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Pritzwalk Pritzwalker Gymnasiasten blicken hinter die Kulissen der Zeit
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01:15 23.05.2019
Das Werk wird signiert. Quelle: Susanne Gloger
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Pritzwalk

Zum Internationalen Museumstag am Sonntag eröffnete Museumsleiter Lars Schladitz erstmalig den partizipativen Bereich der Museumsfabrik Pritzwalk mit der Ausstellung „Panoramablick“. Sie zeigt die Arbeiten der Schüler des Seminarkurses 12 des Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasiums.

In ihrem Projekt haben die Schüler zahlreiche Facetten der künstlerischen Umsetzung miteinander Verknüpft. Das ist wirklich spannend.

„Das Projekt lebt von den Schülern und der Intensität, mit der sie sich mit Thema und Techniken auseinandersetzen“, erläutert Ines Dallmann den Besuchern. Sie hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Elke Grämer den interdisziplinären Kurs begleitet, der sich mit der Stadtgeschichte Pritzwalks beschäftigte.

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Schreckensreiche Zeit für Pritzwalk

Auf großformatigen Bannern haben die Schüler historische Ereignisse, die für die Stadt traumatisch waren, dargestellt. Dabei sind unterschiedliche Techniken zum Einsatz gekommen, Malerei, Collage, computerbasierte Darstellung von Architektur und Fotografie.

Prager Fenstersturz. Quelle: Susanne Gloger

Beginn, Verlauf und Ende des 30-jährigen Kriegs als besonders schreckensreiche Zeit für Pritzwalk zeigen Johannes Braun, Marten Neumann, Dominic Weinmüller und Maik Prestel. Die zugrundeliegenden stark vergrößerten historischen Illustrationen des Prager Fenstersturzes, des Kriegsgeschehens, eines die Kriegsmaschinerie begleitenden Trosses und schließlich die der Vertragsunterzeichnung des Westfälischen Friedens sind schwarz-weiß.

Vierteiliges Panorama von den Dimensionen des Stadtbrands

Das Ersetzen einiger Gesichter durch Portraitfotos der Schüler sowie die Collagen vereinzelter zeitgenössischer Kostüme und Accessoires in Farbe schaffen eine Verbindung vom 17. Jahrhundert zur Gegenwart, das historische Geschehen wird so individualisiert und nachvollziehbar gestaltet.

Der Stadtbrand von 1821. Quelle: Susanne Gloger

Im Hof der Museumsfabrik ist ein vierteiliges Panorama des Pritz­walker Stadtbrands 1821 aufgestellt. Gina M. Drewnick, Leah Lugowski, Leoni Riecke und Elisabeth Winterstein schildern den Abend des „31. 10. 1821“ als sorglosen Alltag. Kinder werden nach Hause gerufen, ein Paar spaziert noch um die Häuser, die Laternen brennen. Nur der Krähenschwarm am aschgrauen Himmel weist auf die unmittelbar bevorstehende Katastrophe hin.

Trostlose, rauchverhangene Szenerie

Am „1. 11. 1821“ tobt die Feuerwalze, die lichterloh brennenden Reste der schmucken Fachwerkhäuser sind als dunkle Silhouetten vor dem glutroten, mit schwarzen Rauchschwaden bedeckten Himmel zu sehen. Das ganze Ausmaß der Feuersbrunst zeigt „Trümmer“, der Blick schweift über eine trostlose, rauchverhangene Szenerie, aus den Aschebergen ragen nur vereinzelt verkohlte Balken oder Teile eines Giebels hervor. Vermag der Baum mit seinen kahlen Ästen ein wenig Hoffnung verbreiten? Kaum zu glauben, aber „Neuanfang“ zeigt tatsächlich die wiederaufgebaute Stadt unter strahlend blauem Wolkenhimmel.

Die neugebauten schmucken Häuser, nun nicht mehr giebel- sondern traufständig, haben größere Fenster und Ziegeldächer. Kinder bevölkern die ungepflasterte Straße, vom Verkehr unbehelligt, denn hier wartet nur eine einspännige Kalesche am Straßenrand.

Die Explosion vom 15. April 1945

Auch hier finden sich die Portraits der Künstlerinnen, alle Personen tragen zeitgenössische Kostüme und sind in erzählender Aktion. Die malerische Wiedergabe der Feuersbrunst und der Trümmerlandschaft ist von starkem Ausdruck und guter Beobachtungsgabe geprägt. Auch die exakte fototechnische Bearbeitung und das Arrangement der (noch existierenden) Häuser ist bemerkenswert.

I.Dallmann und T. Steinstrass: Es fing so harmlos an. Quelle: Susanne Gloger

Der Explosionskatastrophe auf dem Pritzwalker Bahnhof am 15. April 1945 widmen sich drei Panoramen in der zweiten Etage der Museumsfabrik. „Es fing so harmlos an“ von Niklas Pingel, Lucie Schmidt und Marlene Schultz zeigt eine Straßenszene mit dem alten Pritzwalker Bahnhofsgebäude in zarten Grauabstufungen.

Mit großer zeichnerischer Präzision sind die Bauten ebenso wie die Schatten perspektivisch wiedergegeben, für einen starken farbigen Akzent sorgt das Grün von Baum und Büschen, das sich in dem Automobil und der Bluse der aus dem Haus eilenden Dame widerspiegelt. Ihr Rock trägt die gleiche Farbe wie der Kübelwagen, er und die behelmten Soldaten sind der einzige Hinweis auf den zweiten Weltkrieg, von dem Pritz­walk bis dahin weitgehend verschont geblieben war.

Visionäre Darstellung

„Es fing so harmlos an“ heißt auch der Film, der an diesem Tag im Kino am Bahnhof gezeigt wurde. Bahnhof und das voll besetzte Kino sowie weite Teile der Stadt wurden vollständig zerstört als ein Munitionszug mit V 2-Waffen explodierte. Möglicherweise war der Unterhaltungsfilm auf der Litfaßsäule plakatiert, die Ton Steinstrass in den Mittelpunkt seiner visionären Darstellung des Ereignisses stellt.

Dahinter sitzt ein Mädchen verloren auf dem Absperrgitter. Hinter ihr gleißende Helligkeit, vor ihr die dampfende Lokomotive, neben ihr eine unüberschaubar große Gruppe geisterhafter Personen. Mit viel Liebe zum Detail und Mut zur Unschärfe liefert er ein bedrückendes monochromes Bild für die Unfassbarkeit der Katastrophe.

Historische und aktuelle Fotos gegenübergestellt

Auch Lars Garbe, Gina Lüdke und Carolin Schmid spielen mit „Ein anderer Blick auf den Bahnhof – historisch oder realistisch“ mit der Vorstellung. Wie könnte der Bahnhof mit dem alten Gebäude, nur als Umrisszeichnung dargestellt, in der Gegenwart, bevölkert von jungen Menschen mit modernen Zügen aussehen? Und wie der neue, auf dessen Bahnsteigen Silhouetten von Paaren aus der Jahrhundertwende und den 20er Jahren auf- und abgehen? Wieder sind verschiedene Techniken eingesetzt, wieder platzieren sich die jungen Künstlerinnen und Künstler gekonnt in der Szenerie.

Die dichtumlagerte Litfaßsäule trägt den Titel „Was ist was“. Sie zeigt Kartenausschnitte und historische und aktuelle Fotos von 13 Gebäuden Pritzwalks. Veränderungen und Kontinuitäten werden nebeneinander gereiht zum Thema zahlreicher Gespräche unter Besuchern, Erinnertes und Gehörtes aus der Stadtgeschichte wird erzählt. Eine gute Gelegenheit, sich mit Schülern über ihre Stadt auszutauschen, eine gelungene Präsentation der Arbeiten des Seminarkurses 12.

Von Susanne Gloger

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