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Pritzwalk Stadt soll Residenz für Künstler werden
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Pritzwalk soll Residenz für Künstler werden

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19:09 21.11.2021
Lea Kontak (links an der Wand) und Nikita Träder (hockend) sprachen bei der Lesung mit den Gästen über ihre Pritzwalk-Fotos
Lea Kontak (links an der Wand) und Nikita Träder (hockend) sprachen bei der Lesung mit den Gästen über ihre Pritzwalk-Fotos Quelle: Stefen Niemeyer
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Pritzwalk

„Kultur soll helfen, gegen die Leere der Pritzwalker Innenstadt anzukommen“, sagt Grafikdesignerin Lea Kontak. Dafür engagiert sich die in Berlin lebende Pritz­walkerin im hiesigen Verein „Kunst Freunde Pritzwalk“. Junge Künstler sollen in die Stadt gelockt werden, erhalten für ihren auf zwei Wochen angelegten Aufenthalt Unterkunft, Raum und Material zum Arbeiten und sollen dabei Land und Leute schätzen und kennenlernen.

Erste Eindrücke vorgestellt

Bei einem ersten Aufenthalt waren die gebürtigen Pritzwalkerinnen Nikita Träder und Lea Kontak im Sommer in ihrer alten Heimatstadt. Am Sonnabend stellten sie ihre Eindrücke dem 20-köpfigen Publikum im Café der Museumsfabrik vor. Für die musikalische Begleitung sorgte MAZ-Redakteur Bernd Atzenroth, der schon seit über 50 Jahren Klavier spielt und die Pause zwischen Lesung und Diskussion mit jazzigen Tönen füllte.

„Wo ist der Bäcker, wo essen wir zu Mittag?

Kontak und Träder berichteten in einer Art szenischen Lesung, wie sie erstmals seit ihrer Kindheit wieder bewusst in der Stadt unterwegs waren. Als 15-jähriges Mädchen hatte Lea Kontak noch Schilder mit dem Spruch „Das Leben ist ein Wunder“ an die Straßenbäume gehängt, nun bestimmten die Suche nach Kontakt mit der Bevölkerung und nach Essbarem die Tage: „Wo ist der Bäcker, wo essen wir zu Mittag?“, fragten sie sich – und entdeckten alte, verfallene Ort mit eingeworfenen Scheiben und offenen Türen, suchten nach romantischen Erinnerungsmomenten und wurden immer wieder vom Lärm der berüchtigten Pritzwalker Kopfsteinpflasterstraßen in die Realität zurückgeholt. „In Pritzwalk scheint Veränderung nur langsam zu schlurfen“, sagte Träder.

Lea Kontak diskutiert nach der Lesung mit zwei Zuhörerinnen. Quelle: Stefen Niemeyer

Mittags um 14 Uhr sei nur noch ein Schnitzelbrötchen im Real zu ergattern gewesen – ungewohnte Verhältnisse für die Stadtmenschen, die gewöhnt sind, an exotisches, vegetarisches oder veganes Essen zu gelangen. In diesen Momenten entdeckte Träder auch das Meckern „als meine Pritzwalker Seite“.

Schwierigkeiten beim Knüpfen von Kontakten

Ein „von einem Wolfsrudel mit verspiegelten Brillen“ zugeworfenes „Hallo“ habe sofort Fragen aufgeworfen, wie es wohl gemeint sei, berichtete Träder. Es sei schwer, Kontakt zu knüpfen, pflichtete Kontak bei. Was bei ihrem Aufenthalt fehlte, waren Listen mit Orten, die man als Künstler kennenlernen sollte. Auf jeden Fall habe der Aufenthalt die eigene Ambivalenz als Dorf- und Stadtkind bewusst gemacht, sie verändert. Gerade darin könnten Künstler Inspiration finden.

In der anschließenden Diskussion wurde von Bernd Atzenroth angeregt, dass die Künstler bei ihren Aufenthalten die aktive Auseinandersetzung mit der Stadt suchen sollten, das helfe beiden Seiten. Die Probe-Residenz hat der Pritz­walker Rotary-Klub mitfinanziert. Für die erste Residenz werde im Dezember eine Ausschreibung veröffentlicht, bei der Sparkassenstiftung sei ein Förderantrag eingereicht worden, berichtete Chady Seubert.

Bewerber gesucht

Anfang 2022 wird eine Jury des Vereins entscheiden, welcher Bewerber im nächsten Sommer für zwei Wochen nach Pritzwalk kommen darf. Für den Aufenthalt sucht der Verein noch Paten, die als Ansprechpartner oder Begleiter beim Projekt mithelfen wollen. Anfragen sind per E-Mail an info@kunstfreundepritzwalk.de möglich.

Von Stefen Niemeyer

20.11.2021
20.11.2021