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Pritzwalk Neue Gänse-Mast: Betreiber stellen sich den Bürgerfragen
Lokales Prignitz Pritzwalk Neue Gänse-Mast: Betreiber stellen sich den Bürgerfragen
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17:38 11.07.2019
Ben Siefert ist einer der drei Betreiber von „Gans natürlich“ und für den Tierbestand verantwortlich. Quelle: Bernd Atzenroth
Helle

„Wir sind ein transparenter Betrieb, wir haben nichts zu verbergen.“ So sagt es Ben Siefert, als er am Mittwoch zusammen mit Ralf Remmert den Bürgern von Helle (Gemeinde Groß Pankow) vorstellt, was neuerdings auf der früheren Putenmastanlage am Ortsausgang Richtung Wolfshagen geschieht.

Beide sind gemeinsam Betreiber einer neuen Anlage, in der Biogänse in Freilandhaltung gezogen werden – der dritte Betreiber Björn Marcus ist nicht anwesend. Die von ihnen gegründete GbR „Gans natürlich“ hat das Gelände von der Helma Agrarproduktion mit Sitz in Lockstädt gepachtet und hält dort bereits in den Stallungen die ersten Gänse.

Bürger hatten viele Fragen

Für alle Gäste gibt es an diesem Abend Wurst und Fleisch vom Grill. Siefert und Remmert stehen beim Vor-Ort-Termin den Bürgern auch ausführlich Rede und Antwort.

Allein: Einige Einwohner von Helle hätten sich das früher gewünscht – die Bürger wären gerne schon vor Produktionsstart einbezogen worden.

Gerüchte über die neue Anlage habe es bereits im Februar gegeben, doch erst im Juni habe der Ortsbeirat dies bestätigen können, sagt zum Beispiel Jutta Röder.

Bürger von Helle hatten eine Menge an Fragen an die Betreiber der neuen Anlage. Quelle: Bernd Atzenroth

Sie hat 29 von Bürgern vorformulierte Fragen zu dem Ortstermin mitgebracht und darin die Ängste vieler Anwohner thematisiert. Da befürchten einige eine Massentierhaltung, andere haben Fragen zu einem Antibiotikaeinsatz oder aber zu einer möglich zusätzlichen Verkehrsbelastung in dem kleinen Ort.

„Wir befürchten eine große Minderung der Lebensqualität durch Lärm und Geruch“, sagt sie. Sie denkt dabei auch daran, dass sich gerade in dem kleine Örtchen vier Familien neu angesiedelt haben.

Seit dem 12. Juni läuft der Betrieb

Die Betreiber versuchten die Bedenken zu zerstreuen. Antibiotika seien ansonsten aufgrund des Tierbestandes nicht notwendig, sagt Siefert. Sie würden nur im Notfall eingesetzt, und die entsprechenden Tiere würden dann separiert. Und sie würden mit einer Sperre belegt. Von Massentierhaltung könne auch keine Rede sein.

Ben Siefert erklärte, dass im Mai mit dem Arbeiten an den baulichen Anlagen begonnen wurde und dass seit dem 12. Juni nun der Betrieb läuft. Ralf Remmert betont, dass die neue Firma nichts mit der ebenfalls von ihm geführten Firma Prignitzer Landschwein im benachbarten Neudorf zu tun hat, auch wenn „Gans natürlich“ dort ihr Büro hat. Seine Aufgabe sei es, die Kunden zur Verfügung zu stellen. Er erklärt auch, dass es sich um ein Saisongeschäft handele, und zwar zu zwei Terminen: dem Martinstag und Weihnachten.

1200 Gänse werden derzeit in Helle gehalten - bald auch draußen. Quelle: Bernd Atzenroth

Die erste der beiden Tranchen von jeweils etwa 1200 jungen Gänse befindet sich noch in einer der beiden Stallanlagen, soll aber bald draußen gehalten werden. Ben Siefert, 28 Jahre alter Junglandwirt, ist für die Tierhaltung zuständig und erklärt, was hier gemacht wird. Gössel werden bis zur vierten Lebenswoche erst in einem Raum gehalten und intensiv betreut, bis sie in der Lage sind, sich zu orientieren.

Dann kommen sie in den Nachbarraum, werden dort auf frischem Stroh gehalten und für die spätere Freilandhaltung vorbereitet. Das Stroh werde aus der Region bezogen, genauso wie das Futter. Ab der neunten Lebenswoche sollen die jungen Gänse dann Tag und Nacht draußen werden, und das auf der Fläche, die die Stallanlage umgibt.

Ralf Remmert stellte sich den fragen der Bürger. Quelle: Bernd Atzenroth

Diese wird derzeit auf 2000 Quadratmetern entsiegelt, weshalb sich vor den Stallungen ­gerade Bagger befinden. Auch der betonierte Innenhof soll abgetragen und so zur Freilandhaltungsfläche werden. Die beiden Betreiber ­erklären dann noch, dass die Gänse in einem Container auf dem Hof selbst geschlachtet werden sollen.

„Wir müssen sehen, wie es in der Praxis ist“

Der Ortsbeiratsvorsitzende Christian Rochnia und Groß Pankows Gemeindebürgermeister Marco Radloff waren an diesem Abend genauso dabei wie 24 Bürger aus dem Ort oder aus Nachbarorten. Es gibt aber auch Bürger von Helle, die dazu eine andere, nicht ganz so kritische Auffassung haben, wie eine Frau deutlich machte. „Alle Meinungen sind hier nicht ­abgefragt worden“, sagte sie, „wir müssen sehen, wie es in der Praxis ist.“

Im Nachgang musste Remmert zugeben, dass die Information der Öffentlichkeit bei den intensiven Vorbereitungen auf den Firmenstart etwas untergegangen ist. Er versprach aber, dass es nach den Sommerferien im August einen weiteren Termin geben soll, auf dem auch diejenigen sich informieren können, die jetzt gerade im Urlaub weilen – er reagierte damit auf die Kritik von Bürgern, dass die Veranstaltung kurzfristig angesetzt war und in den Urlaub fiel, so dass einige Bürger sie nicht wahrnehmen konnten.

Die Fläche vor der alten Putenfarm, in der jetzt Gänse untergebracht sind, wird derzeit entsiegelt. Quelle: Bernd Atzenroth

Bis 2016 wurde auf dem 2,5 Hektar großen Areal Putenmast betrieben. Seitdem stand die Anlage leer. Das zweite Stallgebäude soll nach Angaben Ben Sieferts auch gar nicht oder nur im Ausnahmefall genutzt werden, etwa wenn im Fall von Geflügelpest eine getrennte Unterbringung nötig ist.

Jutta Röder sagt im Nachgang, dass es mehr Information gegeben habe, als sie erwartet habe. Man wolle die Betreiber nun beim Wort nehmen und warten, dass sie den versprochenen weiteren Informationstermin anberaumen. Eins aber ist für Kritiker nach wie vor unklar: Wer die Anlage wann genehmigt hat, und vor allem, wer davon gewusst hat.

Von Bernd Atzenroth

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