Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Pritzwalk Die Prignitz startet in die Knieperkohlsaison
Lokales Prignitz Pritzwalk Die Prignitz startet in die Knieperkohlsaison
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:22 11.11.2018
Beliebtes Fotomotiv in jedem Jahr anlässlich der Eröffnung der Knieperkohlsaison –  der Pritzwalker Knieperfuchs.
Beliebtes Fotomotiv in jedem Jahr anlässlich der Eröffnung der Knieperkohlsaison – der Pritzwalker Knieperfuchs. Quelle: Stephanie Fedders
Anzeige
Pritzwalk

Enrico Dietsch hat alles unter Kontrolle. Hier ein prüfender Blick auf die Dekoration, da ein freundlicher Plausch mit den Gästen. „Hat es geschmeckt?“, fragt er höflich und nimmt leere Teller entgegen. Seine Kollegen wirbeln zwischen Kassler und Kartoffeln, während draußen der Vorrat in der Pfanne Portion für Portion weniger wird.

Kassler mit Knieperkohl – das war am Sonnabend der Renner anlässlich der Eröffnung der Knieperkohlsaison

Für den Geschäftsführer der Neudorfer Fleischerei war die Eröffnung der Knieperkohlsaison am Sonnabend in Pritzwalk etwas Besonderes. Der Betrieb trägt erstmals die Verantwortung für Verkauf und Vertrieb des Prignitzer Regionalgerichts, nachdem Jeannine und Stefan Groth diese Aufgabe abgegeben haben. Sie bleiben aber der Produktion mit ihrem Lohnbetrieb treu, was Dietsch sehr entgegen kommt. Die Herstellung von Salami und Kohl verträgt sich nicht wirklich, hat er festgestellt.

Plätze wurden knapp

Alle Beteiligten haben am Sonnabend schnell den Hebel umgelegt. Familie Groth bringt draußen vorm Kulturhaus die letzten Gläser fertig gebackenen Knieper unters Volk und versorgt die hungrigen Gäste ansonsten mit Kartoffelsuppe und Knacker. Drinnen muss Enrico Dietsch feststellen, dass die Plätze knapp werden.

Seit sieben Uhr ist er mit seinem sieben Mann und Frau starken Team in Gange, kurz vor zehn stehen die ersten Besucher für Kohl, Kassler und Kartoffeln an. 700 Portionen wollen verkauft werden. Jetzt heißt es Geduld mitbringen, eine lange Schlange zieht sich durch den kleinen Saal des Kulturhauses. Wem noch nicht der Sinn nach Deftigem steht, lässt sich seine Portion einschweißen und genießt später zuhause.

Weihnachten wirft Schatten voraus

Die Saisoneröffnung begleiten noch andere mit ihrem Angebot. Im großen Saal herrscht Marktatmosphäre. Die Landfrauen aus Pritz­walk haben gleich drei Stände mit Handarbeiten in Beschlag. Gudrun Breit und Regina Drewitz sind fleißig am Stricken. Socken, Mützen, Babyschuhe – Weihnachten wirft seine Schatten voraus, die Produktion läuft auf vollen Touren. „Bis zum dritten Advent sind wir jedes Wochenende unterwegs“, blicken Gudrun Breit und Regina Drewitz voraus.

Alle Hände voll zu tun hatten Gudrun Breit (links) und Regina Drewitz von den Pritzwalker Landfrauen. Quelle: Stephanie Fedders

Marianne Wille ist mit ihren Spezialitäten vom Galloway-Rind aus Heiligengrabe gekommen, empfiehlt als Geheimtipp Knieper mit Beinscheiben. Und zum dritten Mal dabei ist der Bastelclub Mecklenburgische Seenplatte aus Rechlin, bei dem sich die kleinen Besucher an der Verschönerung von Holzfiguren ausprobieren können. Vorsitzender Ron Grunwald geht mit gutem Beispiel voran, wickelt Gipsbinde um Gipsbinde um einen Luftballon. Eine Weihnachtskugel zum Bepflanzen entsteht. „Wir bringen immer zehn Ideen mit“, erzählt der kreative Kopf des Vereins.

Tassen, Taschen, Aufkleber

Auch Bürgermeister Ronald Thiel mischt sich unter die Besucher. Kurzer Plausch hier, Hände schütteln da. Der Verwaltungschef hat den Knieperfuchs im Schlepptau, Werbefigur und beliebtes Fotomotiv in einem. Tierisch gut an kommen auch die neuen PR-Produkte der Stadt, die der Tourismusverein präsentiert. Tassen, Taschen und Aufkleber mit dem neuen Logo, einem Wolf, gehen weg wie warme Semmeln. „Das hat nur eine Stunde gedauert“, staunt Mitarbeiterin Katharina Weise.

Zum Auftakt der Knieperkohlsaison gab es das Gemüse auch zum Mitnehmen. Quelle: Stephanie Fedders

Stiller Beobachter des Treibens ist auch Mike Laskewitz. Er weiß um die Verantwortung des Tourismusverbandes Prignitz für die Vermarktung des Knieperkohls. „Für die Identifikation mit der Region ist das Produkt sehr wichtig“, sagt der Geschäftsführer, der sich freut, die Neudorfer als neuen Partner an seiner Seite zu haben. Auch Enrico Dietsch hat „schon ein paar Dinge im Kopf“, um das Gemüse noch bekannter zu machen. Mit der Internationalen Grünen Woche in Berlin und dem Suren-Hansen-Markt in Perleberg gibt es noch mindestens zwei gute Gelegenheiten, sich zu präsentieren. Bis Anfang März haben Knieper, Kassler und Kartoffeln noch Saison.

Von Stephanie Fedders