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Pritzwalk Das vergebliche Warten auf einen Skoda
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13:36 08.10.2019
Zeitzeugnis: Halldor Lugowski zeigt die Bestellkarte für ein Auto. Die gehört jetzt der Museumsfabrik Pritzwalk. Quelle: Stephanie Fedders
Pritzwalk

Große Aufmerksamkeit für ein kleines Stück Papier. Halldor Lugowski überbrachte am Tag der Deutschen Einheit zur Eröffnung der Ausstellung „Wendezeiten“ nicht nur Grußworte als stellvertretender Bürgermeister der Stadt Pritzwalk. Er hatte auch eine Überraschung dabei.

Post vom VEB „Betrieb Magdeburg“ aus Pritzwalk

Die zahlreichen Besucher staunten nicht schlecht, als Lugowski nach vielen Fakten zur Situation in der Dömnitzstadt in den aufregenden Monaten rund um den Fall der Mauer eine Postkarte hoch hielt, die mit einer besonderen Erinnerung an das Leben in der DDR verbunden ist: Das lange Warten auf ein Auto.

Auch der Besuch aus Pritzwalks Partnerstadt Winsen/Luhe schaute sich interessiert die Auto-Bestellkarte an. Quelle: Stephanie Fedders

Nachname, Vorname und der Ort – mehr brauchte es nicht, damit den jungen Mann aus Groß Woltersdorf die Nachricht erreichte. Abgesendet aus der Karl-Marx-Straße in Pritzwalk. Unterschrieben mit „Lüdemann“, dem Leiter des VEB „Vertrieb Magdeburg“.

Was Lugowski dann in seinem Briefkasten fand, war die Bestellkarte für ein Auto. Datiert auf den 7. April 1981. Bestätigt wurde die Anfrage für einen Skoda 120 LS. Der sollte es sein.

Das erste Auto war ein P 70

Doch zunächst war Geduld gefragt. „Man kam ja erst mal auf eine Warteliste“, erinnert sich Pritzwalks Bauamtsleiter, der damals Anfang 20 war. Der „werte Kunde“, so die Ansprache auf der Postkarte, bekam einen Dank zugesandt, verbunden mit einer ganzen Reihe von Spiegelstrichen, hinter denen sich wichtige Hinweise verbargen.

Die Bestellung sei nur eine Vormerkung, aus der sich keine Ansprüche ableiten lassen. Veränderungen der Wohnanschrift seien schriftlich mitzuteilen, sonst erlischt die Bestellung. Und in begründeten Ausnahmefällen könne eine einmalige Rückstellung bis zu einem Jahr vereinbart werden.

Halldor Lugowski überbrückte die lange Zeit der Ungewissheit und übernahm sein erstes Auto vom Vater: Ein P 70, gebaut im VEB Automobilwerk in Zwickau. Der neue Besitzer erinnert sich noch gut an die Besonderheiten. „Zwei Türen, aber keine Kofferraumklappe“, sagt Lugowski.

1993 hätte der Skoda ausgeliefert werden können

Während das Jahr 1989 seinen Lauf nahm und die Wende nicht mehr aufzuhalten war, erreichte Halldor Lugowski erneut eine Nachricht aus Pritzwalk. „Ich wurde gefragt, ob ich an der Bestellung noch interessiert sei“, erzählt Lugowski, der stets die Lacher auf seiner Seite hat, wenn er erzählt, wann der Skoda hätte ausgeliefert werden sollen: Im Jahr 1993.

Da war der Markt schon längst mit West-Autos überschwemmt und auch Halldor Lugowski dem Reiz der neuen Technik erlegen.

Was bleibt, ist die Bestellkarte, gut verwahrt über all die Jahre in Groß Woltersdorf und nun ein besonderer Schatz im Bestand des Museums. Dessen Leiter Lars Schladitz hat sich über das Geschenk sehr gefreut. „Wir haben aus der Zeit gar nicht so viele Stücke, die mit Pritzwalk und Umgebung in Erinnerung stehen“, sagt Schladitz. Wer den Fundus bereichern möchte, ist gern gesehen und kann sich an die Mitarbeiter wenden.

Info: Die Ausstellung „Wendezeiten“ ist noch bis zum 1. März 2020, immer dienstags bis sonntags, in der Museumsfabrik Pritzwalk zu sehen.

Von Stephanie Fedders

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