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Pritzwalk Üben ohne Nervenflattern: So läuft eine Fahrstunde im Simulator
Lokales Prignitz Pritzwalk Üben ohne Nervenflattern: So läuft eine Fahrstunde im Simulator
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19:16 18.10.2019
Auf dem Weg zum Führerschein: Paul nimmt seine ersten Fahrstunden am Simulator, bevor er mit dem Auto durch Pritzwalk fährt. Quelle: Julia Redepenning
Pritzwalk

Rechts ist das Gas, links die Kupplung und nicht den Schulterblick vergessen. Wer ein Auto fahren möchte, muss im Vorfeld sein Können unter Beweis stellen. Die klassische Ausbildung erfolgt mit einem Pkw auf der Straße. In der Fahrschule Kinitz in Pritzwalk können Schüler ihre ersten Fahrstunden aber mit Hilfe eines Simulators absolvieren. Autofahren ohne Auto, geht das?

Erste Fahrversuche im Simulator

Paul ist Schüler und war bei der theoretischen Prüfung erfolgreich. Nun darf er hinters Steuer. Allerdings nur im Simulator. Das Gerät verhält sich wie ein echtes Auto, das auf der Straße unterwegs ist. Einsteigen, den Sitz in die richtige Position bringen, Zündung betätigen und los geht’s! Ob anfahren, kuppeln oder rückwärts fahren, alles ist möglich.

Vor Beginn seiner Einheit hält Paul sein Smartphone gegen eine Kamera, die an einem der Monitore vor ihm angebracht ist. Auf dem Bildschirm ist ein QR-Code sichtbar. Kurz darauf startet das Programm und die Fahrstunde kann beginnen. Eine Computerstimme spricht zu ihm: „Heute steht das Kurvenfahren auf dem Plan“, erklärt sie.

Die Anmeldung funktioniert ganz einfach mit einer App. Quelle: Julia Redepenning

Das falsche Auto klingt echt

Nun drückt Paul einen Knopf und der Simulator startet. Es klingt wie in einem echten Auto. Im Anschluss wird ihm erklärt, was zu beachten ist: „Folge der grünen Linie und reduziere deine Geschwindigkeit vor der Kurve.“

Dann tritt er die Kupplung. Legt den ersten Gang ein. Wie im echten Leben auf der Straße und nach erfolgreicher Suche des Schleifpunktes scheint Paul sich zu bewegen.

Auf den Bildschirmen passiert etwas. Es wirkt, als wäre er in einem Videospiel unterwegs. Vor der Kurve meldet sich die Stimme erneut: „Schaue in den Innenspiegel, dann in den Außenspiegel, blinke und fahre langsam.“ Dem Simulator entgeht nichts. „Du hast vergessen zu blinken“, ermahnt sie plötzlich. Paul bleibt cool.

Ein Missgeschick hat hier keine Folgen

Mandy Blumenthal ist für die Fahrstunden und das Coaching am Simulator zuständig. Sie ist hautnah dabei, wenn die Fahranfänger erste Erfahrungen mit der Technik machen. „Dieses Gerät ist wirklich toll. Gerade für Schüler die Angst haben, ist der Simulator perfekt“, sagt sie. Passiert ein Missgeschick, hat das keine Folgen.

Der Simulator mit dem Namen „Degener 360 Grad Simdrive“ fährt ohne Benzin und hat sich in den letzten Monaten sehr bewährt. Seit etwas über einem Jahr steht er in der Pritzwalker Fahrschule. „Am Anfang wurde er schlecht angenommen, aber jetzt ist er ein tolles Übungsobjekt“, sagt Blumenthal. Immer mehr Fahrschüler beginnen ihre Ausbildung auf diesem Gerät. „Er verschafft viel Sicherheit, was später auf der Straße wichtig ist“, fügt sie hinzu.

Der Simulator sieht fast alles

Das System ist so konzipiert, dass Fahranfänger nach kurzer Einweisung praktisch selbstständig agieren, während ihr Verhalten direkt vom System überwacht und kommentiert wird. Fehlerhaftes Verhalten berichtigt der Simulator umgehend. „Wenn zum Beispiel der Schulterblick vergessen wird, meldet sich der Computer und weist den Fahrer darauf hin“, erklärte Mandy Blumenthal.

Die kleine Kamera behält alles im Blick. Fehlt zum Beispiel der Schulterblick, wird dies sofort dem Fahrschüler angesagt und angezeigt. Quelle: Julia Redepenning

Natürlich ist die Technik nicht immer zu 100 Prozent korrekt. „Manchmal reicht der Blick nach hinten nicht aus und es wird als Fehler gesehen.“ Aber im Großen und Ganzen laufe das System einwandfrei und reibungslos.

Angst vor der Blamage

Nach erfolgreichem Abschluss aller Lerneinheiten steigen die Fahrschüler dann auf das echte Auto um. „Gerade für die, die vorher noch überhaupt keinen Kontakt mit einem Fahrzeug hatten, ist der Simulator ein tolles Übungsgerät“, sagt Mandy Blumenthal. Die Angst, sich zu blamieren, spielt oft eine große Rolle.

Ganz entspannt können grundlegende Routinen für die Fahrzeugbedienung geübt werden. Das spart Zeit und Aufregung im Fahrschulwagen – und verhindert unnötige Gefahren im Straßenverkehr. Nach 90 Minuten steigt Paul aus dem imaginären Wagen. Wieder ist er seiner Prüfung ein Stückchen näher gekommen. Und der Simulator ist zufrieden: „Du hast das Modul erfolgreich beendet.“

Von Julia Redepenning

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