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Prignitz Viel Leerstand in Prignitzer Kleingärten
Lokales Prignitz Viel Leerstand in Prignitzer Kleingärten
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00:31 19.02.2015
Viele Kleingärten in der Prignitz stehen leer. Quelle: dpa
Wittenberge

Sich den lieben langen Tag in der Sonne ahlen und nur den blauen Himmel über sich – dieses Bild vom Kleingärtner trifft schon lange nicht mehr zu, wenn es überhaupt einmal zutraf. Die Sorgenfalten auf den Gesichtern der Gartenfreunde zeichnen sich immer tiefer ab: Von Jahr zu Jahr wächst der Leerstand in den Vereinen. Für 2014 meldet der Kreisverband der Gartenfreunde ein neues Hoch. 821 Kleingärten werden nicht mehr bewirtschaftet. Jeder fünfte Gartenparzelle im Landkreis ist demnach verwaist. Statistisch gesehen sind es genau 22,12 Prozent. Die Unterschiede sind allerdings groß: Während in Wittenberge der Leerstand 24 Prozent beträgt, sind es in Pritzwalk knapp zehn Prozent.

„Das ist unser größtes Problem“, erklärt Kreisvorsitzender Jörg Swierczinski. Und eine Lösung für dieses Probleme ist nicht in Sicht. Daran haben auch die Hilferufe nichts geändert, mit denen sich der Kreisverband seit geraumer Zeit an die Öffentlichkeit wendet. Erstmals im August 2013 wiesen die Kleingärtner nachdrücklich auf den zunehmden Leerstand hin, mitten in der Feierlichkeiten zu 125 Jahre Kleinkartenwesen in Wittenberge. Fernsehen, Rundfunk, viel Politprominz und auch der Bundesvorsitzende des Verbandes nahmen die Sorgen auf. Doch passiert ist seitdem nichts nichts. Denn die Not mit dem Leerstand kennen Berliner Gartenfreunde nicht oder noch nicht. „Wir sind die Vorreiter“, vermutet Jörg Swierzinski.

Ein Verein musste bereits aufgeben

Weil es nicht mehr weiter ging, auch finanziell, musste bereits der Karstädter Gartenverein „Waldhöhe“ aufgeben. Für den Rückbau beziehungsweise die Renaturierung eines Kleingartens sind etwa 3000 Euro nötig. Im Prinzip müsste der Pächter, der seine Parzelle aufgibt und keinen Nachnutzer findet, die Gartenlaube selbst zerlegen und entsorgen. Das ist die Theorie. Die meisten Gärten werden aus Altersgründen verlassen. Ein 70- oder 80-Jähriger mit einer schmalen Rente kann die Kosten aber kaum tragen. Mitunter verschwinden Kleingärter aber auch, und niemand weiß, wohin es sie verschlagen hat. Der Gartenverein bleibt auf den Kosten sitzen, nicht nur für den Abriss. Auch für leerstehende Gärten müssen Pachtzins und Umlagem wie für die Straßenreinigung gezahlt werden. Die Mitglieder einer Sparte müssen Mehrkosten gemeinsam schultern. Der Kreisverband hat inzwischen einen einen Renaturierungsfond gebildet, aus dem er Vereine beim Rückbau unterstützt. Doch die Mittel sind begrenzt. Zusammen mit der Landlichen Erwachsenenbildung (LEB) wurde eine Maßnahme zum Rückbau von Lauben entwickelt. „Doch nun findet sich keiner der die Sachen abfährt“, berichtet Jörg Swierczinski. Vieles, was da liegt gilt als Sondermüll, zum Beispiel Asbest-Platten.

Erst jüngst wies Jörg Swierczinski im Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss des Landkreisedie auf die Probleme der Gartenfreunde hin. „Der Kreis könnte bei den Entsorgungskosten einen Nachlass gewähren“, hofft Jörg Swierczinski. Bei den Städten Pritzwalk und Wittenberge fanden die Gartenfreunde Gehör. Der Pachtzins für leerstehende Gärten wird den Vereinen erlassen. Doch dies gilt nur für kommunale Fläche. Von den 148 Hektar Kleingartenfläche im Kreis sind jedoch nur 85 Hektar in kommunalen Eigentum.

Für Renaturierung fehlt das Geld

340 Gärten konnte der Kreisverband bislang renaturieren. Der Bedarf ist weitaus größer. Für 189 weiter zur Renaturierung vorgesehene Gärten fehlt das Geld. Der Kreisverband hofft hier auf ein Gemeinschaftsprojekt mit Kyritzer Kleingärtner, das über das Leader-programm gefördert werden könnte.

Hoffnungen verbinden sich auch mit dem Bau der A14. In Wittenberge wurde bereits die Anlage „Wiesengrund“ geschlossen, der „Karlhorstweg“ soll noch folgen. Die Renaturierung einzelner Gärten als Ausgleichsmaßnahme für den Autobahnbau oder auch kreislicher Maßnahmen ist kaum möglich. Private Landeigentümer lehnen dies zudem ab, weil nach der Renaturierung die Flächen für 25 Jahre nicht bebaut werden dürfen.

Das Bundeskleingartengesetz schiebt mancher Möglichkeit einen Riegel vor. Kleingärten sind eben Kleingärten und keine Wochenendgrundstücke. Als das Fernsehen über den Leerstand in Wittenberge berichtete, meldeten sich Berliner, die gerne einen Garten übernommen hätten. Aber nach dem Kleingartengesetz darf die Laube einschließlich Terrasse nicht größer als 24 Quadratmeter sein, und übernachten ist offiziell auch nicht gestattet. Die Vereine müssen zudem aufpassen, dass der Leerstand nicht zu groß wird. Laut Kleingartengesetzt muss ein drittel der Fläche kleingärtnerisch genutzt werden. Ansonsten entfällt der günstige Pachtzins von 4,1 Cent Jahrespacht auf den Quadratmeter.

Dass das Kleingartenwesen ausstirbt, glaubt Jörg Swierczinski dennoch nicht. Es gibt Anlagen ohne einen einzigen freien Garten und er hat auch mehr junge Familien mit Kindern gesichtet. Lichtblicke sind auch der mit der Albert-Schweitzer-Schule in Wittenberge vereinbarte Schulgarten sowie die für die in Perleberg und Karstädt für die Tafel bewirtschafteten Gärten. 180 Gärten hofft der Kreisverband wieder vergeben zu können.

Von Michael Beeskow

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