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Pritzwalk Darum sammelt Heinz Fahner Motorsägen
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01:15 30.12.2018
Heinz Fahner aus Pritzwalk sammelt Motorsägen - hier mit einem seltenen Stück von 1930. Quelle: Kerstin Beck
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Pritzwalk

Zehn Jahre ist es nun her, da hatte Heinz Fahner ein Aha-Erlebnis, und zwar ein etwas größeres. „Da sah ich in einem Schrottcontainer drei große Motorsägen, die holte ich heraus, und damit hatte es mich gepackt“, berichtet der Pritz­walker über den Beginn seiner Sammelleidenschaft.

Heinz Fahner sammelt seit Jahren Motorsägen und hat einige schöne Stücke zusammengetragen.

Umgehen konnte der damals 59-Jährige mit den Maschinen schon lange, denn die waren bereits Teil seiner Ausbildung zum Forstwirt gewesen. Später hatte sich noch ein Studium zum Forstingenieur angeschlossen. Zwar frönte der Förster 2008 bereits einer völlig anderen Leidenschaft – dem Jagdhornblasen – doch Motorsägen mussten nun unbedingt her.

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Plötzlich waren 25 Sägen weg

„Weil ich dann auch die nötige Zeit dazu hatte, bin ich jeden Freitag bis zu 100 Kilometer in der Umgebung umhergefahren und habe nach Werkzeugen Ausschau gehalten“, berichtet der Weidmann weiter. „Und wenn ich dann so ein Gerät irgendwo stehen sah, bin ich beim Nachfragen auch oft abgeblitzt.“

Zu den sorgsam gehüteten Erstzteilen gehören auch Ketten aller Art. Quelle: Kerstin Beck

Doch die Sammelwut hatte Erfolg – bereits nach vier Monaten konnte Heinz Fahner seine Kostbarkeiten in der Hainholzer Waldschule ausstellen. Und vor vier Jahren passierte Unglaubliches: „Da gab es drei ABM-Kräfte, die meine Sägen wieder dorthin brachten. Und als am nächsten Tag, das war der 1. Mai, die Ausstellung stattfinden sollte, da waren dann in der Nacht alle 25 Geräte auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Nun hatte ich ja jedes Stück fotografiert – so fand ich etliche nachher auf einer Verkaufsplattform im Internet wieder. Doch die Polizei teilte mir dann mit, dass sie keinen Fahndungserfolg gehabt und damit die Suche nach den Dieben eingestellt hätte.“

Wenn Zeit ist, werkelt er an seinen Sammelstücken

Also musste das Sammeln weitergehen. Inzwischen besitzt der heute 69-Jährige einige Dutzend Sägen, dazu „jede Menge Zubehör und Ersatzteile, wie zum Beispiel die unterschiedlichsten Ketten“, und alles befindet sich natürlich wohl verwahrt hinter Schloss und Riegel. Sogar das Auto des Sammlers muss „draußen stehen“, denn die Garage ist ebenfalls mit Teilen aller Art voll besetzt.

Wenn es die Zeit und vor allem die Temperaturen erlauben, wird an den Werkzeugen herumgewerkelt, denn nur in seltenen Fällen sind die gebrauchten Geräte betriebsbereit. „Das kann dann aber schon sehr lange dauern, ehe man so etwas wieder zum Laufen bekommt; dazu habe ich noch einen versierten Schlosser, aber der braucht auch manchmal einen ganzen Tag zur Reparatur. Eigentlich lohnt es sich gar nicht, so etwas zu machen.“

Bläsergruppe spielte vor Erich Honecker

Aber die Sammelleidenschaft ist unerbittlich. „Wenn mir ganz seltene Stücke vorkommen, wie zum Beispiel selbstgebaute DDR-zeitliche Sägen mit einem Moped-Motor, dann muss ich einfach zugreifen“, erzählt Heinz Fahner, der eigentlich dieses Hobby ein bisschen zurückfahren möchte.

Heinz Fahner hat aber noch eine andere Leidenschaft: das Jagdhornblasen Quelle: Kerstin Beck

Denn es gibt ja noch die Pritz­walker Bläsergruppe, die der Förster vor 39 Jahren ins Leben gerufen hat. Er greift in seine Schrankwand – statt Nippes wie bei anderen Leuten liegen dort auch drei Mini-Motorsägen im Regal – und holt ein gerahmtes Bild hervor: „Das ist 1988 in Potsdam anlässlich der Feier zum 40. Jubiläum der Bodenreform aufgenommen worden. Da waren wir drei Tage. Am Sonnabend hieß es, ihr sollt vor Erich spielen. Am Sonntag hieß es, ihr seid nicht gut genug. Am Montag haben wir dann vor Erich gespielt. Da lief dann jemand von der Märkischen Volksstimme durch uns durch, das ärgerte mich. Aber am nächsten Tag waren wir groß auf der ersten Seite der Kreiszeitung – und das ist dieses Bild hier!“

Eine schöne Erinnerung, von der bestimmt am 10. August des kommenden Jahres, wenn im Hainholz mit einem großen Bläsertreffen das 40-jährige Bestehen der Gruppe gefeiert wird, zu erzählen sein wird. Und vielleicht auch mit einer großen Motorsägenausstellung.

Von Kerstin Beck

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