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Pritzwalk Uniformen aus Pritzwalker Tuche in der Museumsfabrik
Lokales Prignitz Pritzwalk Uniformen aus Pritzwalker Tuche in der Museumsfabrik
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00:20 09.04.2019
Museumsleiter Lars Schladitz zeigt die alte Dampfmaschine im Foyer der Museumsfabrik – es isz zwar nicht das Original der Tuchfabrik, jedoch mindestens genauso bewundernswert.
Museumsleiter Lars Schladitz zeigt die alte Dampfmaschine im Foyer der Museumsfabrik – es isz zwar nicht das Original der Tuchfabrik, jedoch mindestens genauso bewundernswert. Quelle: Marcus J. Pfeiffer
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Pritzwalk

Soldaten, Polizisten, Zugführer und Postboten – sie alle trugen Uniformen der Pritzwalker Tuchfabrik. Einige ganz besondere Exemplare sind ab sofort in der Museumsfabrik zu sehen, die heute die großen Fabrikhallen aus dem 19. Jahrhundert beherbergt.

Vorträge und Führung durch die Fabrikhallen

Die alten Uniformen stammen von der Familie von Stein zu Nord- und Ostheim, ein fränkisches Uradelsgeschlecht. „Wir wissen, wer die Uniformen getragen hat. Wir kennen das Schicksal“, betont Bernhard von Barsewisch bei der Frühjahrstagung des Vereins für die Geschichte der Prignitz am Samstagvormittag.

Zuwachs in der Ausstellung: Aus Pritzwalker Tuche entstanden Uniformen für Soldaten, Polizisten, Zugführer und Postboten. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Zweimal im Jahr kommen die 111 Mitglieder des Vereins an einem historischen Ort in der Prignitz zusammen – diesmal in der Museumsfabrik in Pritzwalk. Es gab mehrere Vorträge und eine Führung durch die alten Fabrikhallen, zu denen auch die Öffentlichkeit eingeladen war. Die alten Uniformen zählten zu den Höhepunkten.

Dampfmaschine aus den 1840er-Jahren

Zwei Jahre ist es her, als die Familie in Hessen auf dem Dachboden die gut erhaltenen Stücke fanden. Über Bernhard von Barsewisch kamen sie zur Dauerausstellung in die ehemalige Tuchfabrik nach Pritzwalk, wo sie nun im Erdgeschoss zu sehen sind. Stück für Stück sollen weitere Teile der Ausstellung hinzukommen, erzählt Museumsleiter Lars Schladitz.

Stück für Stück wird die Dauerausstellung in der Museumsfabrik mit neuen Ausstellungsteilen ergänzt. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Erste große Gerätschaften sind schon da, aber noch im Aufbau. Kurz hinter dem Eingang steht eine alte Dampfmaschine aus den 1840er-Jahren. „Es ist nicht das Original aus der Tuchfabrik“, gibt Lars Schladitz zu. Im Original hatte das Schwungrad einen Durchmesser von vier Metern, beim jetzigen sind es gerade mal 1,20 Meter.

Hierarchische Ordnung und moralische Disziplin

In der Ausstellung wollen die Initiatoren alle zwölf Arbeitsschritte in der damaligen Tuchfabrik zeigen – von der Ankunft der Wolle bis zum Webstuhl. Die Uniformen waren damals eine ganz eigene Branche der Pritzwalker Fabrik und finden schon jetzt in der Ausstellung ihren Platz.

Museumsleiter Lars Schladitz führt die Teilnehmer durch die Ausstellung der Museumsfabrik. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Die Uniform stand für eine hierarchische Ordnung und für moralische und körperliche Disziplin. Ihre Träger mussten Befehle folgen oder konnten Befehle erteilen. Sie alle sollten einheitlich aussehen. Nur kleine Unterschiede in Schnitt, Farben und Symbolen zeigten die hierarchischen Stufen.

Pritzwalker Tuche von 1839 bis 1945

Die Königlich Preußische Armee und die Kaiserliche Armee bestellten große Mengen Pritzwalker Tuche. Mehrere Kriege ließen die Geschäfte aufblühen. Behördliche Abnehmer und andere Organisatoren spielten auch eine wichtige Rolle. Pritzwalker Tuche, die von 1839 bis 1945 aus Wolle hergestellt wurde, ging bis nach Breslau, Brandenburg, Danzig, Stettin und noch weiter hinaus.

Lars Schladitz informiert über die alte Tuchfabrik und wie die jetzige Museumsfabrik in Zukunft aussehen soll. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Bis in den Nachmittag hinein gab es bei der Frühjahrstagung ein abwechslungsreiches Programm, dass sich auch mit den ökologischen und ökonomischen Aspekten der Tuchfabrik sowie den sozialen Umbrüchen im 19. Jahrhundert beschäftigte.

Herbsttagung in Havelberg

Den Verein zur Geschichte der Prignitz gibt es schon seit 20 Jahren. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Prignitzer Regionalgeschichte wissenschaftliche zu erforschen und allen an der Geschichte der Prignitz Interessierten ein Forum zu bieten.

Die nächste Herbsttagung findet im September im Prignitz-Museum in Havelberg statt. „Wir möchten den dortigen Verein mit 2000 Euro unterstützen“, gibt Vorstandsvorsitzender Uwe Czubatynski bekannt. Im nächsten Jahr feiern sie dort Jubiläum: 850 Jahre ist es her, als der Dom in Havelberg am 16. August 1170 auf den Namen der Jungfrau Maria geweiht wurde.

Von Marcus J. Pfeiffer