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Pritzwalk Immer mehr junge Menschen werden Imker
Lokales Prignitz Pritzwalk Immer mehr junge Menschen werden Imker
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18:04 30.09.2019
Mandy Simon aus Sarnow besitzt eine kleine Imkerei. Ihre Bienen bringt sie auch auf Veranstaltungen mit. Quelle: Julia Redepenning
Sarnow

Mandy Simon besitzt ein Hobby, das sich wieder einer zunehmenden Beliebtheit erfreut. Sie ist Imkerin und nennt mehr als nur ein Bienenvolk ihr eigen. Aktuell sind es 45 mit Ablegern, von denen 25 sogenannte Wirtschaftsvölker sind. Neben Honig bietet sie auch andere Produkte zum Verkauf an. Im kleinen Örtchen Sarnow bei Pritzwalk ist sie fleißig dabei, sich ihren Traum zu verwirklichen. „Aktuell mache ich es nebenbei, aber es soll mehr werden“, sagt sie.

Aktuell verdient sie ihr Geld mit anderen Tätigkeiten. Hauptberuflich ist sie im Pflegedienst als Pflegehelfer angestellt und kellnert nebenbei. „Ich habe kein günstiges Hobby, möchte es aber dennoch allein schaffen“, sagt sie. Ihr Sohn, der 16 Jahre alt ist, unterstützt seine Mutter, wo er kann. Auf Veranstaltungen begleitet er sie und packt fleißig mit an.

Ihr Sohn unterstützt Mandy Simon, wo er nur kann. So auch beim Kürbisfest in Bölzke. Quelle: Julia Redepenning

Viele Verluste in den ersten zwei Jahren

Wie auch andere Kollegen, muss auch Mandy Simon sich mit Themen wie Bienensterben und -krankheiten auseinandersetzen. In den Medien wird gerade das Thema Bienensterben oft heiß diskutiert. „Ich finde das Thema wird dort gut umgesetzt“, sagt sie. Aus ihrer Sicht werden so mehr Menschen auf das Problem aufmerksam und beschäftigen sich auch damit.

„Das Thema hängt aber viel mit dem persönlichen Verlust zusammen“, erklärt sie. Auch Mandy Simon kennt die Schattenseiten genau. Gerade die ersten beiden Jahren als Imkerin waren sehr hart. „Ich hatte sehr viele Verluste und wollte sogar schon aufhören“. Doch nun ist sie zufrieden, denn sie bringt immer mehr Völker durch. Doch was der wahre Auslöser für die zahlreichen toten Insekten war, kann die Imkerin auch nur erraten. „Es könnte das falsche Futter gewesen sein, vielleicht war es auch die Milbe“, fügt sie hinzu.

Am Ende müsste mithilfe eines aufwendigen Verfahrens getestet werden, wer der Verursacher war. „Dafür musste ich die Bienen einschicken“, erklärt sie.

Dünger birgt Gefahren für Bienen

Nicht nur die Varroa-Milbe ist eine Gefahr für die sensiblen Tierchen. „Oft sprühen die Landwirte zu ungünstigen Zeiten“, erklärt Mandy Simon. Wenn um die Mittagszeit und bei Sonnenschein die Felder bearbeitet werden, sind oft auch die Bienen unterwegs, um Nektar zu sammeln. Durch Dünger oder Bewässerungsanlagen verkleben dann die Flügel, die Insekten kommen nicht mehr nach Hause und verenden. Das ist ein großes Problem, auch aus der Sicht von der Imkerin.

Doch ein viel schlimmeres Thema ist aktuell die „Amerikanische Faulbrut“. In Deutschland und Österreich ist diese Krankheit meldepflichtig. „Die Brut wird schleimig und kann sich nicht entwickeln“, beschreibt Mandy Simon den Erreger. Und ohne Brut wird es auch keine weiteren Bienen mehr geben.

Auch in der Prignitz gab es schon einen Befall. Dieser wurde im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt. Betroffen ist ein Bienenstamm in Streesow (Gemeinde Karstädt). Amtstierärztin Sabine Kramer bestätigte diesen Fall. Als Konsequenz wurde vom Landkreis Prignitz ein Sperrbezirk eingerichtet. Der Honig kann bedenkenlos weiter genossen werden, doch der Erreger befällt die Jungtiere und somit die nächste Generation.

Mehr junge Menschen entscheiden sich für die Imkerei

Neben den vielen negativen Aspekten gibt es auch einen Grund zur Freude. „Immer mehr junge Leute entscheiden sich, Imker zu werden“, sagt Mandy Simon. Die Imkerei war kurz vor dem Aussterben. Insbesondere alte Menschen gingen dem Hobby oder Beruf nach und es kam kaum Nachwuchs dazu. Nun ist es anders.

„Dadurch gibt es auch wieder mehr Bienen“, kann Mandy Simon erzählen. Auch wenn zum Teil nur wenige Völker als Hobby gehalten werden, entscheiden sich doch immer mehr, auf diesem Weg dem Aussterben der Biene entgegenzuwirken.

Blühstreifen sind eine gute Idee, jedoch kein ausgereiftes Konzept

„Ich begrüße die Entwicklung und finde, es ist ein interessantes Thema“, sagt sie. Gerade in den Großstädten sind Blühstreifen eine tolle Idee. Jedoch auf dem Land, also auch in der Prignitz, sollte dieses Konzept noch einmal überdacht werden. „Jetzt beginnt die Phacelia zu blühen“. Eine tolle violette Farbe verwandelt die Felder und Feldränder in eine tolle Blumenwiese.

Aber die Bienen sind schon für den Winterschlaf bereit. „In diesem Jahr habe ich im August eingefüttert“, so Simon. Während jetzt die Pflanzen beginnen, sich zu entfalten, sind die Insekten schon im Winterquartier. Nun hat die Biene nichts mehr von dem Angebot.

Aus der Sicht von Mandy Simon wäre die beste Zeit einer solchen Blumenwiese oder eines Blühstreifens nach der Rapsblüte. „Wenn der Raps verblüht ist, fehlt etwas und die Bienen verhungern“, so die Imkerin. Daher würde sie es begrüßen, wenn solche angelegten Areale früher als Futter für Bienen und andere Insekten zur Verfügung stehen könnten.

Aus dem Hobby soll ein Beruf werden

Im Jahre 2013 fasste Mandy Simon den Entschluss und gründete ihre kleine Imkerei. Es ist ein großes Stück Arbeit, aber das stört sie nicht. Sie sieht lieber die kleinen Erfolge. „Die Imkerei wächst langsam“, berichtet sie. Dass die kleinen Insekten und der wertvolle Honig mehr als nur ein Hobby sind, weiß die 46-Jährige schon lange.

Aus diesem Grund hat sie einen Entschluss gefasst: „Ich möchte mit meiner Imkerei gern meinen Lebensunterhalt erwirtschaften.“ Schon jetzt ist sie bei Veranstaltungen der Hingucker. Sie hält nicht nur den Honig und andere Erzeugnisse parat, sondern sie bringt auch gleich ein paar ihrer geliebten Bienen mit. So war sie auch beim Kürbisfest in Bölzke zu sehen.

Ihre Bienen bringt sie sogar auf Veranstaltungen mit. Quelle: Julia Redepenning

Pläne für die Zukunft hat sie auch und nicht nur jenen, dass die Imkerei weiter wachsen soll. „Ich möchte meinen Bienensachverständigen machen“, verrät sie. In Eigenarbeit bringt sie sich das Themen Imkerei und Bienen näher. „Ich möchte noch viel lernen“. Aus diesem Grund besucht sie auch regelmäßig den Imkerstammtisch und tauscht sich mit Kollegen aus. Einmal im Monat, immer am letzten Freitag, findet dieser in Falkenhagen bei Pritzwalk statt.

Von Julia Redepenning

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