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Pritzwalk Tag des offenen Denkmals in der Museumsfabrik
Lokales Prignitz Pritzwalk Tag des offenen Denkmals in der Museumsfabrik
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18:11 08.09.2019
Nach und nach nimmt die ständige Ausstellung in der Museumsfabrik Gestalt an. Quelle: Fotos: Bernd Atzenroth
Pritzwalk

Wer heute in die Pritzwalker Museumsfabrik kommt, mag sich kaum noch ausmalen, wie es hier vor gerade einmal sechs Jahren noch ausgesehen hat. Auch damals traf man sich hier aus Anlass des Tags des offenen Denkmals, ganz zu Beginn der Bauarbeiten, an deren Ende aus der alten Tuchfabrik ein Platz zum Wohnen, eine Bildungsstätte und ein ambitioniertes Museum geworden ist.

16 Denkmale öffneten offiziell im Landkreis Prignitz ihre Pforten für Gäste. Die Hauptveranstaltung fand in der Pritzwalker Museumsfabrik statt. Aber auch an anderen Orten im stadtgebiet spielte der Tag des offenen Denkmals eine Rolle.

Ein Selbstläufer war all dies nicht, wie sich am Sonntag Pritzwalks Bürgermeister Ronald Thiel erinnerte. „Da hat so manches Mal die Bauberatung geraucht“, erzählte er in seiner Begrüßung der Gäste, die hier am Sonntagnachmittag an der zentralen Prignitzer Veranstaltung zum Tag des offenen Denkmals teilnahmen. 16 Denkmale waren an diesem Sonntag offiziell im Landkreis Prignitz geöffnet, 8000 waren es in ganz Deutschland.

Uhe: „Es freut mich sehr, dass Pritzwalk die Chance erkannt hat“

Zu den Gästen in Pritzwalk zählten auch Landrat Torsten Uhe und sein Vorgänger Hans Lange. Beide erhielten aus Thiels Händen die ersten beiden Exemplare einer neuen Publikation der Stadt, die Rettung, Rekonstruktion und Umbau der Pritzwalker Tuchfabrik von 2011 bis 2018 dokumentiert. „Es freut mich sehr, dass Pritzwalk die Chance erkannt hat“, lobte Uhe in seiner Ansprache.

Für die Besucher war es interessant zu sehen, wie die ständige Ausstellung über die Geschichte der Pritzwalker Industrialisierung Form annimmt. Auch der Treppenflur ist mittlerweile gestaltet.

Stolz auf die Tage der offenen Baustelle

In kleinen Führungen rund um das Gebäude wollte die Stadt an die sieben Tage der offenen Baustelle anknüpfen, an denen die Pritzwalker in den vergangenen Jahren sehr transparent erfahren konnten, wie der Bau vorankam. Auf diese Tage der offenen Baustelle ist Thiel noch heute stolz.

Einziger kleiner Wermutstropfen an diesem Tag: Es war wohl die vorerst letzte größere Gelegenheit, im Museumscafé einzukehren, denn Silke Müller vom Café Pannacotta wird es wieder abgeben.

Ein schwieriges Thema deutsch-polnischer Geschichte

Die Museumsfabrik ist gleichwohl ein gutes Beispiel dafür, wie ein altes Bauwerk wieder mit Leben gefüllt werden kann, gleich ob es seine alte Widmung wieder erhält oder damit etwas ganz Anderes geschieht. Im zweiten Stock des Museums ist bei dieser Gelegenheit eine weitere Ausstellung eröffnet worden, bevor auch hier nach und nach die ständige Ausstellung Einzug halten soll.

Es handelt sich um eine Schau, die sich dem Schicksal von Herrenhäusern und Schlössern diesseits und jenseits der heutigen deutsch-polnischen Grenze widmet. 1600 solcher Gebäude sollten nach dem Willen der sowjetischen Militäradministration nach 1945 geschleift werden, bei einem Zehntel ist das auch vollends gelungen.

Gordon Thalmann gab einführende Erläuterung zur neuen Ausstellung über Schlösser. Quelle: Bernd Atzenroth

Die Wanderausstellung, an der deutsche und polnische Denkmalschützer gemeinsam gearbeitet haben, war bereits im Landtag von Sachsen wie in dem von Brandenburg zu sehen, und von dort ist sie nun in die Prignitz gewandert. Gordon Thalmann von der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landkreis eröffnete die Ausstellung mit einleitenden Erläuterungen dieses „schwierigen Themas der deutsch-polnischen Geschichte“, insbesondere über die vier zusätzlichen Tafeln, die Prignitzer Gutshäusern gewidmet ist. „Diese Geschichte ereignete sich nicht nur entlang der polnischen Grenze“, begründete dies Thalmann.

Abgebrannt, abgerissen und noch 1989 gesprengt

Das Schicksal der vier Häuser ist ganz unterschiedlich. Während Schloss Wolfshagen regelrecht erstrahlt und auch Schloss Rühstädt eine Erfolgsgeschichte verkörpert, sieht es in Demerthin und Krampfer anders aus.

Dokumentiert sind zusätzlich mit einigen Fotos Gutshäuser und Schlösser, die es nicht mehr gibt, ob in Quitzow, Eggersdorf, Ponitz oder Felsenhagen. Erinnert wird auch an jene, die abgebrannt sind, wie in Wilsnack oder Dannenwalde. Das Gutshaus in Krams wurde gar noch im Jahr 1989 gesprengt.

Auch in der Nikolaikirche gab es eine kleine Veranstaltung zum Denkmaltag. Vom Vormittag bis zum frühen Nachmittag wollten sich allein hier 32 Leute ein Denkmal anschauen. Quelle: Bernd Atzenroth

Auch in der Nikolaikirche gab es eine kleine Veranstaltung zum Denkmaltag. Vom Vormittag bis zum frühen Nachmittag wollten sich allein hier 32 Leute ein Denkmal anschauen. Gedanken machen sich die Pritzwalker auch über die künftige Nutzung ihres Denkmals, denn bei einer Kirche steht – anders als bei den meisten Gutshäusern – auch ihre originäre Nutzung weiter im Mittelpunkt. Auch wenn man heute Gottesdienste anders feiert und gerade in so einer großen Kirche weniger Sitzplätze bräuchte.

Vom Selbstgefühl der Bauherren

„Wichtig ist, dass es so einen Tag gibt, damit man noch einmal bewusst wahrnimmt, was es in der Stadt so alles an Gebäuden gibt“, findet Pfarrerin Susanne Michels, die in Pritzwalk und später in der Dorfkirche von Schönhagen eine biblische Herleitung zum Denkmaltag suchte.

Auch in Schönhagen (Stadt Pritzwalk) war die Kirche am Tag des offenen Denkmals geöffnet. Mitglieder des Kirchgemeinderats kredenzten den Gästen Kaffee und Kuchen. Quelle: Bernd Atzenroth

Wichtig auch, dass man wahrnimmt, wie eins mit dem anderen zusammenhängt. Denn der prächtige Kirchturm ist nicht umsonst in den 1880er Jahren gebaut, als Pritzwalks Aufstieg als Tuchmacherstadt gerade in vollem Gange war. „Was das für ein Selbstgefühl in der Stadt gewesen sein muss, eine solche Kirche zu haben“, sinniert die Pfarrerin im Gespräch mit der MAZ. Ein wenig von dieser Zeit wurde also nicht nur in der Tuchfabrik wieder lebendig.

Von Bernd Atzenroth

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