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Pritzwalk Gänzlich unbekleidet durch die Prignitzer Natur
Lokales Prignitz Pritzwalk Gänzlich unbekleidet durch die Prignitzer Natur
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00:49 22.04.2018
Nacktwandern - bald auch in Pritzwalk?
Nacktwandern - bald auch in Pritzwalk? Quelle: Michael Otto/FKK-Museum
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Pritzwalk

Wenn dieser Plan Wirklichkeit wird, dann könnte sich Otto Normalverbraucher in absehbarer Zeit auf einem Wanderweg mit nackten Tatsachen konfrontiert sehen: Geht es nach Bernd Johannes Schaffrath, dann sollte auf dem Stadtgebiet ein Naturistenweg eingerichtet werden. Sprich: Ein Weg, auf dem man gänzlich unbekleidet wandern kann. Eine grobe Konzeption dafür hat er bereits an Bürgermeister Ronald Thiel geschickt.

„Das Nacktwandern ist ein Nischenhobby, was sich erst durch die Internetwelt gebildet hat und sich zunehmender Beliebtheit erfreut“, erklärt Schaffrath darin. Es wird auch „Nudic Walking“ genannt, quasi die nackte Form des Nordic Walking. „Immer mehr Menschen möchten die Natur im Einklang mit Körper, Seele und Geist ’pur’ erleben“, erklärt Schaffrath.

Für eine bessere Auslastung der Hotels

Schaffrath, der seit vergangenem Jahr in Pritzwalk lebt, ist Aktivist der Bewegung und weiß auf Anhieb verschiedene Beispiele für ähnliche Projekte in Deutschland aufzuzählen. Etwa im sachsen-anhaltinischen Wippra, wo es einen solchen Weg seit 2010 gibt.

Unumstritten sind sie natürlich nicht, und in Wippra gab es auch den Versuch, den Nacktwanderweg wieder zu schließen. Das sei aber nicht geschehen, weil es durch den Weg Zuwächse im Tourismus gegeben habe. Eine solche Entwicklung wäre auch für Pritzwalk sein Ziel: „Das ist eine Art, Pritzwalk als schöne Region zu präsentieren.“

Pritzwalk hat noch einen weiteren Vorteil: Die Lage zwischen Berlin und Hamburg und die vergleichsweise weite Entfernung zu anderen ähnlichen Wegen. Und: Naturisten kommen meist in Gruppen, was aus Schaffraths Sicht für eine bessere Auslastung der Hotels sorgen könnte.

„Bitte nicht ins Hainholz, das kriegen wir bei den Leuten nicht durch“

Bürgermeister Ronald Thiel hielt sich noch insofern bedeckt, als er die Idee zunächst in die Beratungen in den städtischen Ausschüssen weitergeben wollte. „Zuerst müssen sich die Stadtverordneten dazu ein Bild machen. Und wenn sie es befürworten, dann kann ich handeln.“ Gänzlich zugeknöpft gegenüber der Idee gab er sich aber nicht. Er schlug vor, dass sie auch mit allen anderen möglichen Akteuren im Hainholz gemeinsam besprochen werden sollte.

Doch ins Hainholz will Bernd Schaffrath gar nicht mit seinem Naturistenweg. „Bitte nicht ins Hainholz, das kriegen wir bei den Leuten nicht durch“, sagt er. Verwaltungstechnisch gesehen könne sich der Weg „irgendwo in Pritzwalk“ befinden. „Da wird sich wohl ein ausreichend langes Stück finden lassen, das Gebiet ist doch groß genug.“ Als Wegführung biete sich eine gering frequentierte Strecke an, die schwach besucht und etwa zehn bis 20 Kilometer lang sei. km lang ist.

Pritzwalk als europäischer Nacktwander-Treffpunkt

Nett wäre es, wenn ein See am Weg läge, findet er – was allerdings die Möglichkeiten wieder einengt. Seine Idee: Irgendwo zwischen Buchholz und Groß Woltersdorf (was aber schon zur Gemeinde Groß Pankow gehört), aber da ist er sehr offen.

Schaffrath erklärt, dass der nächste Schritt nach einer Zustimmung des Stadtparlaments es wäre, dann auf dem ausgesuchten Steckenstück das Wegerecht vom jeweiligen Grundstückseigentümer zu erhalten.

Das Hainholz käme für ihn aber bei einer weiteren Idee ins Spiel: Wenn es gelänge, Pritzwalk irgendwann zum Austragungsort einer der europaweiten Naturistenveranstaltungen zu machen – wenn an einem Tag dann vielleicht sogar 1000 Nacktwanderer und mehr an die Dömnitz kommen. Jetzt werden erstmal die Stadtverordneten ihre Ansicht dazu offenlegen müssen.

Von Bernd Atzenroth