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Pritzwalk City-Konzerte vor 40 Jahren in Pritzwalk? Das Rätsel bleibt ohne endgültige Aufklärung
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10:20 05.02.2020
Am Ende des Konzerts: Das Quintett verabschiedet sich und bedankt sich bei seinem Publikum. Quelle: Bernd Atzenroth
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Pritzwalk

Haben sie nun schon vor Jahrzehnten in Pritzwalk gastiert oder nicht? Nachdem Toni Krahl, Sänger von City, beim Konzert Ende Januar gesagt hatte, dass die Band wohl zum ersten Mal in Pritzwalk sei, meldeten sich bei der MAZ eine Vielzahl von Leserinnen und Lesern, die sich sehr wohl an einen Auftritt der berühmten Band erinnern.

Diskussion schon in der Konzertpause

Schon in der Konzertpause hatten sich offenbar einige Pritzwalker über Krahls Äußerung gewundert, wie uns der Wittstocker Enrico Remter berichtet: „Ich konnte von anderen Konzertbesuchern in der Pause hören, dass sie sich an ein Konzert in Pritzwalk erinnern, wo die Band mit einem großen Gong aufgetreten ist. Wann genau, das wussten sie auch nicht mehr.“

Nachdem Bernhard Schwierz als erster der MAZ von einem Konzert im damaligen Jugendklubraum, heute Pritzwalker Hof, berichtet hatte, das nach seiner Erinnerung 1978 stattgefunden haben musste, startete die MAZ einen Aufruf und wollte wissen, ob sich weitere Leserinnen und Lesern an dergleichen erinnern. Und siehe da, viele meldeten sich.

Ute Sperling glaubt, dass es sogar zwei Konzerte waren

„Es ist zwar schon lange her, aber ich glaube sogar, dass City in den 70-er Jahren zwei Konzerte in Pritz­walk gegeben hat“, schreibt zum Beispiel Ute Sperling, „eines davon muss vor 1978 gegeben worden sein. Denn mein Sohn ist 1978 geboren und ich meine, das Konzert von City vorher besucht zu haben. Unter anderem wurde hier auch ’Am Fenster’ gespielt, welches mit Zugaben vom Publikum gefordert wurde. Ich befand mich damals auf der rechten oberen Galerie mit direktem Blick auf die Bühne.“

Der "Teufelsgeiger" prägt mit seinem Spiel den Stil von "City": Georgi Joro Gogow ist seit 1974 dabei und brilliert heute wie eh und je. Quelle: Bernd Atzenroth

Auch die Pritzwalkerin Katrin Hesse erinnert sich an ein Konzert im Jugendklubraum, kann aber kaum glauben, dass das schon 1978 oder gar früher gewesen sein soll. 1978 war sie elf Jahre alt. „Ich bin dagewesen, aber ich wusste nicht, dass ich damals noch so jung war“, sagte sie. „Später wäre ich aber auf keinen Fall hingegangen“, fuhr sie dann aber fort – sie hörte später einfach andere Musik.

Musikfan Siegfried Kulling und der Auftritt auf dem Trappenberg

Die vielen Äußerungen laufen darauf hinaus, dass es tatsächlich zwei Konzerte gegeben haben könnte, eins in besagtem Jugendklubraum, ein weiteres auf der Freilichtbühne am Trappenberg. Arndt Fritze aus Steffenshagen zum Beispiel schrieb uns: „Hallo, ich war da noch recht jung, aber City hat auch schon vor dem Konzert im Jugendclubhaus in Pritzwalk gespielt – ich glaube ein Jahr davor auf dem Trappenberg.“

Siegfried Kulling erinnert sich wiederum an ein Konzert auf dem Trappenberg im Jahr 1980. „An der Gitarre stand ausnahmsweise Gisbert Piatkowski genannt Pitti, von der Gruppe ’Magdeburg’“, weiß Kulling noch, der damals sowohl Deep Purple als auch Ostrock gehört hat.

„Ich war selber vor Ort, in der dritten Reihe“, berichtet er, „es war ein Sonntag im Sommer, damals war Fußball-EM.“ Kulling erinnert sich daran, dass die Band den Song „Der Libero“ gespielt hat und hinterher signierte Fußbälle ins Publikum schoss.

Ronald Müller kann sich an kein City-Konzert erinnern

Ronald Müller hat aber an all diesen Äußerungen seine Zweifel. Er war seit etwa 1975 im Jugendklub und machte in besagtem Raum von 1976 bis 1981 auch Disco. „Viele Jugendtanzveranstaltungen wurden durchgeführt und die Discowelle hatte auch nicht vor der DDR haltgemacht.“ Er habe jeden Mittwoch von 19 bis 22 Uhr aufgelegt, am Samstag dann beim Jugendtanz mit beliebten Bands und am Sonntag von 15 bis 19 Uhr auch für die etwas Jüngeren.

In immer unterschiedliches Licht getunkt präsentierten die Pioniere des Ostrocks ihre Hits und andere Songs. Als Gastmusiker war am Schlagzeug Nicolaj Gogow für den erkrankten Klaus Selmke dabei. Quelle: Bernd Atzenroth

Er kann sich an viele Konzerte im Jugendklubraum erinnern, an ’Mevoc’ aus Lübtheen, ’Percussion’ aus Glienicke, ’Express’ aus Berlin, ’Zenit’, ’Klosterbrüder’ aus Magdeburg und viele andere Bands – an ein City-Konzert in diesem Zeitraum aber nicht. Und er betont, dass er gute Erinnerungen an diese Zeit hat. „Gerade das Jahr 1980 war für mich sehr einprägsam“, sagt er.

„Wie sollte man an die herankommen?“

Er hat zudem zwei weitere gute Gründe für seine Argumentation. „Von 1977 an war City eine Berufsband – wie sollte man an die herankommen? Damals wollte sie jeder haben.“

Und auf dem Trappenberg gab es Probleme mit dem Stromanschlüssen, was für eine richtige Profiband auch kompliziert geworden wäre. 1983 organisierte er dort noch ein Konzert mit der Band „Berluc“, wo solche Probleme noch auftauchten.

Notiz von einem Konzert am 16. Mai 1980

Ob sich mancher in der Erinnerung möglicherweise mit dem Jahr getäuscht hat und dies die ganz unterschiedlichen Äußerungen erklärt? Hilmar Pohl ist sich jedenfalls hundertprozentig sicher: Er hat noch eine Notiz, nach der City am 16. Mai 1980 in Pritzwalk gespielt haben. „Veranstaltungsort war das damalige Jugendklubhaus. Die Gruppe trat unter dem Namen ’City Rock Band’ auf und war zu viert auf der Bühne, mit Toni Krahl, Fritz Puppel, Georgi Gogow und Klaus Selmke. Was mir damals schon aufgefallen ist, der Schlagzeuger Klaus Selmke saß ebenerdig an seinem Schlagzeug.“

Die Band weiß es einfach nicht mehr genau

Die Band selbst kann aber bei der Aufklärung des Rätsels um Pritz­walk-Konzerte nicht weiterhelfen. „Wir berufen uns immer auf einen Google-Kalender, da taucht Pritz­walk halt nicht auf“, sagt dazu Gitarrist Fritz Puppel auf MAZ-Nachfrage. Ein eigenes Konzertarchiv führt die Band nicht, und bei mehr als 5000 Konzerten in 48 Jahren verschwimmt selbst bei den Musikern manches in der Erinnerung.

In immer unterschiedliches Licht getunkt präsentierten die Pioniere des Ostrocks ihre Hits und andere Songs. Als Gastmusiker war am Schlagzeug Nicolaj Gogow für den erkrankten Klaus Selmke dabei. Quelle: Bernd Atzenroth

„Das ist schon so lange her, dass wir uns nicht an alles mehr genau erinnern“, sagt Puppel. So will er auch Toni Krahls Äußerung beim Konzert verstanden wissen: Dass die Band es einfach nicht mehr genau weiß, ob sie schon in Pritzwalk gespielt hat.

„Mehr kann man mit Musik eigentlich nicht erreichen“

Allerdings könnte es auch Verwechslungen gegeben haben, vermutet Puppel. So spielte ein Teil von „City“ auch in der Band NO55, und die hatte zum Beispiel laut Puppel ursprünglich den Song „Der Libero“ im Programm und auf der Bühne. Als der Gitarrist Pitti bei City mit spielte, war Puppel übrigens auch dabei. „Wir waren 1980/1981 eine Sechserformation“, erzählt er.

Dass aber so viele Leute sich darüber Gedanken machen und auf den MAZ-Aufruf reagiert haben, freut Fritz Puppel sehr: „Es ist toll, dass die Leute sich erinnern. Mehr kann man mit Musik eigentlich nicht erreichen.“

„Wir können kein Englisch, und die Leute da unten auch nicht“

Das liegt vielleicht daran, dass City immer mehr waren als nur eine Rockband. Noch einmal dazu die Konzerterinnerung von Ute Sperling: „Es war schon beeindruckend, zumal man von den versteckten zweideutigen Texten wusste und sie dementsprechend deuten konnte. Die Botschaften konnte man verstehen und wusste auch von den Hintergründen der Bands hierzu. Die Gruppe ’Renft’ wurde aus diesen Gründen zum Beispiel verboten.“

Was die Texte angeht, so legen City noch heute viel Wert darauf. „Wir singen auf deutsch“, sagt Fritz Puppel. Was einen einfachen Grund hatte: „Wir können kein Englisch, und die Leute da unten auch nicht.“ Und man wollte sich ja verstehen.

„Die Konzerte von dieser Tour habe ich alle im Kopf“

City sei es immer darum gegangen, die „Seelenlandschaft der Leute einzufangen“. Die Texte sollten immer etwas bedeuten und mit dem Publikum zu tun haben. Das ist heute noch einmal besonders wichtig, insbesondere bei einem neuen Song wie „Mein Land“, ein Bekenntnis dazu, Ostdeutscher zu sein, das direkt mit dem Satz beginnt: „Ich komme aus dem Land im Osten“.

Am Ende des Konzerts: Das Quintett verabschiedet sich und bedankt sich bei seinem Publikum. Quelle: Bernd Atzenroth

„Wir lauschen darauf, wie die Leute das aufnehmen“, sagt Puppel. Und weil ihm dies wichtig ist, wird er sich auch noch lange an die euphorische Reaktion auf „Mein Land“ in Pritzwalk erinnern: „Diese Konzerte von dieser Tour, die habe ich alle im Kopf.“ Diesmal also wird ihnen Pritzwalk auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben.

Von Bernd Atzenroth

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