Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Pritzwalk Grüne diskutierten über Klimawandel und Mülldeponien
Lokales Prignitz Pritzwalk Grüne diskutierten über Klimawandel und Mülldeponien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:33 11.08.2019
Lisa Badum, klimapolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, sprach in  Pritzwalk über den Klimawandel und seine Folgen. Quelle: Bernd Atzenroth
Pritzwalk

„Ist die Welt aus den Fugen?“ fragten die Grünen in Pritzwalk, und ein wenig könnte einen allein dieser Umstand das denken lassen. Denn Grüne und Pritzwalk, das ist irgendwie bislang wie ein Gegensatz in sich gewesen.

Doch an diesem Mittwochabend war es zumindest ein wenig anders, und als alles vorbei war, war Matthias Dittmer, grüner Direktkandidat für die Landtagswahl im Wahlkreis 2, mit sich und der Welt ziemlich zufrieden. Zur gefühlt ersten grünen Veranstaltung in Pritzwalk überhaupt waren immerhin 25 Leute ins Pritzwalker Museumscafé gekommen.

Es waren keineswegs nur Claqueure, so dass es mitunter auch mal eine kontroverse Diskussion gab. Und das war ganz nach Dittmers Geschmack.

„Wir erleben hier eine Entwicklung im Zeitraffer“

Nun hatte der Titel der Veranstaltung weniger mit der sich rasant verändernden politischen Landschaft zu tun, sondern bezog sich auf den Klimawandel. „Wir erleben hier eine Entwicklung im Zeitraffer. Darüber müssen wir reden“, sagte Dittmer. Dafür hatte er eine profilierte Gesprächspartnerin eingeladen: Die klimapolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Lisa Badum.

Sie wollte herausarbeiten, was die Klimakrise für die Menschen bedeutet und welche Lösung es geben kann. Die Suche beginnt bei ihr aber nicht in der Arktis, sondern vor Ort.

Das Publikum hatte ganz unterschiedliche Erwartungen

Badum hatte ihr Publikum zunächst nach seinen Erwartungen an die Veranstaltung gefragt. Während sich ein junger Mann angesichts des immer schneller abschmelzenden Eises in Arktis und Antarktis Sorgen um die Zukunft machte, hatte ein anderer wiederum Probleme mit einer möglicherweise kommenden CO2-Steuer.

Das Publikum erfuhr so auch, dass in Mesendorf ein Mitglied der Bewegung „Ende Gelände“ lebt, die vehement für den Ausstieg aus der Kohleenergie kämpft.

Landwirt Arnold Blum aus Glövzin wiederum betonte, dass er auf ökologische Produktion dann umsteigen würde, wenn dies honoriert würde. Ansonsten hatte er eine eher ambivalente Einstellung zu Lisa Badums Vortrag.

„Mit der bisherigen Klimadiplomatie kommen wir nicht weiter“

Lisa Badum aber betonte, dass es Handlungsdruck gebe, der ein entschlossenes Handeln erfordere. Die vom Weltklimarat vorgestellten Szenarien seien bislang immer übertroffen worden. „Mit der bisherigen Klimadiplomatie kommen wir nicht weiter“, sagt sie angesichts dessen, dass es bei den jüngsten Hitzewellen eine Temperaturabweichung von bis zu sechs Grad nach oben gegeben hat und extreme Wetterlagen fünfmal wahrscheinlicher geworden sind.

Auswirkungen der Klimakrise kann man in Deutschland überall beobachten. Lisa Badum hat sie auf der Zugspitze vorgefunden, wo der südliche Schneeferner-Gletscher nur noch ein Fünftel der Größe von 1950 hat, oder auf der Nordseeinsel Langeoog, wo als eine Folge die Trinkwasserversorgung gefährdet ist.

Elvira Gwozdz von der Interessensgemeinschaft Ellershagen stellte ihren nach dem Permakultur-Prinzip gestalteten Naturgarten vor. Quelle: Bernd Atzenroth

Dittmer hatte auch zwei Gäste aus der Region eingeladen, die zeigen sollten, wie Natur- und Umweltschutz vor Ort geht. Da war zum einen Elvira Gwozdz aus Ellershagen. Sie stellte ihren Naturgarten vor, den sie seit 2012 nach dem Permakultur-Verfahren auf einer 5000 Quadratmeter großen Fläche angelegt hat.

„Die Prignitz gehört zu den trockensten Regionen“

Im Garten findet man nun Obstbäume, Blühwiesen, Vogelhecken, Beerensträucher, Gemüsebeete und Blumenrabatte. Wer möchte, kann dieses Kleinod jeden ersten Dienstag im Monat ab 10 Uhr und jeden letzten Sonntag im Monat ab 10 Uhr besichtigen, und zwar bis zum 3. November.

Sie macht sich aber große Sorgen wegen der anhaltenden Trockenheit, und Lisa Badum gab ihr recht: „Die Prignitz gehört zu den trockensten Regionen in ganz Brandenburg.“

Caroline von Wolff nahm auf Einladung von Grünen-Landtagskandidat Matthias Dittmer an der Veranstaltung im Museumscafé teil und informierte über ihren Kampf gegen eine Deponie in Luggendorf. Quelle: Bernd Atzenroth

Und da war zum anderen Caroline von Wolff. Sie vertrat die Bürgerinitiative gegen eine geplante Deponie in Luggendorf, für die sie neuerdings auch Gemeindevertreterin in Groß Pankow ist.

Sie steuerte einen kenntnisreichen Vortrag über die Entsorgung von Bauschutt bei, der 54 Prozent des Abfalls ausmacht und auch auf einer künftigen Deponie in Luggendorf landen würde. Wie groß die Problematik ist, zeigt sich auch daran, dass es in Brandenburg im Moment 15 Verfahren zur Errichtung einer Deponie, im Landkreis Prignitz auch noch bei Groß Warnow.

„Eine Kiesgrube ist der letzte Platz, wo eine Deponie hingehört“

„Eine Kiesgrube ist in meinen Augen der letzte Platz, wo eine Deponie hingehört“, sagt Caroline von Wolff. Und wenn es schon Deponien geben müsste, „dann bitte in Nähe einer Bahnschiene“. Nicht so wie in Luggendorf, wo die Anlieger massiven Lkw-Verkehr befürchten.

Zum Schluss vergaß Dittmer nicht den Hinweis, dass sein eigentliches Thema die Mobilität sei. Und wohl für ihn im Moment genauso wichtig: „Ich bin nicht im Landtag, wenn ich hier nicht direkt gewählt werde.“

Von Bernd Atzenroth

Es ist in jedem Wahlkampf dasselbe: Die Materialschlacht führt zu abgerissener und sogar gezielt abmontierter Wahlwerbung. Darüber klagte jetzt zum Beispiel der AfD-Direktkandidat im Wahlkreis 2, Arnd Heymann.

09.08.2019

Die Chance auf Fördermittel für die Sanierung von Radwegen wollte sich Pritzwalk nicht entgehen lassen. Als erste von fünf Prignitzer Kommunen erhielt die Stadt am Freitag den Zuwendungsbescheid von Landrat Torsten Uhe.

09.08.2019

Eine neue Ausstellung der Künstlerin Gerhild Grolitsch widmet sich Frauen in Führungspositionen – eine Domäne, die einstmal fast ausschließlich Männern vorbehalten war. Vernissage ist am 15. August in der Dorfkirche Bölzke.

09.08.2019