hochwasserschutz, die Menschen, die in dieser Region auch in der Zukunft ihre Identität finden sollen. „Nachhaltigkeit“, sagt Torsten Jacob, „gilt nicht nur für die Forstwirtschaft.“

Dieses Denken ist auch sehr gut auf die Verwaltung der Kommunen anzuwenden. Nicht auf das schnelle Geld komme es an, Fördermittel für beleuchtete Schafswiesen. „Wir müssen mittelfristig denken“, sagt Torsten Jacob. Sorgsam mit dem umgehen, was wir haben. Er denkt etwa an den Lenzener Stadtforst, den er so übergeben wird, dass noch die nächsten Generationen davon etwas haben.

Von Michael Beeskow

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