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Pritzwalk Im Unglück viel Hilfsbereitschaft erfahren
Lokales Prignitz Pritzwalk Im Unglück viel Hilfsbereitschaft erfahren
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18:00 09.11.2018
Sie können wieder lachen: Sandy und Michael Kobus mit Sohn Pepe im idyllischen Garten ihres abgebrannten Hauses.
Sie können wieder lachen: Sandy und Michael Kobus mit Sohn Pepe im idyllischen Garten ihres abgebrannten Hauses. Quelle: Foto: Bernd Atzenroth
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Schönhagen

Es ist ein Wechselbad der Gefühle, durch das die junge Familie Kobus derzeit gehen muss. 2018 ist das Jahr, in dem Sandy und Michael Kobus heirateten und mit ihrem Sohn in ihr eigenes Haus zogen – das nun vor zwei Wochen abgebrannt ist. „Auf einmal stand ich nur mit dem da, was ich anhatte“, erzählt Sandy Kobus. Auch wenn der erste Schock so langsam vorbei ist, so wird die Familie dieses Ereignis noch lange beschäftigen – doch genauso beeindruckend war es, wie viel Unterstützung die drei nach dem Brand bekamen.

Im Nachhinein kam heraus: Ein Balken im Inneren, der sich direkt neben dem Kaminabzugsrohr befand, muss schon tagelang geglüht haben. Als es dann etwas stürmte, entfachte der Wind schließlich das Feuer. Sandy Kobus befand sich mit ihrem Sohn im Haus, als das Feuer ausbrach. Natürlich brachte sie den kleinen Pepe zuerst in Sicherheit. Retten konnte sie aber ansonsten nur ein paar Dokumente, Ausweise und das Portemonnaie. „Mein Papa hat uns sehr unterstützt und seelischen Beistand geleistet“, erzählt Michael Kobus, „die erste Nacht haben wir bei ihm geschlafen.“

Die Feuerwehr löschte den Brand in dem Einfamilienhaus, das jetzt bis auf die Grundmauern abgetragen werden muss. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Das junge Paar hat gerade erst am 18. Mai geheiratet und war erst vor wenigen Monaten eingezogen. Ganz Schönhagen hatte über Monate zuvor verfolgen können, wie mit viel Liebe an dem Haus gewerkelt wurde. Das scheint nun alles dahin. Zwar rettete die Feuerwehr viel vom Hab und Gut, doch war auch das vergebens. „Alles ist mit Dioxin belastet“, erzählt Michael Kobus. Damit kann nichts mehr wiederverwendet werden. Mehr noch: Das ganze Haus muss bis auf die Grundmauern abgetragen werden, und dann ist unter einem provisorischen Dach eine Spezialreinigung des Geländes mit einem Ozon-Gerät erforderlich, die die Schadstoffreste beseitigen soll.

Getroffen hat das Unglück auch die Eltern von Sandy Kobus. Sie wollten eigentlich im April von Frankfurt/Oder nach Schönhagen umsiedeln und das Erdgeschoss im Haus beziehen. Nun werden sie wahrscheinlich für eine Übergangsphase in einer Mietwohnung unterkommen müssen. Zum Glück gibt es einen zeitlichen Puffer.

Aber die kleine Familie erfuhr nach dem Ereignis, dass sie in der Not ganz und gar nicht alleine ist. Denn was folgte, war eine Welle der Hilfsbereitschaft, die sie sprachlos machte. „Ich hatte da fast Schuldgefühle“, sagt Familienvater Michael Kobus, der immer noch etwas ungläubig den Kopf schüttelt, wenn er davon erzählt. „Wir sind überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft“, sagt auch seine Frau.

„Da meldeten sich Leute, die wir gar nicht kennen“

Herausragend unter alle den Hilfsbemühungen waren eine Sammelaktion in Schönhagen sowie eine weitere vom SV Sadenbeck. Dass im Ort gesammelt wurde bekam Sandy Kobus zufällig mit, freute sich dann aber umso mehr. Das war aber längst nicht alles. Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei, natürlich die eigene Familie und auch die Arbeitgeber der beiden sowie viele Freunde und Bekannte halfen und unterstützten sie, so gut sie können. Und: „Da meldeten sich Leute, die wir gar nicht kennen“, staunt die 30-Jährige, „ein Mann kam extra aus Kyritz, um uns Möbel anzubieten, nachdem er von dem Brand gelesen hatte.“

Die Familie ist allen unendlich dankbar – die Aufzählung aller Helfer an dieser Stelle ist bei weitem nicht vollzählig, der tief empfundene Dank gilt aber allen.

Schnell eine Bleibe gefunden

Ein glücklicher Umstand machte es möglich, dass die Familie sofort in eine andere Wohnung ziehen konnte. Die Schwester von Michael Kobus wollte ohnehin zu ihrem Lebensgefährten ziehen – die Familie konnte einfach ihre möblierte Mietwohnung in Pritzwalk übernehmen. Eine langfristige Lösung ist das dennoch nicht, zumal die Eheleute lieber auf dem Land leben als in der Stadt. Michael Kobus arbeitet bei einem landwirtschaftlichen Betrieb in Schönhagen – da war es naheliegend, sich dort niederzulassen.

Sohn Pepe hat das ganze Geschehen offenbar ganz gut verkraftet. „Er sagt dazu nicht viel“, meint Michael Kobus. In manchen Momenten, wenn die Familie wieder an dem abgebrannten Wohnhaus sein muss, dann äußert der Dreijährige sich gegenüber seiner Mutter: „Papa, ganz machen“, sagt der Kleine dann und klammert sich an sie.

„Es war halt genau so, wie wir das wollten“

Sein Lieblingsteddy liegt noch in der Ruine. Wie alles andere, ist er nicht mehr zu gebrauchen. Aber zum Glück war wenigstens das nicht ganz so schlimm. „Da hat er sich nicht so“, sagt seine Mutter. Überhaupt: An Spielzeug besteht kein Mangel. Lag eine ganze Spielzeug-Trecker-Armada ohnehin im Freien bei Pepes Rutsche, so hat er nun fast mehr Spielzeug denn je – nur fünf Tage nach dem Brand hatte der Kleine Geburtstag, und da gab es diesmal besonders viele Präsente. „Er wurde mit Geschenken überflutet“, erzählt Sandy Kobus. Beim Fototermin im Garten des Grundstücks zwei Wochen nach den dramatischen Ereignissen ist der Junge jedenfalls sehr fröhlich – in ihn hineinschauen kann man aber nicht.

Wenn man im Garten der Familie steht, dann begreift man auch, warum sie unbedingt wieder hierhin will: Er ist ein Idyll direkt am Ortsrand mit Blick in die weite Landschaft. Und so soll das Haus möglichst wieder genauso aufgebaut werden, wie es bislang gewesen ist. Ein paar Genehmigungen liegen dafür bereits vor, doch ist noch Einiges zu klären. „Es war halt genau so, wie wir das wollten“, erklärt der 32-Jährige Michael Kobus, „und so ein Grundstück finden wir so schnell nicht mehr.“ Die Familie hofft, dass es schon im Winter möglich ist, mit dem Wiederaufbau zu beginnen. In einem Jahr, so die Hoffnung, könnte sie wieder einziehen.

Von Bernd Atzenroth