Prignitz: Helle (Groß Pankow) ist geeigneter Standort für Atommüll
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Prignitz Helle (Groß Pankow) kommt als Endlager für Atommüll in Frage
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Prignitz: Helle (Groß Pankow) ist geeigneter Standort für Atommüll

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15:45 28.09.2020
Helle könnte ein möglicher Ort für ein Endlager von Atommüll werden.
Helle könnte ein möglicher Ort für ein Endlager von Atommüll werden. Quelle: Julia Redepenning
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Die Suche nach einem geeigneten Standort für Atommüll geht in die nächste und entscheidende Phase. Am Montag wurden während einer Pressekonferenz mögliche Teilgebiete benannt, die nach intensiven geologischen Untersuchungen seitens der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) als geeignet gelten. Darunter befindet sich ein Teilgebiet im Landkreis Prignitz.

Helle in Groß Pankow ist mögliches Teilgebiet

Laut der Bundesgesellschaft für Endlagerung kommt der Ort Helle in der Gemeinde Groß Pankow als mögliches Endlager für Atommüll infrage. Das bestätigt wenig später auch ein Sprecher der BGE auf MAZ-Anfrage. „Das Gebiet in der Prignitz gilt aktuell als geeignet“, sagt er. Das Gebiet, um das es geht, umfasst laut BGE eine Gesamtfläche vom zehn Quadratkilometern.

Wredenhagen ist raus

Der Standort Wredenhagen sei laut Aussagen des Pressesprecher aus dem Rennen: „Dieses Gebiet ist auf unserer Karte grau markiert,“ erklärt er, „und ist somit nach genauer Prüfung als ungeeignet eingestuft worden.“

Neben Helle sind auch Gebiete in Ostprignitz-Ruppin in der engeren Auswahl, etwa Flecken Zechlin, Netzeband und Wulkow. Friesack (Havelland) sei ebenfalls ein geeignet Kandidat. „Noch ist nichts entschieden“, erklärt Steffen Kanitz, BGE-Geschäftsführung und für die Standortauswahl zuständig.

Steffen Kanitz Quelle: BGE

Lesen Sie selbst: Wie findet man den idealen Standort für ein Atommüllendlager?

Bürger können Fragen stellen

Jetzt seien die Bürger gefragt, die in der Nähe von ausgewählten Standorten leben. In einer „Fachkonferenz Teilgebiete“ können sie Experten alle wichtigen Fragen. „Jetzt freuen wir uns auf die Diskussion mit den Bürgern und der Fachöffentlichkeit über unsere Ergebnisse, unsere Methoden zur Anwendung der Kriterien des Standortauswahlgesetzes und die Arbeit an neuen Aufgaben mit unserem engagierten Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern“ , heißt es von Kanitz.

90 Teilgebiete in fast ganz Deutschland benannt

Alle wichtigen Informationen sowie eine Karte mit allen Teilgebieten sind auf der Internetseite der Bundesbusgesellschaft für Endlagerung zu finden. Die BGE hat 90 Teilgebiete mit einer Gesamtfläche von gut 240.000 Quadratkilometer ermittelt. Da sich diese teilweise überlagern, ist die Gesamtfläche auf der ehemals weißen Deutschlandkarte aber kleiner: Rund 194.000 Quadratkilometer oder rund 54 Prozent der Landesfläche.

„Die Chance, in Deutschland den Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle zu finden, der Sicherheit für eine Million Jahre bietet, steht sehr gut. Das zeigen die 90 Teilgebiete überall im Land“, sagt Stefan Studt, Vorsitzender der Geschäftsführung der BGE.

Als Teilgebiete gelten jene, die eine günstige geologische Gesamtsituation für die Lagerung hochradioaktiver Abfälle erwarten lassen. Es gibt sehr kleine Teilgebiete, beispielsweise Salzstöcke, aber auch sehr große Teilgebiete, beispielsweise große Tonformationen, die sich über mehrere Landkreise oder auch Bundesländergrenzen hinweg erstrecken können.

Gorleben ist ebenfalls aus dem Rennen

Manche Teilgebiete sehen auf der geografischen Karte aus wie eine Inselgruppe. Dort könnte eine Störungszone eine Wirtsgesteinseinheit im Untergrund unterbrechen, oder in einem Teil der Formation kann eine Mindestanforderung nicht erfüllt sein, in anderen Teilen der Formation dagegen schon.

Der Salzstock Gorleben ist nach Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien des Standortauswahlgesetzes kein Teilgebiet geworden. Damit greift die Regelung Standortauswahlgesetz, wonach der Salzstock Gorleben aus dem Verfahren ausgeschlossen wird. Der Salzstock Gorleben wird daher bei den weiteren Arbeiten der BGE zu den Vorschlägen über die Standortregionen nicht betrachtet.

Von Julia Redepenning