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Pritzwalk Die alte Wassermühle lebt im neuen Biohotel weiter
Lokales Prignitz Pritzwalk Die alte Wassermühle lebt im neuen Biohotel weiter
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17:34 31.08.2019
Malerisch: Das ist der Blick auf die Schönhagener Mühle, wenn man aus Dorf über den Mühlenweg hinab auf sie zukommt. Quelle: Bernd Atzenroth
Schönhagen

Dieses Haus atmet seine Geschichte. Ronny und Thomas Krummsdorf spüren das Tag für Tag, auch wenn heute alles neu und schick erscheint. Denn gerade ist die Schönhagener Mühle (Prignitz) nach einem Umbau wiedereröffnet und dabei vom Bistro zum Restaurant und Bio-Hotel umgebaut worden.

Fünf Jahrhunderte lang wurde hier Korn gemahlen, und seit 170 Jahren steht das Mühlengebäude, das nunmehr ein Biohotel ist. Hier ein paar Eindrücke von der Schönhagener Mühle in der Nähe von Pritzwalk.

Die Geschicke der Mühle stehen und fallen mit dem Wasser der Dömnitz. „Wasser spielt eine extreme Rolle“, sagt Thomas Krummsdorf, „das Gebäude lebt von den wechselnden Wasserständen.“ Er merkt es heute vor allem im Keller, aber auch am ständigen Grundrauschen des plätschernden Wassers.

„Das Haus ist auch durch eine wechselvolle Geschichte gegangen“, sagt seine Frau Ronny, die vor gut zwei Jahren hier hingezogen ist und seitdem hier mit ihrem Mann lebt, „es sind schon so viele Menschen hier gewesen, die hier mal gewohnt haben.“

Die alten Unterkünfte, aber auch Lagerräume sind nun zu Wellness- und Erholungsoasen inmitten des malerischen Dorfes bei Pritzwalk geworden. Auch für das Ehepaar Krummsdorf selbst, das die Beschaulichkeit dieses Orts liebt. In der Wohnung spürt man genauso wie im Restauranttrakt: Bei aller Modernität wurde die historische Optik bewahrt.

500 Jahre lang wurde hier Korn gemahlen – bis zur Bodenreform

Mehr als fünf Jahrhunderte war hier Korn gemahlen worden, als 1945 der Betrieb eingestellt werden musste und der Besitz im Zuge der Bodenreform enteignet wurde. Von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis ins 18. Jahrhundert stand die Mühle unter der Herrschaft der von Platen zu Mesendorf, später unter der Pritzwalks, als eine von 15 mit Wasserkraft betriebenen Mühlen im Umfeld der Stadt.

Haben in Schölnhagen ihr Glück gefunden: Ronny und Thomas Krummsdorf. Quelle: Bernd Atzenroth

Nach den Stein-Hardenbergschen Reformen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte der damalige Besitzer, Christoph J. Heinrich Gumtau, die Mühle als Eigentümer erwerben und betreiben.

Der „Müllerstuhl“ in der Kirche erinnert an die Bedeutung der Müller

Die Schönhagener Müller genossen großes Ansehen. In der Dorfkirche hatten sie eine Bank für sich – der reich verzierte „Müllerstuhl“ ist heute noch dort zu besichtigen. Die Bauern jedoch, die durch den Mahlzwang des Mühlherren an eine bestimmte Mühle gebunden waren, hatten eine etwas kritischere Sicht: Sie zweifelten oft am Scheffelmaß des Müllers, der ihre Mehlsäcke füllte.

1947 starb der letzte Schönhagener Müller Otto Mosolff – danach waren auch das Mühlrad und der Mühlteich bald Vergangenheit. Auch der Lauf der Dömnitz veränderte sich: Das Mühlrad befand sich etwa dort, wo gerade der neue Eingang zum Biohotel errichtet worden ist – direkt neben dem Nachbargrundstück. Die Dömnitz umfließt das Gebäude heute exakt auf der anderen Seite.

Bei der 66. Immobilie passte alles

Das große Haus, das man heute als Schönhagener Mühle kennt, wurde im Jahr 1848 errichtet. So lange ist es noch gar nicht her, dass es von Gras völlig überwuchert war. Im Sommer 2005 war das, Thomas Krummsdorf hatte das Gebäude gerade für sich entdeckt. „Die Nummer 66 war’s“, sagt er. Er hatte nach einem Haus gesucht, irgendwo zwischen Hamburg, Berlin und Deutschlands Nordosten. Seine Dachbegrünungsfirma Fairplant hatte er in Stralsund gegründet.

„Wir haben aber viel in Berlin gearbeitet“, erzählt er, „und Hamburg wurde genauso wichtig.“ Also brauchte er einen Standort etwa auf halber Strecke und machte sich auf die Suche nach einer Immobilie nahe des Autobahnkreuzes Wittstock. Bei der 66. Immobilie passte alles. Thomas Krummsdorf erwarb sie von der Stadt Pritzwalk. Auch wenn ihm klar war: Hier gibt es viel zu tun.

Viele Jahre war die Mühle nicht bewohnt gewesen, der Garten war verwildert. Daran war das Wasser schuld: Nach dem verheerenden Hochwasser von 1993 hatten die Mieter wegen großer Feuchtigkeitsschäden ausziehen müssen.

Der freitragende Balkon über der Dömnitz ist eine besondere Attraktion in der Mühle. Quelle: Bernd Atzenroth

Von 1999 an wurde es in einem Projekt zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit innen und außen renoviert, ohne dass eine weitere Nutzung in Aussicht stand. Für Krummsdorf war das aber ein Glück. Wäre das Haus in dem Zustand vor dem Hochwasser gewesen, „dann wären wir nicht hier geblieben“.

Thomas Krummsdorf erfüllt sich einen Traum

Gäste der Mühle lieben den Platz über dem Fluss, einen freischwebenden Balkon, den Krummsdorf errichten ließ, als er sich 2014 einen Traum erfüllte und hier ein kleines, aber feines Bistro neben seiner Dachbegrünungsfirma eröffnete.

Nach und nach wurde die Anlage erweitert: Auf der gegenüber liegenden Straßenseite sind in einem alten Stall Unterkünfte für Gäste entstanden; davor befindet sich ein Parkplatz. Der Garten ist wunderschön gepflegt, fast wie ein kleiner Landschaftspark.

Umbau zum zertifizierten Biohotel

Nun ist das Ehepaar Krummsdorf noch einen großen Schritt weitergegangen: Es verzichtete für den Umbau zum zertifizierten Biohotel – im Landkreis Prignitz gibt es ansonsten nur die ziemlich weit entfernte Burg Lenzen – weitgehend auf die Frühjahrs- und Sommersaison, hat nun aber bis über Weihnachten geöffnet und macht nur noch eine kurze Winterpause.

Es ist also ein neues Kapitel aufgeschlagen in der Geschichte der Mühle. Und das ist konsequent, wie Ronny Krummsdorf findet: „Das Haus kann mit Ruhe nichts anfangen – es hat förmlich danach geschrien, belebt zu werden.“

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Von Bernd Atzenroth

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