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Pritzwalk Offroad in Kammermark: Mit Vollgas durchs Schlammloch
Lokales Prignitz Pritzwalk Offroad in Kammermark: Mit Vollgas durchs Schlammloch
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00:22 08.05.2019
Das Schlammloch war die härteste Prüfung beim Offroadtreffen in Kammermark. Quelle: Stephanie Fedders
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Pritzwalk

Der Berg hat es in sich. Ihn müssen alle bezwingen. Dafür gibt nur eine Chance – Maß nehmen und hoffen, dass es passt. Jens Spiess gibt Gas und jagt seinen Wagen nach oben. Mit Karacho legt er eine der Stangen um. Das war’s. Der Sieg rückt in weite Ferne.

Starke Nerven sind gefragt

Für Unterhaltung der spektakulären Art ist gesorgt beim Offroad-Wochenende des 4x4-Clubs Kammermark. Vor den Toren Pritzwalks trafen sich die Autofahrer, denen Tempo 200 auf der Autobahn einfach zu langweilig ist. Hier, auf dem einen Hektar großen Gelände, sind andere Qualitäten gefragt.

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Starke Nerven und viel Gefühl in den Füßen brauchten die Teilnehmer beim Trial-Wettkampf auf dem Gelände des 4x4-Clubs in Kammermark.

Wer an den Start geht und sich durch die verschiedenen Sektionen kämpft, braucht starke Nerven und viel Gefühl in den Füßen. Sektionen sind die einzelnen Stationen auf der Strecke. Mit zwei Holzstangen werden die Tore abgesteckt. Obenauf liegen Sechskantmuttern, die herunter fallen, wenn die Stangen berührt werden. Zeit spielt keine Rolle.

Die Club-Mitglieder gehören nicht zum Fahrerfeld. Sie sind an diesem Wochenende anderweitig gefordert, helfen mit in der Küche, stehen am Grill, und gehören zu den Streckenposten.

Alle Fahrer haben am Ende „eine Schraube locker“

Ihnen entgeht kein Fehler. Und davon gibt es einige, die mit Punkten bestraft werden. „Null Punkte wäre das beste“, sagt der Vereinsvorsitzende Marcus Buschke, der kurz vor dem Start zum nachmittäglichen Wettkampf die Stangen kontrolliert. Er weiß schon jetzt, dass am Ende alle im wahrsten Sinne des Wortes eine Schraube locker haben: „Fehlerfrei kommt keiner durch.“

Udo Herbert in seinem Eigenbau kämpft sich den Berg rauf. Quelle: Stephanie Fedders

Selbst Udo Herbert nicht. Der Wariner ist schon häufiger in Kammermark am Start gewesen und kein Unbekannter in der Trial-Szene. Udo, wie ihn alle nennen, fällt schon von weitem auf mit seinem… Was hat er da eigentlich zusammengeschraubt? „Da steckt alles drin – Ford, Suzuki Trabant. Aber die Kupplung habe ich nicht neu erfunden“, klärt Herbert auf.

Er hat gerade seine Prüfung hinter sich und steht mitten im Gelände. Kritisch guckt er auf den Hügel, auf dem eine enge Schleife abgesteckt ist. Der weiche Sand lässt die Fahrzeuge schnell in Schräglage geraten. Kurz vorm Umkippen kriegt Udo die Kurve, gräbt sich aber tief ins Erdreich. „Dass der Berg jetzt so aussieht, war nicht geplant“, gibt Herbert zu.

Adrian Wegner ist mit 19 Jahren der jüngste Fahrer

Eine Extra-Herausforderung für alle, die nach ihm kommen. Adrian Wegner gehört dazu, 19 Jahre altes Talent von der Offroadgemeinschaft Nord.

Seit diesem Jahr fährt er mit seiner Schwester Josy (14) als Beifahrerin in einem umgebauten Suzuki. Und der hat eine Besonderheit: „Ein zweites Verteilergetriebe“, erzählt Adrian Wegner.

Der Grevesmühlener ist das erste Mal mit seinen Klubkameraden in Kammermark, kommt mit dem Kurs aber super zurecht. Selbstbewusst steigt er aus dem Auto, fast hätte es zu einer fehlerfreien Runde gereicht. Aber auch so ist er zufrieden, hat es den „alten Hasen“ gezeigt.

Mandy Zentner auf der Jungfernfahrt mit ihrem umgebauten Suzuki. Quelle: Stephanie Fedders

Ebenfalls mit einem umgebauten Suzuki ist Mandy Zentner unterwegs. Als einzige Frau am Steuer. „Das ist die Jungfernfahrt mit dem Wagen“, erzählt sie stolz. Statt weiß strahlt der Aufbau in signal-violett – und damit um die Wette mit der Sternbergerin, die auch nur eine heruntergefallene Mutter zu beklagen hat. Ein lauter Jubelschrei ertönt im Ziel, für den Beifahrer Jens Spiess gibt es ein „High five“.

Und dann ist da noch Robert Müller in seinem umgebauten Jeep. Mit Stahlhelm und Zigarette im Mundwinkel. Er wagt sich als erstes ins gefürchtete Schlammloch, dem Höhepunkt des Tages. Zieht stilvoll ein Regencape mit Tarnmuster über und ab geht es ins Wasser. 4000 Liter haben die Clubmitglieder eingelassen. Hier warten keine Stangen und keine Muttern. Hier geht es ums Durchkommen. Einmal, zweimal, dreimal – Müller gibt Vollgas. Sehr zur Freude der Zuschauer, die genau das sehen wollen beim Gelände-Wochenende in Kammermark.

Von Stephanie Fedders